Morgenimpuls
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Podcast

Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

Alle Folgen

  • Wagnisse eingehen

    Heute3:44

    Morgen bin ich zu einem Einkehrtag in einer Sauerlandgemeinde eingeladen. In der Anfrage einer Verantwortlichen stand: Im Mittelpunkt soll das diesjährige Leitwort der Pfarrei stehen: "Mit Mut und Vertrauen gemeinsam in die Zukunft". Was die Menschen hier besonders suchen, sind konkrete Anregungen für ihren Glauben. Daher vielleicht thematisch in diese Richtung. Glauben wagen – Zukunft gestalten, Vertrauen wächst im Miteinander und oder Gemeinsam unterwegs – Berufung als Christ heute leben.Als ich das gelesen habe, dachte ich: Oh, das ist ein Programm für eine ganze Woche und andererseits sind es handfeste Programmpunkte: Glauben wagen, Zukunft gestalten, Vertrauen im Miteinander wachsen lassen und gemeinsam unterwegs sein und darin Berufung als Christ heute leben. Damit das nicht nur gut klingende Schlagworte bleiben, ist es eine gute Idee, sich einen ganzen Nachmittag Zeit zu nehmen, statt nur einen Vortrag zu hören und wieder zu gehen.Da die Gemeinde auch auf den 800. Todestag des heiligen Franziskus hinweist, werde ich Franziskus und Klara von Assisi in die thematische Arbeit einbeziehen und auf die verschiedenen Aspekte der damaligen Zeit- und Kirchengeschichte eingehen und darauf, wie die Entscheidungen von zwei Menschen damals für viele bis heute die Arbeit und das Leben vor Gott und für die Menschen geprägt haben. Was mir spontan einfällt, ist natürlich die Friedenssehnsucht jener Zeit, die bis heute dieselbe geblieben ist, die Ehrfurcht vor Gott und seiner Schöpfung und das Engagement für die Bewahrung der Erde heute, der Mut der Klara, sich nur auf Gott vertrauend einem feindlichen Heer entgegenzustellen und das völlig Neue der damaligen Zeit: Leben in Gemeinschaft und Gemeinde auf Augenhöhe zu wagen.Das Schöne an solchen gemeinsamen Zeiten mit engagierten Leuten in einer Gemeinde ist es dann, dass sich Themen und Ideen und Schlagzeilen ganz anders entwickeln als man das vorher planen kann, weil wir alle auch auf das Wirken des Heiligen Geistes vertrauen und Wagnisse eingehen, die den Einzelnen und der Gemeinde guttun.

  • Gegen den Strom

    Gestern4:04

    In vielen Hallen- und Freibädern gibt es so Strömungskanäle. Da wird aus seitlichen Düsen in der Wand, Wasser unter hohem Druck in den Kanal gepresst und es entsteht eine starke, wilde Strömung. Ich liebe dieses Spiel mit den starken Strömungen und lasse mich gern umherwirbeln und immer wieder in diese Kreiselbahn drücken. Aber hast Du schon mal probiert, in so einem wilden Wirbel gegen die Strömung zu schwimmen? Ich habe es im letzten Urlaub mehrfach probiert, aber es ist mir einfach nicht gelungen. Es hat mich von den Beinen geholt und ich kam auch unter Wasser oder dicht an der Wand entlang nicht dagegen an.Meine Mitschwimmer waren ob meiner Experimente ein bisschen verwundert, aber das hat mich nicht gestört. Ich wollte es probieren. Mitschwimmen im allgemeinen Strudel ist ja meistens nicht das Problem, wenn alle in dieselbe Richtung gedrückt sind und es problemlos mit sich machen lassen. Mitschwimmen im allgemeinen Alltagsleben auch nicht. Wenn alle alles in gleicherweise tun, fällt man nicht auf und eckt nicht an.Aber Christen haben da eigentlich von Natur aus von ihrem Gründer her keine Chance, mit allen alles gleich zu tun. Jesus war schon nicht Mainstream, nicht der, der im Hauptstrom mitgeschwommen wäre. Er ist angeeckt, hat die Schriften des Alten Bundes anders ausgelegt, hat von seinem barmherzigen Vater erzählt, hat nicht die Erfüllung von hunderten Geboten und Gesetzen verlangt, sondern das Hauptgebot der Liebe betont, das eigentlich schon immer das erste und wichtigste war.Ein Lied, das ich sehr mag, erinnert mich immer daran: Da heißt es: "Gott ist nur Liebe, wagt für die Liebe alles zu geben, Gott ist nur Liebe, gebt euch ohne Furcht." Das klingt nicht nach Friede, Freude, Eierkuchen, sondern nach Wagnis und Einsatz und Hingabe an das, was mir wichtig ist im Glauben und im Leben.Und eine Dame, hat nach meinen Gegenstromversuchen im Schwimmbad gemeint: "Ja, gegen den Strom zu schwimmen ist nicht leicht, aber es ist immer jeden Versuch wert." – Sie hatte mich und meine Versuche durchschaut. Das hat mit gefallen.

