Morgenimpuls
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Podcast

Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

Alle Folgen

  • Klare Sprache des Evangeliums

    Heute4:05

    Hast Du es mitbekommen? Vergangene Woche waren König Charles und seine Frau Camilla in den USA. Ich von mir kann nicht behaupten, Fan von Königreichen zu sein, aber die Rede, die König Charles gehalten hat, war zutiefst beeindruckend. Da hat jemand verstanden, was Sprache ist und wie man Sprache klug verwendet und Inhalte vermittelt, die gut und sachlich und verbindend sind und wo Inhalte das Wichtigste sind und in heiterer Gelassenheit dargebracht werden. Es hat mich begeistert.Wir spüren ja in den letzten Jahren auch bei uns sehr, wie sich Sprache und Sprechen verändert hat. Wo oft nicht mehr in klug abgewogenen Sätzen geredet wird, sondern in hastig dahingeworfenen Halbsätzen mit Halbwahrheiten oder Lügen, die als Fakten dargereicht werden, ohne sie zu überprüfen, sondern sie als alternative Fakten darstellt, die sich als anderen Begriff für Lügen etabliert hat.Da lobe ich mir die klare und unüberhörbare Wahrheit des Evangeliums. Im Abschnitt aus dem Johannesevangelium heute heißt es zum Beispiel: "In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht."Frieden ist die Gabe Jesu an seine Jüngerinnen und Jünger und er gibt sie bis heute. Und es liegt an denen, die sich seine Follower, seine Nachfolger nennen, diesen Frieden anzunehmen und weiter zu verbreiten in allem was sie denken, reden und tun. Und noch etwas ist wichtig. Auf einer Website bemerkt eine Frau: "Es darf keinerlei 'Ausreden' geben, auf das Gebet für den Frieden in der Welt zu verzichten!"Es ist also beides: eine friedliche Sprache und ein friedliches Tun und trotz allem Unfrieden darauf zu vertrauen, dass das Gebet um den Frieden in der Welt unverzichtbar ist. Das eine zu tun und das andere nicht zu lassen ist die Art von Klugheit und Wahrheit, die hier und heute wichtig sind.

  • Mein Gott hält. Mein Gott trägt.

    Gestern3:17

    "Meine wilden fetten Jahre sind vorbei", um es mal mit einem Zitat aus einem Juli-Song zu sagen. Und mit die wildeste Zeit war natürlich das Abitur. Nicht das Abitur an sich. So das Drumherum. Und ich glaube, das trägt.Wir sind in der Schule mitten im Gipfelanstieg. Das meiste liegt längst hinter uns – bei Lehrkräften und den Lernenden, die jetzt plötzlich Prüflinge heißen. Bei uns gab es nun das erste Mal einen "Segen to go" vor den ersten Prüfungen. Das hat sogar mir gutgetan. Wir tragen keinen den Gipfel hoch, aber wir tragen ein bisschen mit. Wir nehmen nichts einfach ab, aber wir sind noch da. Gipfelanstiege oder Zielgradeneinlauf sind mit am schlimmsten. Jetzt lohnt sich wirklich der Weg zurück nicht. Jetzt aufgeben, wie peinlich. Da warten doch schon alle im Ziel. Die warten nicht nur. Die erwarten etwas. Den Sieg. Den Erfolg. Damit gefeiert werden kann.Gott geht mit. Gott steht nicht erst am Zieleinlauf. Gott begleitet. Mein Gott ist nicht laut. Der brüllt mich nicht an, während ich kämpfe. Der schreit keine platten Motivationssprüche vom Seitenrand. Mein Gott hält. Mein Gott trägt. Mein Gott nimmt mir nicht meine Verantwortung. Mein Gott ist wie ein Trainer, der neben mir mit dem Fahrrad fährt. Der leise sagt, dass es wirklich anstrengend ist, aber das Ziel gar nicht so weit weg und dass er da ist und mein Tempo fährt.Gott erträgt mich, dich und uns und das, was der Welt durch und mit Menschen passiert. Und darin sind gerade die getragen, die so hart kämpfen müssen. Gott erträgt, damit wir getragen sind.

  • Spürst du Gott manchmal?

