Morgenimpuls
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Podcast

Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

Alle Folgen

  • Wenn ein Heiliger gleich zweifach "anstößig" ist

    Heute4:32

    Im Chorraum des Magdeburger Domes gibt es seit 1245 eine Statue, die als erste Darstellung eines Afrikaners in der christlichen Kunst des Abendlandes gilt. Sie zeigt den Heiligen Mauritius, der zu den Soldaten der thebäischen Legion um das Jahr 300 nach Christus gehört. Mauritius war der Überlieferung nach römischer Offizier und Anführer der Legion. Die Soldaten dieser Legion waren alle Christen. Aber dann haben sie sich geweigert, den alten Göttern zu opfern und sich an der Verfolgung der Christen zu beteiligen. Daraufhin ließ Kaiser Maximianus zunächst jeden 10. Soldaten umbringen, also die Legion dezimieren. Aber das hat die christlichen Soldaten nicht umgestimmt. Und so wurden am Ende alle Soldaten umgebracht. Die Verehrung dieser Heiligen Soldaten, die ihrem Gewissen gefolgt sind und lieber den Tod auf sich genommen haben, anstatt fremden Göttern zu folgen, begann sehr schnell und es gibt in ganz Europa viele hundert Moritzkirchen und in vielen Städten auch den Mohren im Stadtwappen, wie zum Beispiel in Coburg. Rund um Mauritius – oder Moritzkirchen gab es dann Mohrenstraßen und Apotheken, Cafes und Kneipen mit diesem Namen. In einer spannenden Geschichtsvergessenheit werden neuerdings Mohrenstraßen umbenannt, weil dieser Name angeblich rassistische und diskriminierende Hintergründe hat. Aber das ist nicht so, sondern Menschen haben in früheren Jahrhunderten die Verehrung eines Heiligen in ihr normales Umfeld eingefügt und Straßen und Gassen und Apotheken und so weiter so benannt. Aber dass man sich dieser Legion von Soldaten bis heute erinnert, ist natürlich auch der immer drängenden Frage geschuldet, ob man als Christ in einer Armee dienen darf und das Soldatsein, ein Beruf wie jeder andere sein kann, wenn man weiß, dass es gerade in den letzten Jahren immer mehr Kriege gibt und die Wahrscheinlichkeit, in Kriege verwickelt zu werden näher rückt.Eine Statue in einem Dom und der Gedenktag an einen Heiligen Soldaten, bringt diese Gedanken nach vorn und es ist klug, sich darüber eigene Gedanken zu machen.

  • Jesus will Barmherzigkeit

    Gestern4:20

    Matthäus hat es eigentlich leicht. ER hat einen tollen Job, der ihm selbst Reichtum verschafft hat. Er treibt für die Besatzungsmacht der Römer die Zölle ein. Und natürlich hat er das so gemacht, dass auch für ihn selbst was übriggeblieben ist. Und ich glaube nicht nur ein bisschen. Das war soweit ziemlich normal. Aber er war, um es mal milde auszudrücken, bei seinen Landsleuten nicht gerade beliebt. So wie sein Job. Wer liebt schon bei uns das Finanzamt. Er hat den ganzen Rummel um diesen Jesus mitbekommen und war schon neugierig geworden. Aber Zöllner waren damals so ziemlich die Letzten in der Rangfolge. Man brauchte sie, aber man hasste sie. Und so sitzt er Tag für Tag an seiner Zollstelle und macht seine Arbeit. Und genau an der Stelle kommt Jesus vorbei, sieht ihn und sagt: Komm, folge mir nach. Und Matthäus ist völlig perplex, lässt alles stehen und liegen und folgt ihm. Und dann nimmt er ihn mit nachhause zum Essen und immer mehr seiner Kollegen und andere Leute aus ihrem Umfeld kommen dazu und essen zusammen. Was normal klingt, aber einem strenggläubigen Juden schlicht und einfach verboten war. Und so kommt es natürlich: die klugen und gebildeten Pharisäer sagen nicht zu ihm, sondern zu denen, die ihm folgen: wie kann der nur! Er müsste doch genau wissen, dass das verboten ist und nicht dem göttlichen Gesetz entspricht. Genau da prallen Welten aufeinander. Zum einen Matthäus, der wegen seines Berufes zu den Verfemten gehört und jetzt glücklich ist, dass Jesus das nicht stört und ihn trotzdem in seine Gruppe beruft. Und dann die Frommen von außen, denen es gar nicht um Gott und seine Gebote geht, sondern nur darum, recht zu behalten und die, in ihren Augen, Bösen und Ungerechten anzuklagen. Und mittendrin Jesus, der eine mehr als gute Begründung für sein Handeln hat: Er hörte es und sagt: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Da steht es also, schwarz auf weiß: nicht das Erfüllen von Gesetzen und Kirchengeboten ist die Norm, sondern das, was Jesus will. Er will, dass wir barmherzig sind – ein liebevolles, gütiges Herz haben gegen jede Frau und jeden Mann.

