Kinder in den Knast?
Kinder in den Knast?

Kinder in den Knast?

Eine Meine Deine Meinung - EMDM


23.04.2026 • 29 Min.

Anlass dieser Folge ist die aktuelle polizeiliche Kriminalstatistik, die eine Zunahme tatverdächtiger Kinder unter 14 Jahren zeigt. Das bringt Djamil und Tim zu einer der unbequemsten Fragen im Bereich Jugendkriminalität: Sollte das Strafmündigkeitsalter in Deutschland herabgesetzt werden – und sollten Kinder in den Knast? Wie immer wird die Seite per Los zugeteilt. Tim muss Pro (für Konsequenzen/Strafmündigkeit) argumentieren, Djamil Contra (gegen Kinderhaft). In Deutschland gelten Kinder unter 14 Jahren als nicht schuldfähig und können strafrechtlich nicht verfolgt werden. Politische Forderungen, diese Grenze zu senken, kommen u.a. von CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann und der AfD-Bundestagsfraktion. Das zugrundeliegende Prinzip: Abschreckung soll potenzielle Täterinnen und Täter zurückhalten. In der Schweiz gilt Jugendstrafrecht in Extremfällen bereits ab 7 Jahren, in England wurde die Grenze auf 10 Jahre gesenkt – mit laut Tim positiven Effekten auf die Kinderkriminalität. Tim (Pro – zugelost): Kinder wissen zwischen 10 und 12 Jahren bereits, was moralische Grundsätze sind – das aktuelle System signalisiert ihnen, dass Regeln (noch) nicht für sie gelten. Ohne spürbare Konsequenzen lernen Kinder: „Mir passiert nichts." Das fördert Wiederholungstaten. Persönliches Beispiel: Tims Frau wurde in Karlsruhe ein E-Scooter von einer Gruppe bekannter 13-Jähriger gestohlen – die Polizei kannte sie bereits, fuhr sie nach Hause, und die Gruppe wurde von ihrer Umgebung bejubelt. Es geht nicht zwingend um Knast, sondern um echte Konsequenzen: z.B. Haftung der Eltern, Sozialstunden – irgendetwas, das wirkt. Djamil (Contra): Unser Rechtssystem betrachtet nicht nur die Tat, sondern immer auch den Täter als Individuum mit Vorgeschichte – kein Mensch wird gewalttätig geboren. Sämtliche Studien zeigen: Haft löst das Problem nicht, sondern erhöht das Rückfallrisiko – besonders bei Kindern, die im Jugendvollzug mit erfahreneren Straftätern in Kontakt kommen. Kinderhaft bedeutet: Trennung vom sozialen Umfeld, dauerhafte Stigmatisierung, erschwerte Reintegration. Der Vergleich USA vs. Deutschland: Die USA haben deutlich härtere Strafen (inkl. Todesstrafe) und trotzdem eine sechsmal höhere Mordrate – drakonische Strafen schrecken nicht ab. Die eigentliche Lösung: mehr Investitionen in Sozialarbeit und Prävention, bevor Kinder straffällig werden. Kinder werden nur dann auffällig, wenn das Gefühl fehlt, dass sich jemand für sie interessiert. Djamil hat so argumentiert, wie er es auch privat tut: mehr Geld und Einsatz für Sozialangebote, Prävention vor Strafe. Tim sieht es persönlich ähnlich wie seine zugeloste Position: Er findet es problematisch, dass ein 13-Jähriger, der Mitschüler zusammenschlägt, keinerlei direkte Konsequenzen spürt. ------------- Kapitel: 00:00 Einleitung: Männer als Problem 02:53 Kriminalstatistik und ihre Implikationen 05:39 Die Rolle von Kindern in der Kriminalität 08:46 Gesellschaftliche Verantwortung und Erziehung 11:54 Strafrecht und Prävention bei Jugendlichen 15:12 Strafmündigkeit und Kinderkriminalität 17:52 Die Rolle von Strafen und Abschreckung 19:45 Entwicklung von Kindern und Inhaftierung 22:41 Gesellschaftliche Verantwortung und Kinder 24:48 Persönliche Meinungen und soziale Verantwortung Learn more about your ad choices. Visit megaphone.fm/adchoices