Du bist so distanziert
Du bist so distanziert

Du bist so distanziert

Angst im Blick - Der Podcast über soziale Angst, Selbstzweifel und den Mut, du selbst zu sein.


Heute • 3 Min.

„Du bist immer so ruhig.“ – „Man weiß gar nicht, was du von uns hältst.“Wer im Berufsleben wenig Small Talk macht, gerne konzentriert für sich arbeitet oder persönliche Distanz bevorzugt, wird schnell als kühl, unsicher oder sogar arrogant wahrgenommen.Doch Stille hat viele Gründe.In dieser Folge von „Angst im Blick“ geht es um den Unterschied zwischen sozialer Angst und schizoiden Persönlichkeitszügen am Arbeitsplatz. Vielleicht möchtest du eigentlich Kontakt aufnehmen, hast aber Angst, etwas Falsches zu sagen. Vielleicht fühlst du dich mit weniger sozialer Nähe einfach wohler. Oder es trifft beides auf dich zu.Du erfährst, warum Kolleg zurückhaltendes Verhalten manchmal falsch interpretieren und wie schon kleine Signale – ein Gruß, ein Lächeln oder ein kurzer persönlicher Satz – Missverständnisse reduzieren können, ohne dass du dich verbiegen musst.Die zentrale Frage lautet:Bin ich still, weil ich es möchte – oder weil ich Angst habe, gehört und bewertet zu werden?Kleiner Selbsttest: Warum bin ich im Team so still?Beantworte die folgenden Aussagen spontan mit Ja, manchmal oder Nein.Ich würde mich gerne häufiger an Gesprächen beteiligen, traue mich aber nicht.Vor einem Gespräch überlege ich lange, was ich sagen könnte.Ich habe Angst, dass Kolleg mich negativ beurteilen.Nach Gesprächen denke ich darüber nach, ob ich etwas Falsches gesagt habe.Ich sage manchmal nichts, obwohl ich eigentlich etwas beitragen möchte.Gleichzeitig empfinde ich längere Gespräche häufig als anstrengend.Ich arbeite lieber alleine als ständig im Team.Persönliche Gespräche am Arbeitsplatz brauche ich nur selten.Ich genieße meine Ruhe und vermisse Gespräche dabei nicht unbedingt.Andere Menschen halten mich manchmal für distanziert, obwohl ich ihnen gegenüber nichts Negatives empfinde.Was könnten deine Antworten bedeuten?Wenn du dich besonders in den ersten fünf Aussagen wiederfindest, könnte soziale Bewertungsangst bei deinem Rückzug eine Rolle spielen.Wenn eher die Aussagen sechs bis zehn passen, könnte ein ausgeprägteres Bedürfnis nach Distanz, Autonomie und geringer sozialer Stimulation dahinterstehen.Und wenn du dich in beiden Bereichen wiedererkennst?Dann können sich soziales Distanzbedürfnis und soziale Unsicherheit überlagern.Der Test ist kein diagnostisches Instrument und erlaubt insbesondere keine Diagnose einer schizoiden Persönlichkeitsstörung. Er soll dir lediglich helfen, dein eigenes Verhalten bewusster zu beobachten.Entscheidend ist nicht, möglichst viele Fragen mit „Ja“ zu beantworten.Entscheidend ist die Frage:„Bin ich mit meiner Art zufrieden – oder hindert mich Angst daran, so zu leben und zu arbeiten, wie ich es eigentlich möchte?“Bei starkem Leidensdruck oder deutlichen Einschränkungen im Berufs- oder Privatleben kann eine professionelle psychologische oder psychotherapeutische Abklärung sinnvoll sein.