Treppen steigen, abtauchen und eine verschlafene Weiterentwicklung
Treppen steigen, abtauchen und eine verschlafene Weiterentwicklung

Treppen steigen, abtauchen und eine verschlafene Weiterentwicklung

BehindBlueEyes.de


Vor 3 Tagen • 9 Min.

Der markante Gasspeicher im Dresdner Stadtteil Reick ist Teil der kulturellen DNA der Stadt. Seit Yadegar Asisi das Panometer im Jahr 2006 eröffnete, konnte man von der Besucherplattform aus einen Blick auf den ⁠Barock des Jahres 1756⁠ werfen. Nach einem Bildwechsel war die ⁠Zerstörung 1945⁠ zu sehen. Wenn man jetzt die Stufen des Gerüsts hinaufsteigt, erlebt man das ⁠Great Barrier Reef⁠. Das Konzept war jahrelang ein faszinierendes Erlebnis. Ein gigantisches 360-Grad-Panorama, eine dichte Soundkulisse und die schiere Größe, die einen beim Betreten des dunklen Runds erst einmal innehalten lässt, sorgten für ein beeindruckendes Erlebnis. Doch bei der aktuellen Ausstellung „Great Barrier Reef“ stellt sich zum ersten Mal ein Gefühl ein, das ich dort früher nicht kannte: Routine. Leider stellt sich auch eine gewisse technologische Ernüchterung ein. Die aktuelle Ausstellung führt uns an die Nordostküste Australiens. Auf einer Fläche von rund 3.500 Quadratmetern entfaltet sich vor unseren Augen die Korallenwelt des Great Barrier Reefs im Pazifik. In einem tiefen, atmosphärischen Blau sehen wir die schillernde Pracht der Nesseltiere, Fischschwärme, die sich in den Korallenstöcken verlieren, sowie das Spiel des Lichts, das von der Meeresoberfläche bis in die Tiefe dringt. Begleitet wird dieses visuelle Erlebnis von einer Komposition von Eric Babak, die den meditativen Charakter der Unterwasserwelt unterstreichen soll. Wer Entschleunigung sucht, findet hier zweifellos einen Ort der Ruhe. Die Arbeit ist handwerklich ohne Frage brillant; die Detailtiefe, die Asisi durch die Kombination aus Tausenden Fotografien und digitaler Malerei erreicht, ist gewaltig. Doch dieses Mal wiegt das „Aber“ schwerer. Der ganz große Wow-Effekt will sich nicht mehr einstellen. Woran liegt das? Vielleicht liegt es daran, dass wir als Besucher in den letzten zwei Jahrzehnten visuell anspruchsvoller geworden sind. Als das Panometer eröffnete, war die Idee eines riesigen Rundbildes sensationell. Heute, im Jahr 2026, leben wir in einer Zeit der Virtual Reality und hochauflösender, immersiver Kunstausstellungen, die weltweit neue Maßstäbe setzen. Wenn man auf der Plattform steht und auf das Riff blickt, merkt man schnell: Die Größe allein macht es nicht mehr aus. Es bleibt eine bedruckte Stoffbahn. So sehr das Licht auch zwischen Tag- und Nachtmodus wechselt und die Musik anschwillt, das Bild bleibt statisch. Es fehlt das Element der Überraschung, das uns wirklich glauben lässt, wir befänden uns unter Wasser. ➔ ⁠BehindBlueEye.de⁠ ➔ ⁠Bluesky⁠ ➔ ⁠Instagram