  • Gott ist keine Sehenswürdigkeit

    Vor 2 Tagen3:55

    Wenn man so vor einer Sehenswürdigkeit steht, dann lohnt es sich auch mal, die anderen Menschen ein bisschen zu beobachten. Denn da sind Menschen, die die richtige Pose suchen. Den richtigen Winkel. Noch ein Bild. Und noch eins. Wie viele dieser Bilder werden wohl auch direkt wieder gelöscht? Und dann frage ich mich manchmal schon: Geht es da jetzt eigentlich noch um die Sehenswürdigkeit? Oder darum, dass man da war? Oder vielleicht sogar darum, dass man sich selbst möglichst gut an einem Ort darstellt, an dem alle anderen auch schon waren? Aber am Ende ist es eben immer nur ein Schnappschuss. Ein Bild. Und die richtig krassen Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel den Kölner Dom, die kann man sowieso fast gar nicht fotografieren. Zu groß, zu erhaben und vielleicht auch einfach zu prächtig. Irgendwie passt der nie so richtig aufs Bild. Ist das mit Gott nicht auch so? Dorothee Sölle stellte einmal die These auf, dass das Bilderverbot der Bibel gar nicht bedeutet, dass wir uns Gott nicht vorstellen dürfen. Das fände ich auch ziemlich schwierig. Gerade wenn ich gleichzeitig daran glaube, dass Gott einer ist, mit dem wir in Beziehung treten dürfen. Mehr noch: mit dem wir immer schon in Beziehung sind. Sölle versteht das Bilderverbot anders: Ein Bild wird dem, was es abbildet, niemals ganz gerecht. Es zeigt etwas. Aber eben nie alles. Und deshalb kann auch kein Bild Gott festhalten. Vielleicht gilt das genauso für unsere Worte. Für alles, was wir über Gott sagen. Es kann auf ihn verweisen. Es kann etwas von ihm zeigen. Vielleicht sogar etwas ziemlich Wichtiges. Aber es ist niemals Gott ganz. Als Theologin verstehe ich das. Als Mensch möchte ich trotzdem einfach von meinem Gottesbild erzählen. Von dem, was mich in meinem Alltag auf Gott hinweist. Von den Momenten, in denen ich glaube, etwas von ihm zu erkennen. Von den Schnappschüssen von dem Gott, an den ich glaube. Und vielleicht reicht das ja auch. Denn ein Schnappschuss zeigt nie alles. Aber manchmal zeigt er genug, um sich zu erinnern, was man gesehen hat.

