ARCHITEKTURFUNK
ARCHITEKTURFUNK

ARCHITEKTURFUNK

Heinze-Podcast-Team


Podcast

Host Klaus Füner spricht alle 14 Tage mit den Vordenker*innen und Newcomern aus Architektur, Design, Stadtplanung und Landschaftsplanung. Ob visionäre Konzepte oder bauliche Innovationen: Alles, was die hochkarätig besetzten Netzwerkveranstaltungen von Heinze an Themen hervorbringen und was relevant erscheint, wird hier ins Gespräch gebracht. Damit Ihr nichts verpasst, von dem, was die Baubranche bewegt. Das Klimafestival für die Bauwende wird hier auditiv weitergeführt und die Bauwende inhaltlich weiter verfolgt. Denn es gibt viel zu tun, hören wir denen zu, die schon ins Handeln gekommen sind.

Alle Folgen

  • #218 - Reißt sich Stuttgart (noch immer) selbst ab?

    Vor 2 Tagen49:22

    Ein Passant sagt: "Das Ding kann weg." Eine Passantin ruft aus: "Ich bin richtig traurig, das ist ein super Gebäude!" Zwei Meinungen, ein Gebäude, eine Stadt, die sich nicht einig ist – und ein Eigentümer, der längst entschieden hat. Prof. Martina Baum, Architektin und Stadtplanerin, Amber Sayah, Redakteurin bei der "Stuttgarter Zeitung", mit Schwerpunkt Architektur und Kunst und Wilfried Dechau diskutieren, unter Moderation von Klaus Füner, live vor Publikum über das Wittwer-Gebäude in Stuttgart – 1968 erbaut, bis heute als Buchhandlung genutzt, seit einem Dreivierteljahr Zentrum einer erhitzten Debatte um Abriss und Neubau. Anlass: ein Gemeinderatsbeschluss, der Eigentümerinteressen über Bestandserhalt stellt – und eine Grünen-Fraktion, die dem eigenen Erhaltungsanspruch selbst widerspricht. Baums These: Baukultur ist immer Ausdruck gesellschaftlicher Werte – und die Frage, mit welchen Teilen einer Stadt wir weitermachen, verlangt sorgfältige Abwägung statt bequemer Investorenentscheidungen. Ihre Beobachtung aus zahlreichen Umbaufällen: Am Ende steht fast immer dieselbe Rechnung – 25 bis 30 Prozent mehr vermietbare Fläche, mehr Rendite, weniger Bestand. Im Publikum: kontroverse Stimmen zu Denkmalschutz als zahnlosem Tiger, zur Bauteilbörse Basel als Blaupause und zur Frage, warum ein 1990 gebautes Krankenhausgebäude schon wieder abgerissen wird. Ein Gespräch über die Aushöhlung des Denkmalschutzes durch Investoreninteressen, ein mögliches Abrissmoratorium, die fehlende Abrissgenehmigung im deutschen Baurecht und die Frage, ob eine Gesellschaft von privaten Eigentümern verlangen darf, was sie selbst für richtig hält.

  • #217 – Jan Tröber, TSSB Architekten - Carolabrücke 3.0 - der Gewinnerentwurf!

