Die ursprünglichen Lügenerzählungen des historischen Karl Friedrich Hieronymus Freiherr von Münchhausen wurden zunächst von einem anonymen Autor niedergeschrieben und 1781 veröffentlicht. In Form einer englischen Übersetzung, die Rudolf Erich Raspe, der 1785 bereits Baron Münchhausens Narrative of his marvellous Travels and Campaigns in Russia herausgegeben hatte, gelangten sie zu Bürger, der sie zurück ins Deutsche übersetzte und frei bearbeitete. In seiner Einleitung zur deutschen Ausgabe von 1788 gab Bürger zu, dass er die englischen Originalwerke angepasst und ausgearbeitet habe, und trotz seines deutlichen Hinweises, wird er bis heute als der eigentliche Urheber der Erzählungen betrachtet. Obwohl zahlreiche Bearbeitungen des Stoffes folgten, bleibt Bürgers Version, die drei Jahre später noch in einer erweiterten Ausgabe erschien, wohl bis heute die bekannteste Fassung. Bürger fasste sie nicht als eine Erzählung zusammen, er präsentierte sie vielmehr scheibchenweise, als berichte er selbst darüber, während er mit Freunden einen angenehmen Abend verbringt. Anekdote folgt auf Anekdote. Man möchte ihm dabei fast jedes Wort glauben. Dieser Lügner ist sympathisch. Seine Abenteuer sind so dreist, seine Erzählungen so an den Haaren herbeigezogen, dass sie vortrefflich der Unterhaltung dienen. Nicht nur die unglaublichen Übertreibungen sind es, die an den Münchhausiaden so amüsieren: es ist vielmehr die maßlose Prahlerei und die Ironisierung dieser; es sind die bei aller Absurdität folgerichtigen und überzeugenden Bocksprünge einer zügellosen Phantasie; es ist der Reiz, innerhalb des Unmöglichen das Mögliche zu entdecken und die Welt geistreich auf den Kopf zu stellen. »Durch Lügen kann man also berühmt werden? Aber nur, wenn man so zu lügen versteht wie Münchhausen, nicht etwa um die Leser zu beschwindeln, sondern um sie mit ihrem vollen Einverständnis lächelnd zu unterhalten.« (Erich Kästner)
