#218 - Reißt sich Stuttgart (noch immer) selbst ab?
#218 - Reißt sich Stuttgart (noch immer) selbst ab?

#218 - Reißt sich Stuttgart (noch immer) selbst ab?

ARCHITEKTURFUNK


Vor 2 Tagen • 49 Min.

Ein Passant sagt: "Das Ding kann weg." Eine Passantin ruft aus: "Ich bin richtig traurig, das ist ein super Gebäude!" Zwei Meinungen, ein Gebäude, eine Stadt, die sich nicht einig ist – und ein Eigentümer, der längst entschieden hat. Prof. Martina Baum, Architektin und Stadtplanerin, Amber Sayah, Redakteurin bei der "Stuttgarter Zeitung", mit Schwerpunkt Architektur und Kunst und Wilfried Dechau diskutieren, unter Moderation von Klaus Füner, live vor Publikum über das Wittwer-Gebäude in Stuttgart – 1968 erbaut, bis heute als Buchhandlung genutzt, seit einem Dreivierteljahr Zentrum einer erhitzten Debatte um Abriss und Neubau. Anlass: ein Gemeinderatsbeschluss, der Eigentümerinteressen über Bestandserhalt stellt – und eine Grünen-Fraktion, die dem eigenen Erhaltungsanspruch selbst widerspricht. Baums These: Baukultur ist immer Ausdruck gesellschaftlicher Werte – und die Frage, mit welchen Teilen einer Stadt wir weitermachen, verlangt sorgfältige Abwägung statt bequemer Investorenentscheidungen. Ihre Beobachtung aus zahlreichen Umbaufällen: Am Ende steht fast immer dieselbe Rechnung – 25 bis 30 Prozent mehr vermietbare Fläche, mehr Rendite, weniger Bestand. Im Publikum: kontroverse Stimmen zu Denkmalschutz als zahnlosem Tiger, zur Bauteilbörse Basel als Blaupause und zur Frage, warum ein 1990 gebautes Krankenhausgebäude schon wieder abgerissen wird. Ein Gespräch über die Aushöhlung des Denkmalschutzes durch Investoreninteressen, ein mögliches Abrissmoratorium, die fehlende Abrissgenehmigung im deutschen Baurecht und die Frage, ob eine Gesellschaft von privaten Eigentümern verlangen darf, was sie selbst für richtig hält.