    10.09.202634:47

    Wenige Minuten zuvor war noch eine Straßenbahn drübergefahren. Dann, mitten in der Nacht, stürzt ein Teil der Carola-Brücke in die Elbe. Zwei Jahre später steht fest, wer Dresdens Hauptverkehrsachse neu bauen darf. Jan Tröber, Partner bei TSSB Architekten in Dresden, hat gemeinsam mit dem spanischen Ingenieurbüro FHECOR und dem Landschaftsarchitekturbüro UKL den Wettbewerb um die neue Carola-Brücke gewonnen – nur wenige hundert Meter vom eigenen Büro entfernt, wo Tröber den Einsturz am 11. September 2024 hautnah miterlebte. Entstanden ist "Carola-Brücke 3.0": eine leichte Bogenkonstruktion aus Stahl und Sandstein, die Elemente der historischen Vorgängerbauten verbindet und erstmals seit 1895 wieder mit Bögen durch die Dresdner Altstadtkulisse spannt. Der Weg dorthin: ein vierstufiges Auswahlverfahren mit Fachexpertengremium, einer Bürgerabstimmung mit 26.000 Teilnehmenden, einem Begleitgremium aus Politik und Verbänden und einem klaren Votum des Stadtrats mit 39 zu 31 Stimmen. Tröbers Team punktete vor allem bei der Bevölkerung, wo eigene Kommunikationsarbeit – Visualisierungen, Erklärfilme, eine eigene Website – eine zentrale Rolle spielte. Ziel: eine Brücke, die 140 Jahre halten soll, mit Baubeginn 2028. Ein Gespräch über die Grenze zwischen Öffentlichkeitsarbeit und Lobbyismus im Wettbewerbsverfahren, die Rolle von Bürgerbeteiligung bei Stadtratsentscheidungen, ingenieurtechnische Baukunst bei 120 Metern Spannweite und die Frage, wie eine Stadt einen Symbolverlust in eine bessere Zukunft verwandelt.

  • #216 – Dr. Max von Bredow, MvB Baukultur – Besser bauen, besser leben

    27.08.202636:20

    Dr. Max von Bredow, Immobilienentwickler und Unternehmer, verbindet mit seinem Unternehmen „MvB Baukultur“ wirtschaftliche, ökologische und soziale Aspekte des Bauens. Der promovierte Maschinenbauer kam über seinen Schwiegervater zur Projektentwicklung und entwickelte daraus ein Geschäftsmodell, das Baukultur nicht als Zusatz versteht, sondern als Grundlage. Von Bredow setzt auf Nutzungsmischung statt Monofunktion: Wohnen, Arbeiten, Gastronomie, Pflege, Co-Working – alles unter einem Dach, alles im selben Quartier. Seine Winkelbauerhöfe in Holzkirchen zeigen, wie weit das gedacht werden kann: Inklusionscafé, Geothermie, Holzbauweise, Caritas-Tagespflege, Lastenfahrräder und ein Stellplatzschlüssel von 0,7. 80 Wohneinheiten, zwei noch verfügbar. Seine Lieblingsfrage: "Wann hast du das letzte Mal jemand zufällig in deinem Wohnzimmer kennengelernt?" Die Antwort erklärt alles und warum die Qualität der Zwischenräume über das Gelingen eines Quartiers entscheidet. Ein Gespräch über Bürgerbeteiligung als Planungsinstrument, soziale Bodennutzung, den Quartiersverein als Partyverantwortlichen und die Frage, warum besser bauen immer auch besser leben bedeutet.

  • #215 – Florian Waller, Behnisch Architekturbüro: Moderne Lernlandschaften

    16.07.202635:42

    Viele Schulgebäude, die wir heute kennen, stammen aus einem pädagogischen Modell des frühen 20. Jahrhunderts: Flur, Klassenzimmer, Tafel, Frontalunterricht. Doch wie lernen Kinder heute und welche Räume brauchen sie dafür wirklich? Florian Waller, Partner bei Behnisch Architekturbüro, einem der international renommiertesten deutschen Architekturbüros, hat die Josef-Schwarz-Schule in Heilbronn realisiert – Teil des Bildungscampus der Dieter Schwarz Stiftung und eines der meistdiskutierten Beispiele zeitgemäßer Lernarchitektur. Das Büro widmet sich seit jeher dem Bauen für eine offene, demokratische Gesellschaft – Schulen inklusive. Wallers Ansatz: Lernen passiert nicht ausschließlich im Klassenzimmer, sondern in der gesamten Schule. Die Josef-Schwarz-Schule übersetzt das konsequent: ein terrassiertes Gebäude auf einem Sockel, drei pavillonartige Baukörper für Grund-, Mittel- und Oberstufe, natürliche Lüftung statt Klimaanlage, Holz und Lehm statt HPL und Kunststoff. Fast 60.000 Quadratmeter – und kein Geschoss gleicht dem anderen. Seine Überzeugung: Das pädagogische Konzept gibt die Architektur vor, nicht umgekehrt. Und Nachhaltigkeit beginnt damit, Kindern beizubringen, dass ihre Handlungen Konsequenzen haben, auch wenn es im Klassenzimmer mal stinkt. Ein Gespräch über Lernlandschaften, die Grenzen von Flexibilität, natürliche Materialien als pädagogisches Mittel und die Frage, wie viel Identität eine Schule braucht, um wirklich zu wirken. Wichtige Partner für die Entwicklung des Projektes sind Planstatt Senner für die Außenanalagen sowie Transsolar für das Klimakonzept.