    Vor 2 Tagen3:31

    Im Jahr 2024 wurde ICQ eingestellt, ein Nachrichtendienst; und Ende letzten Jahres dann der Musiksender MTV abgeschaltet. Dinge, die meine Jugend geprägt haben, werden plötzlich abgeschaltet. Und ich habe dieses Jahr gemerkt, auch Tanz in den Mai überlasse ich immer mehr der Dorfjugend. Aber in meiner Jugend habe ich gerne Musikvideos geschaut. Geht heute auch noch. Sogar viel einfacher. Aber mache ich kaum noch. Meistens stolpere ich dann über eins, wenn ich Musik oder Inspiration für Wortgottesdienste suche.Einer der letzten Wortgottesdienste vor Wochen war nur mit einzelnen Klassen in unserer Schulkapelle. Das mag ich am liebsten. Da ist mehr Raum, mehr Tiefe, mehr Begegnung. Ich versuche dann herauszufinden, was meine Lernenden so hören und dann berührt mich das plötzlich doppelt. Beim Aussuchen und dann beim Erleben im Moment des Gottesdienstes, wenn wir sogar da manchmal ein Musikvideo gemeinsam schauen.Solange ich da bin – kann dir keiner weh tun. Da bin ich so hängen geblieben bei einem Song von Billi Eilish. Wunderschön. Was für eine Zusage. Was für ein Versprechen. Aber ein Versprechen, das man kaum halten kann. Eine Verantwortung, die kaum zu tragen ist. Und geleichzeitig ist das eine Haltung. Ich bin da.Da schwingt für mich der Gottesname mit. JHWH. "Ich bin, der ich bin." Ich bin da. Und selbst wenn dir einer weh tut, dann schütze ich deine Würde, deinen Kern, dein Du. Das ist keine billige Vertröstung. Das ist Ambivalenz. Weil wir manchmal schrecklich allein sind. Weil wir manchmal und so haltlos fühlen. Weil wir Gott nicht immer spüren können. Und trotzdem ist Gott, der, der er ist und da.Spürst du Gott manchmal? Spürst du seine Zusage? Solange ich da bin – kann dir keiner (wirklich) weh tun, denn ich bin, wer ich bin.

  • "Mal ein Feiertag, an dem man nicht in die Kirche muss!"

    Vor 3 Tagen4:14

    Heute ist der 1. Mai und der Tag hat seine vielfältigen Bedeutungen. Wir haben uns im Konvent darüber unterhalten, wie wir den Tag als Kinder und Jugendliche erlebt haben. Bei einer Mitschwester kommt dann immer der Satz des Vaters der gesagt hat: "Mal ein Feiertag, an dem man nicht in die Kirche muss!" Bei mir kommt auch noch einmal deutlicher heraus, wie wir zum Beispiel in der DDR-Diktatur damit umgegangen sind.Am Abend vor dem 1. Mai sind wir zum Tanz in den Mai gegangen, in der Nacht haben wir den neuen Pfarrer aus dem Bett geklingelt, weil wir wussten, dass er Geburtstag hat und haben mit einer ganzen Truppe bei ihm Frühstück bekommen. Dann sind wir auf den nächsten Berg gewandert, um den Sonnenaufgang zu erwarten und ihn mit Gitarrenbegleitung zu besingen und mit dem mitgebrachten Bier aus den Rucksäcken anzustoßen. Am frühen Nachmittag war dann die Maidemonstration im Dorf, zu der alle Leute verpflichtet waren und für uns das Beste daran war, dass wir unsere Fahrräder mit bunten Krepppapierstreifen schmücken konnten. Und abends war dann in der Kirche die Eröffnung der Maiandachten zu Ehren Marias, der Muttergottes, bei der die Kirche freiwillig proppenvoll, die gefühlvollen Lieder mit Inbrunst gesungen und die Texte schon damals ein bisschen weltfremd waren. Und dann habe ich sehr viel später irgendwann mitbekommen, dass seit 1955 der 1. Mai der Gedenktag des heiligen Josef des Arbeiters geworden war. Meine Güte, das alles an einem Tag!Was ist davon geblieben für mich und für Dich? Vielleicht könnten wir heute mal nachdenken über den Wert der Arbeit bei uns selbst, in unseren Familien, in unserer westlichen Gesellschaft und weltweit. Über die Arbeit, die wir brauchen, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen und auch, um uns zu entwickeln und kreativ zu werden. Und was es für die vielen Menschen bedeutet keine Arbeit zu haben.Und natürlich auch den Feiertag genießen mit hoffentlich sonnigem Flair und Lust auf Draußenzeit.