  • Netze aus Beziehungen und Liebe

    Vor 3 Tagen4:45

    Ich bin ein totales Verpackungsopfer. Es gibt bestimmte Produktverpackungen im Supermarktregal, die mich einfach so sehr ansprechen, dass ich zum Beispiel unfassbar viele Sorten Tee im Regal habe. Obwohl ich eigentlich viel mehr Kaffeetrinkerin bin. Kennst du das? Wenn du Dinge kaufst, einfach weil du denkst, du müsstest sie haben wollen, obwohl du irgendwie weißt, dass du sie eigentlich gar nicht brauchst? Und heute ist das ja oft noch ein bisschen verrückter. Als gläserner Kunde weiß der Versandhändler manchmal schon vor mir, was ich angeblich benötigen könnte. Werbung wird immer gezielter. Es geht darum, meine Aufmerksamkeit zu bekommen. Mich irgendwie zu ködern. Und bei diesem Wort muss ich über den Begriff des "Menschenfischens" schmunzeln. Denn im Lukasevangelium sagt Jesus tatsächlich zu Simon: "Von jetzt an wirst du Menschen fangen."Und ja: Menschen fangen. Das steht da wirklich so. Ich finde das heute erst einmal einen ziemlich befremdlichen Ausdruck. Menschen sind doch keine Beute. Sie sollen nicht geködert, eingefangen oder festgehalten werden. Aber die Geschichte dazu finde ich spannend. Simon und die anderen Fischer waren die ganze Nacht draußen. Sie haben gearbeitet, ihre Netze ausgeworfen und nichts gefangen. Die Netze sind leer. Und dann sagt Jesus zu Simon: Fahr noch einmal raus. Wirf die Netze noch einmal aus. Simon macht es. Obwohl er eigentlich allen Grund hätte zu sagen: Das bringt doch sowieso nichts. Und plötzlich sind die Netze so voll, dass sie fast reißen. Eigentlich könnte die Geschichte hier wunderbar zu Ende sein. Leere Netze, Vertrauen auf Jesus, volle Netze. Erfolgsgeschichte. Fertig. Aber sie geht weiter. Denn ausgerechnet jetzt lassen die Fischer ihre vollen Netze zurück und folgen Jesus. Und deshalb glaube ich auch nicht, dass Jesus mit dem Menschenfischen einfach nur das nächste volle Netz meint. Möglichst viele Menschen einfangen. Möglichst viele Follower sammeln. Interessanterweise benutzt das Lukasevangelium an dieser Stelle sogar ein besonderes Wort. Eines, in dem es darum geht, Menschen lebendig zu fangen, sie für das Leben zu gewinnen. Und vielleicht muss ich dieses Menschenfischen deshalb ganz anders verstehen. Ich stelle mir diese neuen Netze gerne als Lebensnetze vor. Netze aus Menschen, aus Begegnungen, aus Beziehungen und Liebe. Denn vielleicht gibt es einfach ganz unterschiedliche Arten von Fülle. Mein Warenkorb kann voll sein. Mein Teeregal kann voll sein. Mein Kleiderschrank kann voll sein. Und daran ist nicht alles schlimm. Aber mein Leben kann eben auch voll sein. Voll mit Menschen. Mit Begegnungen. Mit Beziehungen. Mit Liebe. Und vielleicht ist das die Art von vollen Netzen, zu denen Jesus seine Jünger losschickt. Netze, die ich immer wieder auswerfen kann. Auch dann, wenn ich denke: Das bringt doch sowieso nichts. Auch dann, wenn sie gerade ziemlich leer aussehen. Im Vertrauen darauf, dass mein Leben sich füllen kann. Und meinen Tee darf ich trotzdem behalten.

