Die Amokfahrt von Magdeburg hinterlässt Spuren – nicht nur in den Nachrichten, sondern mitten im Alltag. Besonders spürbar wird das dort, wo Menschen zusammenkommen: auf Weihnachtsmärkten, Volksfesten und bei Umzügen. In dieser Folge sprechen Stefan B. Westphal und Reiner Schweingel darüber, wie sich Großveranstaltungen seit dem Anschlag verändern – und was das für Organisatoren, Kommunen, Sicherheitsbehörden und Besucher bedeutet. Zu Gast sind zwei Menschen, die in Sachsen-Anhalt für echte Publikumsmagneten stehen: Till Mormann von der 1. Köthener Karnevalsgesellschaft KUKAKÖ 1954 e.V., die den Rosenmontagszug in Köthen organisiert, und Siegmund Michalski, Marktmeister der Eisleber Wiese. Beide erzählen, wo sie waren, als sie von Magdeburg erfuhren – und warum danach nichts mehr „business as usual“ war. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie sieht Sicherheit aus, wenn sich die Bedrohungslage verschiebt? Wenn nicht nur an LKW-Sperren gedacht wird, sondern plötzlich auch Pkw oder SUV als Szenario eine Rolle spielen. Während in Eisleben das Tagesgeschäft weitergehen musste, wurde in Köthen in kürzester Zeit neu gerechnet, neu geplant, neu gesichert – inklusive massiver zusätzlicher Auflagen, die erst kurz vor dem Umzug auf den Tisch kamen. Es geht um Container- und Betonelemente, mobile Sperren, Personalbedarf, Kontrollpflichten, Fluchtwege – und die brutale Realität: Planbarkeit wird zum Problem, wenn Vorgaben zu spät kommen, die Zeit fehlt und am Ende Ehrenamtliche die Verantwortung schultern sollen. Um überambitionierte Ordnungsämter und nahezu unerfüllbare Vorgaben. Dabei geht es nicht nur um Technik, sondern um Grundsatzfragen: Wer ist wofür zuständig – Veranstalter oder Staat? Was ist „innere Sicherheit“ eines Festes und wo beginnt die Terrorabwehr als Hoheitsaufgabe? Und was passiert, wenn Sicherheitskosten explodieren? Denn klar ist: Wenn jede Auflage am Ende in der Kalkulation landet, drohen entweder absurde Preise („Bratwurst für 10 Euro“) oder die Absage – mit Folgen für Schausteller, Händler, Vereine, Tradition und Stadtleben. Trotz allem: Beide Gäste zeigen, warum Aufgeben keine Option ist. Sie erzählen von Solidarität, Schulterschlüssen, spontaner Unterstützung durch Partner und Betriebe – und von dem Anspruch, Veranstaltungen nicht den „Irren da draußen“ zu überlassen. Am Ende bleibt ein nüchterner, aber wichtiger Satz: Absolute Sicherheit gibt es nicht – aber gute Vorbereitung, klare Zuständigkeiten und faire Finanzierung können entscheiden, ob Feste auch künftig stattfinden. Eine Folge über Verantwortung, Freiheit, Brauchtum – und die Frage, wie Sachsen-Anhalt 2026 feiern will. 00:00:12 Einführung in den Podcast 00:01:57 Reaktionen auf den Anschlag 00:05:02 Sicherheit bei Großveranstaltungen 00:07:51 Sicherheitskonzepte und Änderungen 00:13:07 Herausforderungen für Veranstalter 00:18:26 Zusammenarbeit mit Behörden 00:22:08 Rückhalt der Sponsoren 00:25:39 Lehren aus der Situation 00:28:26 Finanzierung und Auflagen 00:32:40 Besucherreaktionen und Teilnahme 00:35:24 Änderungen im Umzug 00:39:25 Erwartungen an den Staat 00:43:27 Verantwortung der Veranstalter 00:47:58 Zukünftige Sicherheitsfragen 00:56:52 Abschluss und Ausblick