  • Glauben ist eine Gnade, die man nicht erzwingen kann

    Vor 2 Tagen3:56

    Am vergangenen Sonntag im Gottesdienst hat der Priester in der Predigt einen Schlussgedanken formuliert, der mir sehr gefallen hat. Also habe ich ein bisschen recherchiert und nachgeforscht und den Hintergrund gefunden. In einem Buch über das Charakterbild des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer wird davon erzählt, dass der weltberühmte Baptistenprediger und Evangelist Billy Graham bei Adenauer zu Besuch war.Graham war in den fünfziger und sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts weltberühmt. Er füllte große Kirchen, Säle und ganze Stadien, wenn er kam, um zu predigen und den Menschen Gottes Wort zu erklären.Die beiden haben sich ausführlich und gut unterhalten und Adenauer war beeindruckt davon, dass Billy Graham auf alle Fragen des Glaubens eine fundierte Antwort hatte und in allem sicher Auskunft geben konnte. Aber zum Ende des Gesprächs kommt diese kurze Bemerkung Adenauers, der ein gläubiger Katholik ist. Er sagt zu Billy Graham: "Ich freue mich über alle, die Menschen zu Gott führen, aber nehmen sie mir bitte eine Bemerkung nicht übel: Wenn ich sehe, wie sicher Sie im Glauben sind, bin ich froh, dass ich katholisch bin. Wissen Sie, als Katholik muss man nicht so sicher sein: Da genügt es, wenn man den aufrichtigen Wunsch hat glauben zu können. Glauben ist eine Gnade, die man nicht erzwingen kann.""Isset nit härrlich", würde jetzt ein Kölner sagen und damit sein Gefallen ausdrücken. In den Texten der Bibel findet man dazu viele verschiedene Aussagen. "Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin", heißt es da oder auch: "Meine Gnade genügt Dir, denn meine Kraft wird in den Schwachen vollkommen." Es ist eine sehr befreiende Kraft im Alltag und eine Stärkung im täglichen Leben. Das Wissen um die Gnade Gottes befreit uns davon, uns immer wieder vor Gott und den Menschen beweisen zu müssen.Also kommt das Wort in den Tag für Dich heute von Konrad Adenauer: "Wissen sie, als Katholik muss man nicht so sicher sein: Da genügt es, wenn man den aufrichtigen Wunsch hat glauben zu können. Glauben ist eine Gnade, die man nicht erzwingen kann." – Sehr tröstlich.

  • Im Spiel Jesus verherrlicht

    Vor 3 Tagen3:41

    Ein kleiner Spielerkreis am Rande des Spielfelds, einige aus Curacao und zwei Deutsche. Der Reporter fragt Felix Nmecha, ob er sagen könne, was da war. Und der Spieler erklärt es freundlich und einfach: "Im Spiel sind wir Gegner aber sonst sind wir Christen und Brüder. Und wir haben mit diesem Spiel Jesus verherrlicht und ein kurzes Gebet gesprochen."Das ist ja mal eine Aussage die mich beeindruckt hat! "Und wir haben mit diesem Spiel Jesus verherrlicht." Er hat ganz einfach gesagt, was Christsein ausmacht: in allem was ich tue Gott verherrlichen. Und da ist es ganz gleich, ob ich den Haushalt mache, mich um die Kinder und Angehörige kümmere, ob ich meiner täglichen Arbeit nachgehe, Zeitung lese, im Netz scrolle, mich mit Freunden treffe, ob ich liebe, leide, mich freue oder traurig bin.Von manchen Großen früherer Tage in der Kirche kennen wir solche Worte auch. Teresa von Ávila sagt unter anderem: Gott findest Du auch zwischen den Kochtöpfen. Oder Ignatius von Loyola merkt an: Alles zur größeren Ehre Gottes. Wenn ich das in meinen Alltag hineinkriege, dann habe ich gewonnen: an Vertrauen, an Trost, an Gewissheit. Und es haben beim Gebet nach dem Spiel auch die mitgebetet, die eins zu sieben verloren haben. Also auch in Niederlagen, Blamagen, Traurigkeiten oder sogar Verzweiflung gilt es, in allem Gott zu verherrlichen.Na klar hat mir der Sieg der deutschen Mannschaft gefallen und die Angst vor dem frühen Ausscheiden etwas nach hinten verbannt. Aber diese schönen Worte aus dem Mund eines Spielers beflügeln mich und tun mir gut und helfen mir, daran zu denken, was auch ein Motto unserer Gemeinschaft ist: vor Gott und für die Menschen. Dafür musst Du nicht im Kloster leben oder bei der Kirche angestellt sein. Ganz einfach Christ sein und Jesus verherrlichen geht für jeden und immer. Heute auch.

