#220 – Katja Domschky, Präsidentin der Architektenkammer NRW: Einfacher, schneller und digitaler?
ARCHITEKTURFUNK
08.10.2026 • 47 Min.
Manche nennen sie schon nicht mehr Bauordnung, sondern Umbauordnung. Was steckt hinter dieser neuen Sichtweise und reicht sie wirklich aus, um das Bauen im Bestand zu erleichtern? Im Zentrum der Folge spricht Klaus Füner mit Katja Domschky, über die neue nordrhein-westfälische Bauordnung, die Umbau, Aufstockung und Umnutzung im Bestand erleichtern soll. Durch Genehmigungsfreistellung, Verfahrensfreiheit und den Wegfall der Pflicht, "anerkannte Regeln der Technik" verbindlich einzuhalten. Architekt Hartmut Klop aus dem Kölner Raum berichtet aus der Praxis: Ein Büro- und Verwaltungsgebäude wurde innerhalb von acht Monaten genehmigt – schneller als die eigentliche Bauzeit. Sein Tipp: Wer die E-Akte konsequent nutzt und Fristen dokumentiert, bekommt Behörden spürbar schneller in Bewegung. Doch die Diskussionsrunde zeigt auch die Grenzen der Reform auf. Veraltete Bebauungspläne und eine seit 1977 unveränderte Baunutzungsverordnung bremsen Projekte weiterhin aus, Denkmalpflege bleibt ein eigener, langwieriger Prozess. Kontrovers diskutiert: Wenn Normen nicht mehr verpflichtend sind, wer haftet dann – und verschiebt sich die Verantwortung am Ende nur vom öffentlichen ins zivile Recht? Im zweiten Teil blickt die neu gewählte Präsidentin der Architektenkammer NRW, Katja Domschky, zurück auf ihren Weg: seit 2005 in der Vertreterversammlung, ab 2010 im Vorstand, elf Jahre Leitung des Berufsrechts, seit 2021 Vizepräsidentin und seit März 2025 an der Spitze der Kammer, nach einer denkbar knappen Wahl. Ihr Einsatz für eine befristete Quote zeigt bereits Wirkung: Mit ihr sitzen erstmals drei Vizepräsidentinnen im neuen Vorstand. Ein Gespräch über die Chancen und blinden Flecken einer Umbauordnung, zivilrechtliche Aufklärungspflichten von Architekt*innen, Digitalisierung als Druckmittel gegenüber Behörden und den langen Weg von der Vertreterversammlung an die Kammerspitze.