  • Eine privilegierte Frage

    Vor 4 Tagen4:24

    Wie ich hier bei uns im Konvent, so haben viele Leute jeden Tag die Frage, was sie denn heute zum Mittag kochen sollen. Mit dieser Frage sind wir sehr privilegiert. Denn wir haben etwas zu kochen und brauchen nur eine Idee, wie wir die Lebensmittel, die wir haben oder einkaufen können, verarbeiten und zu einem schmackhaften Gericht machen. Millionen von Menschen in unserer einen Welt haben eher die Frage, ob sie heute überhaupt etwas zu essen finden oder für sich und ihre Familien bekommen können.Da spüre ich immer, wie relativ unsere Fragen und Sorgen sind in Bezug auf die, mit denen wir leben. Natürlich können wir auf Hilfswerke und Organisationen verweisen, die sich weltweit darum kümmern. Aber ich muss auch wissen, dass es von meinem Dazutun, von meiner Spendenbereitschaft abhängen kann, wie diese Organisationen die Rationen verteilen können oder nichts zur Verfügung haben. Wenn dann aber der amerikanische Präsident die größte weltweite Hilfsorganisation seines Landes mit einem Federstrich auslöscht und auflöst, ist das zunächst nur ein Verwaltungsakt. Aber was das auslöst, wird in den nächsten Jahren immer deutlicher werden. Mangelernährung und kaum noch medizinische Hilfe werden Millionen von Menschen weiter in Hunger, Armut, Verzweiflung, Flucht und Tod treiben.Die goldene Regel im Evangelium, die man auch nahezu gleichlautend in allen Religionen findet heißt aber: "Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso für sie." Jetzt kann man gut über die da oben schimpfen und bedauern, dass man selbst da nichts dran tun kann. Ich kann aber tatsächlich viel tun: mich an Spendenaufrufen beteiligen und einen Beitrag geben, der meinen Möglichkeiten entspricht, mich bei Tafeln und Hilfsorganisationen einbringen und mithelfen, selbst einen einfacheren Lebensstil leben und keine Lebensmittel verschwenden, regionale Anbieter fördern und so weiter.Manchmal ist es anstrengend, wenn die kleine, leichte und lockere Frage nach dem, was ich heute kochen könnte, in dem großen Zusammenhang der Welternährung endet. Und ich merke bei solchen Gedanken immer auch, wie dankbar ich bin, in einer Region der Welt zu leben, wo ich mir um das tägliche Brot nicht so große Gedanken machen muss.

  • Schwierige Tochter

    Vor 5 Tagen4:16

    Die Mutter hat genug zu tun. Immer schon. Sie hat insgesamt 24 Kinder bekommen und ein Teil von ihnen ist auch zunächst groß geworden. Früher war die Familie wohlhabend und adelig. Jetzt müht sich der Vater mit Mitarbeitern und Söhnen in der eigenen Färberei, um das Geld zu verdienen, das die große Familie braucht. Die jüngste Tochter ist schon als Siebenjährige irgendwie anders, schwierig und unlogisch und erzählt ernsthaft, dass ihr Jesus begegnet sei und sie ihm gelobt hat, zu den Dominikanerinnen zu gehen und Gelübde abzulegen. Die Mutter versucht in den Jahren danach, ihrer Tochter diese Flausen auszutreiben und lässt sie als Dienerin und Magd die anstrengendsten Arbeiten machen, versucht mehrfach sie zu verheiraten und an den Mann zu bringen. Dann wird es der Tochter zu bunt. Sie schneidet sich selbst die Haare ab und meldet sich bei den Dominikanerinnen an und wird angenommen, obwohl sie mit 16 Jahren eigentlich dafür zu jung ist. Vielleicht merken auch die Verantwortlichen, dass diese junge Frau irgendwie anders ist. Im Laufe der Jahre wird sie eine sehr bekannte Frau, die sich nicht fürchtet, sich mit Kaisern, Königen und Päpsten anzulegen und harrsche Briefe zu schreiben, wenn ihr klar war, dass sie gegen die herrschenden Zustände etwas tun muss. Dabei kann sie ja zunächst weder schreiben noch lesen, weil es für Mädchen damals nicht notwendig schien. Sie diktiert mehreren Menschen gleichzeitig ihre Briefe und entwickelt ihre Gedanken zum Zusammenleben in Kirche und Stadtgesellschaft. In der Pestepidemie, die ihre Stadt heimsucht, pflegt und betreut sie furchtlos die Kranken und viele Menschen spüren, dass diese Frau durch ihr Gebet und ihre Furchtlosigkeit unglaublich viel bewirkt.Katharina von Siena stirbt mit 33 Jahren und wird schon zu Lebzeiten sehr verehrt. Im Jahr 1461 wird sie heiliggesprochen und 1939 zur Schutzpatronin von Italien erklärt. 1970 erhält sie den Titel "Kirchenlehrerin" und 1999 wurde sie von Johannes Paul II. zusammen mit der heiligen Birgitta von Schweden und Edith Stein zur Patronin Europas erhoben, sie, die viele Jahre in ihrer Familie als schwierige Tochter galt.