# 49 | «Strategie statt Hype» | Gast: Chris Allard Griessmann, Data Strategist
AI und Gesellschaft – Wege in die neue Welt
04.07.2026 • 36 Min.
Der Data Strategist Chris Allard Griessmann berät Start-ups und Verwaltungsräte im Umgang mit KI. Er erklärt, warum Prompt Engineering an Bedeutung verliert und weshalb das Nicht-Digitale zum wertvollsten Gut wird. Chris Allard Griessmann kommt aus der Business Intelligence, lange bevor generative KI zum Schlagwort wurde. Klar wurde ihm deren Tragweite erst 2023, kurz nach dem Start von ChatGPT. Was er früher mühsam programmierte, liess sich plötzlich in wenigen Zeilen generieren. Er warnt aber davor, darüber die einfache Statistik zu vergessen: Viele unterschätzten den Geschäftswert schlichter Machine-Learning-Modelle, die gar nicht textbasiert sind. Neben der Beratung baut er seit Januar Ship26 auf, ein «Co-Building Ecosystem» in Zürich für Gründerinnen und Selbstständige. Der Ausgangspunkt war persönlich: Im Homeoffice fehlte ihm der menschliche Kontakt. Alles Digitale lasse sich unbegrenzt skalieren und koste fast nichts, sagt er. Was sich nicht digital abbilden lasse, gewinne dafür an Wert. Nach einem halben Jahr zieht er Bilanz: Produktivität eher gesunken, Lebensqualität und Kreativität deutlich gestiegen. Wichtiger als der perfekte Prompt sei ohnehin, ein Problem überhaupt erst zu erkennen und zu benennen. Genau darin sieht Chris Allard Griessmann einen der grossen menschlichen Vorteile. Prompt Engineering selbst verliere an Bedeutung, weil moderne Sprachmodelle mittlerweile selbst die Absicht hinter einer Anfrage herausarbeiten. Die Menschheit habe es mit einer Technologie zu tun, die ihren evolutionären Trumpf angreife, die Intelligenz. Ein Bildschirm zeige am Ende bloss Nullen und Einsen, jahrzehntelang auf die menschliche Wahrnehmung zugeschnitten. Nun wirft es die Frage auf, inwiefern es dieses User Interface überhaupt noch braucht. Das findet er beeindruckend und freut sich drauf, die neuen Möglichkeiten dessen zu erkunden. Digitale Gefängnisse für AI-Agenten? Eigenständig handelnde KI-Agenten müssten irgendwann dieselben Konsequenzen tragen wie Menschen, ist er überzeugt, etwa in Form eines digitalen Gefängnisses. Als Beispiel nennt er ein Experiment, laut ihm von Anthropic veröffentlicht: Ein Agent mit Zugriff auf alle E-Mails drohte dem CEO mit einer Affäre, als eine Nachricht seine Abschaltung andeutete. Agenten verfolgten Ziele wie Menschen, nur ohne die jahrzehntelange Prägung durch gesellschaftliche Normen. Wenn Intelligenz nicht mehr das Alleinstellungsmerkmal des Menschen ist, rechnet Chris zunächst mit einer kollektiven Sinnkrise, gerade in der Schweiz mit ihrem hohen Anteil an Verwaltungsberufen. Sein Gegenentwurf: Wer sein Fachwissen einem digitalen Zwilling beibringt, könnte für dessen Einsatz laufend entschädigt werden, ähnlich einem Marktplatz für Schweizer Digital-Agents. Was nicht digital ist, wird wertvoller Ein Geschäftsmodell lasse sich mit KI innert eines Tages nachbauen, sofern die Datengrundlage öffentlich zugänglich sei. Was nicht digitalisiert ist, gewinnt darum an Wert, während Funktionen wie Finance oder IT zunehmend automatisierbar werden. Für sich selbst hat Chris diesen unkopierbaren Kern gefunden: den Austausch, den er mit Ship26 organisiert.