#217 – Jan Tröber, TSSB Architekten - Carolabrücke 3.0 - der Gewinnerentwurf!
ARCHITEKTURFUNK
10.09.2026 • 34 Min.
Wenige Minuten zuvor war noch eine Straßenbahn drübergefahren. Dann, mitten in der Nacht, stürzt ein Teil der Carola-Brücke in die Elbe. Zwei Jahre später steht fest, wer Dresdens Hauptverkehrsachse neu bauen darf. Jan Tröber, Partner bei TSSB Architekten in Dresden, hat gemeinsam mit dem spanischen Ingenieurbüro FHECOR und dem Landschaftsarchitekturbüro UKL den Wettbewerb um die neue Carola-Brücke gewonnen – nur wenige hundert Meter vom eigenen Büro entfernt, wo Tröber den Einsturz am 11. September 2024 hautnah miterlebte. Entstanden ist "Carola-Brücke 3.0": eine leichte Bogenkonstruktion aus Stahl und Sandstein, die Elemente der historischen Vorgängerbauten verbindet und erstmals seit 1895 wieder mit Bögen durch die Dresdner Altstadtkulisse spannt. Der Weg dorthin: ein vierstufiges Auswahlverfahren mit Fachexpertengremium, einer Bürgerabstimmung mit 26.000 Teilnehmenden, einem Begleitgremium aus Politik und Verbänden und einem klaren Votum des Stadtrats mit 39 zu 31 Stimmen. Tröbers Team punktete vor allem bei der Bevölkerung, wo eigene Kommunikationsarbeit – Visualisierungen, Erklärfilme, eine eigene Website – eine zentrale Rolle spielte. Ziel: eine Brücke, die 140 Jahre halten soll, mit Baubeginn 2028. Ein Gespräch über die Grenze zwischen Öffentlichkeitsarbeit und Lobbyismus im Wettbewerbsverfahren, die Rolle von Bürgerbeteiligung bei Stadtratsentscheidungen, ingenieurtechnische Baukunst bei 120 Metern Spannweite und die Frage, wie eine Stadt einen Symbolverlust in eine bessere Zukunft verwandelt.