Was wir vom Militär über Agilität und Führung lernen können | Mit Danny Herzog-Braune
Antifragil in der VUKA-Welt: Digitale Transformation zwischen Regulierung und Realität?
23.05.2025 • 54 Min.
Militär ist doch das Gegenteil von Agilität, oder? In Christof’s Erfahrung ist das oft anders. Denn Agilität undmilitärische Führung haben unglaublich viel gemeinsam! Darüber spricht Christof Layher, Host vom Podcast ChaosHacker Talk mit Danny Herzog-Braune, früher Einsatzoffizier in Afghanistan, dann leitender Angestellter in einem Medizintechnik-Unternehmen und nun Coach, der unter anderem das Zentrum für Innere Führung der Bundeswehr unterstützt. Agilität wird von vielen mit Nicht-Struktur in Zusammenhang gebracht. Christof sieht das ganz anders: Agilität ist nur möglich mit Struktur! Ist das dann alter Wein in neuen Schläuchen? Viel im agilen Kontext ist schon lange bekannt, es wird jetzt nur fancier genannt. Bei der Bundeswehr wird Führung richtig ausgebildet. Anders als es in Unternehmen oft der Fall ist. Beispielsweise lernt man beim Militär Führung immer zwei Ebenen höher. Dadurch werden Gesamtzusammenhänge in einer Struktur verstanden und die „besseren“ und weitsichtigeren Entscheidungen werden getroffen. Im Gefecht kann man ja auch nicht warten auf den Befehl von oben – man muss sofort handeln! Danny bringt dafür das GRIP-Modell auf den Tisch: Goals, Roles, Internal Relation und Processes. Im Endeffekt müssen Fragen beantwortet werden wie: Was sind unsere Rollen? Was wird von mir erwartet? Was sind die Ziele? Wie sehen die internen Beziehungen aus? Und wenn Ziele, Rollen und Prozesse nicht klar sind, dann leiden die Beziehungen. Das Militär hat eine reduzierte und klare Sprache, die oft alsunfreundlich aufgenommen wird. Der Sinn dahinter ist aber die Funktionalität. Auch Fachsprache in der Wirtschaft sollte genaue Definitionen haben – so wie beim Militär. Außerdem gibt es hier klar formulierte Ziele: Auftrag statt Befehl. Es gibt unzählige Expert:innen, diese sollen das Ziel verstehen und dann in ihrem eigenen Wirkungsbereich die besten Entscheidungen treffen. Sie können das also selbst ausgestalten. Das ist wie bei der Agilität in der zivilen Welt: Es gibt Bausteine und die jeweiligen Expert:innen setzen selbst um. Doch wie setzen wir die Vorteile der militärischen Führung jetzt um? Erstmal hilft ein humanistisches Weltbild: Menschen sind in der Lage, sich selbst zu organisieren. Führungskräfte sollten nur die Rahmenbedingungen geben, innerhalb dieserfestgelegten Grenzen der Verantwortung können sich Mitarbeitende dann „austoben“. Transparenz ist auch unglaublich wichtig, auch damit politische Spielereien weggelassen werden. Das Lage- und Informationsbild muss dabei so groß sein, dass die unteren Ebenen sauber agieren können. Das wirkt auch dem Silodenken entgegen. Christof gibt zum Schluss noch den Tipp, sich einfach mal mehr in diese Form der Führung einzuarbeiten und die Erkenntnisse dann auf das eigene Unternehmen anzuwenden. 00:00:00 Vorstellung Danny Herzog-Braune 00:01:41 Agilität geht nur mit Struktur 00:05:01 Führung in der Bundeswehr 00:08:32 Agilität in der Bundeswehr 00:12:31 GRIP-Modell 00:15:32 Auswirkungen von Sprache 00:17:43 Ziele formulieren 00:21:26 Projektplanung 00:27:27 Was wir vom Militär lernen können 00:31:41 Dysfunktionale Kommunikation 00:37:11 Skalierung durch Struktur 00:40:35 Umsetzung im zivilen Umfeld 00:48:53 Executive Summary 00:50:03 Tipps von Christof 00:51:46 Zwei Fragen an Danny