Die Pflege steht unter Druck – strukturell wie kulturell. Während in der Öffentlichkeit über den Fachkräftemangel diskutiert wird, setzt Achim Schütz einen anderen Akzent: Nicht allein die Zahl der Mitarbeitenden sei entscheidend, sondern die Organisation der Arbeit. Als Leiter der Acura Fachklinik in Albstadt, einer Einrichtung mit den Schwerpunkten Orthopädie und Rehabilitation, weiß er, wovon er spricht. Seine Analyse: Die tatsächliche Fallbelastung sei nicht zwingend gestiegen, wohl aber die gefühlte Überforderung. Hauptursache seien administrative Pflichten. Bis zu 50 Prozent der Arbeitszeit entfallen auf Dokumentation – Zeit, die in der direkten Patientenversorgung fehlt. Sein unternehmerisch geprägter Ansatz umfasst schlanke Hierarchien, minimale Meeting-Strukturen und eine konsequente Digitalisierung mit klarer Entlastungswirkung. Die Systeme werden gemeinsam mit den Mitarbeitenden konfiguriert. Führung bedeutet für ihn, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Fachkräfte eigenverantwortlich arbeiten können. Auch medizinisch plädiert Schütz für systemisches Denken. Heilung ist kein mechanischer Austausch, sondern ein Zusammenspiel aus Prävention, Eingriff, Rehabilitation und psychosomatischer Begleitung. Das Spannungsfeld bleibt jedoch die kulturelle Prägung des Gesundheitswesens, das historisch hierarchisch geprägt ist und teilweise noch dem Bild des „Halbgottes in Weiß“ folgt. Schütz setzt auf Teamarbeit über Berufsgruppen hinweg. Sein Fazit: Das Gesundheitswesen bietet Sinn und Sicherheit, verlangt jedoch Verantwortungsbereitschaft und strukturelle Klarheit. Unser Gast: Achim Schütz, Leiter der Acura Fachklinik Albstadt. Moderation: Jenny Kunz, DUP Unternehmer