  • Haben wir eine stabile Verbindung zu Gott?

    Vor 4 Tagen4:06

    Eigentlich war alles ganz einfach am Donnerstag. Weil unser Internet plötzlich schwach und das Telefon immer nur schlecht funktioniert hat, gab es eine neue Fritzbox mit der Anleitung zum Aufbau und die Installation ist ja nicht so schwierig. Aber das war es wohl doch. Nach einigem Hin und Her und vielen Versuchen funktionierte plötzlich gar nichts mehr. Kein Fernseher für den geliebten Fußball, kein Telefon und so weiter. Erst war ich ein bisschen ärgerlich, weil ich dachte, wenn das jemand übernimmt und glaubt, es zu können, dann sollte das auch gehen. Aber dann haben wir gelacht und gemerkt, dass es auch ohne Internet im Haus geht. Vorläufig. Bis es dann am nächsten Morgen repariert worden ist. Für viele Menschen ist das Internet mittlerweile so extrem wichtig, dass es Krisen und Katastrophen gibt, wenn es mal ausfällt. An dieser Stelle fällt mir dann die Geschichte mit dem Spinnennetz ein. Die Spinne hatte ihr wunderschönes Netz gewoben, Runde um Runde gesponnen und gut verklebt. Von den Fliegen, die sich darin verfangen haben, konnte sie gut leben. Aber eines Tages fiel ihr der Faden nach oben auf, an dem sie das Netz vor langer Zeit aufgehangen hatte, von dem sie aber jetzt nicht mehr wusste, wofür er da sein sollte. Also hat sie den Faden durchgebissen und das Netz schlägt über ihr zusammen und stürzt ab. Geht bei mir alles den Bach runter, wenn das Internet nicht geht oder habe ich sogar vergessen, wozu die Verbindung nach viel weiter oben, als zur Cloud, funktioniert?Meine Verbindung zu dem, der alles menschliche Denken, Fühlen und Verstehen übersteigt, der mein Lebensgrund und meine Hoffnung ist und den wir Gott nennen, muss ebenso gepflegt und aufrechterhalten werden wie die Internetverbindung und der Faden der Spinne - als Beispiel. Zeit zum Beten, Zeit zum Lesen in der Bibel, Zeit zum Sein vor Gott stärkt die Verbindung und lässt sie nicht schwach werden oder sogar reißen. Und selbst wenn das passiert, kann ich immer neu anfangen, diese Verbindung wieder herzustellen.

  • Die kleinen Auferstehungen in unserem Leben

    Vor 5 Tagen3:17

    Nächste Woche starten bei uns die ersten Abschlussfeiern. Ein wunderschöner Tag. Die Absolventinnen und Absolventen tragen schicke Anzüge oder schöne Kleider. Aufwendige Frisuren. Und das Schönste, was alle tragen, sind ihre Gesichter. Da ist so viel zu sehen: Freude. Erleichterung. Ausgelassenheit. Und gleichzeitig ist da auch etwas anderes. Vielleicht Enttäuschung über eine Note. Vielleicht Tränen, die irgendwann kommen. Weil dieser Tag eben auch Abschied bedeutet. Für mich steckt genau darin etwas ganz Besonderes: Dass beides gleichzeitig da sein darf. Das Ende. Und der Anfang. Das, was geschafft ist. Und das, was noch kommt. Und ich glaube: Gott ist genau in diesem Dazwischen. Wie jemand, der seine Hand auf meine Schulter legt und leise sagt: „Es geht zu Ende – und es geht weiter.“ „Du hast es geschafft – und dein Weg geht weiter.“ Gott geht mit. Nicht nur am Anfang. Nicht nur am Ziel. Sondern genau in diesen Momenten dazwischen. Vielleicht sind das die kleinen Auferstehungen in unserem Leben. Wenn etwas zu Ende geht – und gleichzeitig etwas Neues beginnt.