#222 – Markus Kolb, Bräunlin Kolb Architekten – Gelebter KI-Einsatz im Architekturbüro
ARCHITEKTURFUNK
22.10.2026 • 31 Min.
Keine Angebote mehr in Word, keine Tabellen mehr in Excel: Ein Geschäftsführer, der kaum noch selbst in Dateien arbeitet, sondern sie von seinem KI-Assistenten schreiben lässt. Markus Kolb, Geschäftsführer und Inhaber von Bräunlin Kolb Architekten, beschäftigt sich seit Jahren mit Digitalisierung im Architekturbüro. Von Excel über Datenbanken bis zum "ChatGPT-Moment". Seit einem halben Jahr arbeitet er intensiv mit KI-Agenten, allen voran Claude Code: Software, die nicht nur antwortet, sondern eigenständig Dateien schreibt, ändert und sich fehlende Fähigkeiten selbst aneignet. Bräunings Vergleich: ein persönlicher Assistent für einen Bruchteil der Kosten, der Vertragsentwürfe prüft, Abweichungslisten erstellt und sich mit ihm über Ergebnisse "diskutiert". Der Schlüssel liegt für ihn in der Informationsbasis: Je besser der KI-Agent das eigene Büro über strukturierte Markdown-Dateien kennt, desto eigenständiger und verlässlicher arbeitet er und baut dieses Wissen mit jeder Aufgabe sogar selbst weiter aus. In nur vier Stunden entwickelte Bräuning so eine eigene interne App für KI-Bildbearbeitung, abgesichert über Microsoft-Authentifizierung und Zwei-Faktor-Login. Aktuell treibt er den Kulturwandel im gesamten Büro voran: eine Arbeitsgruppe, die Vorkenntnisse und Vorbehalte der Kolleg*innen erfasst, ein Entwicklungsprozess, den er mit der Einführung von CAD und 3D vergleicht. Klar benennt er auch die Grenzen: Datenschutz verlangt EU-gehostete Modelle oder das Anonymisieren personenbezogener Daten vor der Eingabe, KI-generierte Renderings müssen laut AI Act als solche gekennzeichnet werden. Sein Fazit bleibt trotzdem eindeutig: wer heute noch zögert, verpasst eine der größten Effizienzchancen der Branche. Ein Gespräch über KI-Agenten als virtuelle Assistenz, Skills als wiederverwendbare Arbeitsanleitungen, Datenschutz im Spannungsfeld zwischen US- und EU-Modellen und die Frage, warum in wenigen Jahren jede Software-Grenze für Architekturbüros fallen könnte.