  • Wenn ein langes Leben endet

    Vor 4 Tagen4:45

    Heute wird eine unserer Mitschwestern beerdigt. Die dritte in diesem Jahr. Sie war im 100. Lebensjahr und wirklich eine sehr starke und besondere Frau. Und bei den Überlegungen, was wir in den Totenbrief schreiben könnten, war die Auswahl zunächst schwierig. Sie hat im Laufe ihres langen Ordenslebens in so vielen sozialen und karitativen Einrichtungen gearbeitet, sich mit Fortbildungen immer gut qualifiziert und mit hohem Engagement eingesetzt. Das ist immer die eine Seite des Ordenslebens. Die nächste Seite ist das geistliche Leben in Gebet und Bibellektüre, Exerzitien und auch hier Fortbildungen, das ganze Leben lang. Und die dritte Seite das Leben in der Gemeinschaft, im Kloster, in der Provinzgemeinschaft mit den jeweiligen Schwestern. Und in unseren Überlegungen sind uns ein paar Dinge besonders ins Auge gefallen. Sie war eine herzliche und immer sehr authentische Schwester. Ihr Augenmerk lag auf den Anliegen und Sorgen der einzelnen Schwestern. Wobei sie besonders die im Blick hatte, die sonst nicht so gesehen wurden. Oft werden ja auch in den Familien erst die beachtet, die hervorragende Dinge leisten oder auch die, die immer Probleme und Sorgen machen. Und da fallen die stilleren, ruhigeren und zurückgezogenen oft durchs Aufmerksamkeitsraster. Bei ihr nicht. Sie hat immer versucht und meist geschafft, Brücken zu bauen zu den Einzelnen. Und sie war eine biblisch fundiert gläubige und zutiefst fromme Frau, die ihr Interesse an Kirche und Ordensgemeinschaft immer gepflegt hat. Vielen Schwestern ist ihre Begeisterung für die Gestaltung von Festen und Feiern in bester Erinnerung sowie die Liebe zum Detail und zu einer schönen ästhetischen Gestaltung von Räumen und festlichen Tafeln. Das hat mir echt gefallen. Jemand die immer in verantwortlichen Positionen gestanden hat und viele lange und anstrengende Zeiten kannte, und den Schwestern fallen da eher hunderte Geschichten ein, wie sie andere beschenkte, mit herzlichen Kleinigkeiten Freude gemacht hat und eine Begeisterung dafür hatte, Feste und Feiern im Kloster schön zu gestalten und heitere Ästhetik zu vermitteln. Und dann waren noch die letzten, etwas mühsamen Monate, in denen sie an den Gebrechen ihres hohen Alters gelitten hat und aber ganz klar gesagt hat: Ich nehme das in Ruhe an, aber ich bin auch bereit zum Sterben und freue mich auf die Begegnung mit meinem Herrn Jesus Christus. Eine solche Frau ist ein starkes Vorbild fürs Leben und für den Umgang mit dem herannahenden Tod. Und da stellt sich für mich und auch für Dich vielleicht die Frage: was möchte ich, das man später mal über mich sagt oder schreibt?

  • Wenn das "Nein" der Kirche keine Option ist

    Vor 5 Tagen4:23

    Heute bin ich ein bisschen hin und hergerissen. Die Kirche verehrt eine große Heilige, und wir hier in Olpe verehren unsere selige Gründerin. Die Heilige, die gefeiert wird, ist die Heilige Hildegard von Bingen. Sie ist vor mehr als 900 Jahren als junge Frau ins Kloster eingetreten und hat dort 35 Jahre gelebt. Hildegard von Bingen gilt als erste Vertreterin der deutschen Mystik des Mittelalters. Ihre Werke sind aber sehr vielfältig und befassen sich unter anderem mit Religion, Medizin, Musik, Ethik und Kosmologie. Sie war auch Beraterin vieler Persönlichkeiten. Von ihr ist ein umfangreicher Briefwechsel erhalten geblieben, der auch deutliche Ermahnungen gegenüber hochgestellten Zeitgenossen enthält, sowie Berichte über weite Seelsorgereisen und ihre öffentliche Predigttätigkeit. Aber dann hat sie sich getraut: sie hat sich getraut, mehr auf Gott als auf die Vertreter der Kirche zu hören. In ihren göttlichen Visionen hatte sie erfahren, sich mit ihren Schwestern an den Rhein zu begeben und dort neu zu gründen. Zwei Jahre hat sie sich mit den kirchlichen Oberen gestritten und sich dann doch durchgesetzt. Sie wäre nie die große Prophetin und Visionärin geworden, wenn sie sich dem NEIN der Kirche gebeugt hätte. Allein darin ist sie schon Vorbild: dazu stehen, was ich als richtig erkannt habe, und dann auch gegen Widerstand durchsetzen. Und dann ist noch unsere Gründerin, Mutter Maria Theresia Bonzel. Sie ist heute vor 196 Jahren hier in Olpe geboren, hat schon als junges Mädchen erkannt, dass man etwas gegen die Not der Waisenkinder tun muss. Sie hat mit unglaublichen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt und sich auch nicht davor gefürchtet, sich mit weltlichen und auch sturen kirchlichen Obrigkeiten herumzuschlagen, wenn es um ihr Werk für die Kinder und gegen die Not von Kranken und Schwachen ging. Man sagt ja immer so leichthin, die Frauen seien das schwache Geschlecht. Gerade diese beiden Frauen, die zu so unterschiedlichen Zeiten gewirkt haben machen schon klar, dass es immer starke Frauen in der Kirche gegeben hat. Erkennen, was dran ist und dann auch tun – gegen Widerstände und die Angst vor der eigenen Courage. Stark.