  • #214 – Lara Katscher, Werner Sobek AG - Das 1x1 der Bauphysik

    25.06.202625:00

    Jedes Gebäude, das wir heute planen, ist der Bestand von morgen. Doch noch immer werden Gebäude geplant, als ob Klimawandel, Ressourcenknappheit und zirkuläres Bauen Sonderthemen wären – und nicht die Grundlage einer jeden Planung. Lara Katscher, seit 2025 Vorständin der Werner Sobek AG, verantwortet dort die Bereiche Bauphysik, Nachhaltigkeit und Technische Gebäudeausrüstung. Das Unternehmen begleitet komplexe Bauprojekte von der Energiebilanzierung bis zur simulationsgestützten Klimaanpassung. Katscher begann 2016 als Werkstudentin und schaffte den Weg in den Vorstand in knapp zehn Jahren. Ihr Ansatz: Nachhaltigkeit beginnt nicht beim Zertifikat, sondern beim Entwurf. Kompakte Gebäudevolumen, optimierte Fassadentransparenz, Low-Tech-Strategien dort wo möglich und Technik nur dort, wo sie wirklich nötig ist. Ihre Beobachtung: Während der Fokus lange auf Energieeffizienz lag, rücken heute Materialwahl, Grauemissionen und Rückbaufähigkeit in den Mittelpunkt. Gebäude als temporäre Rohstofflager zu denken, ist für sie kein Zukunftsszenario, sondern dringende Gegenwart. Ein Gespräch über adaptive Fassaden, klimaresiliente Planung, die Rolle der Bauphysik im Zeitalter des Klimawandels und warum integrale Planung von Anfang an der einzige Weg zu wirklich nachhaltigen Gebäuden ist.

  • #213 - Sarah Barth, Leon Faust, Countdown 2030: Das Schweizer Bauwende-Kollektiv

    11.06.202648:31

    In der Schweiz werden pro Sekunde 500 Kilogramm Bauschutt produziert – eine halbe Tonne. Jährlich fallen 4.000 Häuser dem Abriss zum Opfer. Was, wenn der Abriss die Ausnahme würde statt die Regel? Sarah Barth und Leon Faust, Architektin und Architekt vom Verein Countdown 2030, kämpfen für eine klimaverträgliche Bauwende bis 2030. Die 2019 gegründete Schweizer Initiative entstand aus kollektivem Frust über einen Beruf, der maßgeblich zur Klimakrise beiträgt, während sich Architekt*innen über Grautöne und Fugenbreiten unterhalten. Entstanden sind Projekte wie die Ausstellung "Die Schweiz – ein Abriss" im Schweizer Architekturmuseum Basel, eine Petition mit 12.000 Unterschriften und das partizipative Portal Bauwende.tools. Barth und Faust setzen auf radikale Dringlichkeit: "2030 ist die entscheidende Dekade." Ihr Ansatz – dem Bestand einen Wert geben, der über den ökonomischen hinausgeht. Während die Politik von Kreislaufwirtschaft spricht, fehlen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Ihre Beobachtung: Wir bauen Rolls Royce, wo manchmal ein Käfer reicht. Die Herausforderung: Wie transformiert man einen ganzen Berufsstand? Wie schafft man gesellschaftlichen Wandel für politischen Wandel? Und was passiert am 31.12.2029 um 23:59:59 Uhr? Ein Gespräch über fatalistischen Aktivismus, die Macht der Digitalisierung beim Reuse, Hoffnung als aktiven Prozess und die Frage, warum sich der Verein 2030 selbst auflöst.