Der Erstgeborene Karls des Großen, die Suche nach dem Platz in dieser Welt und entfachte Magie
BehindBlueEyes.de
22.05.2026 • 7 Min.
Wer viel Kultur konsumiert, neigt mit der Zeit dazu, einen gewissen Schutzpanzer aufzubauen. Die Ansprüche steigen, man hat schon viel gesehen und es braucht immer mehr, um echte, tief sitzende Begeisterung auszulösen. Mit genau dieser Haltung und, um ehrlich zu sein, recht gemischten Erwartungen machte ich mich gestern auf den Weg in die Staatsoperette Dresden, um mir die Vorstellung von „Pippin – Die Kunst des Lebens” anzusehen. Ich hatte mir im Vorfeld die Inhaltszusammenfassung durchgelesen und mich gedanklich bereits auf ein schweres psychologisches Drama eingestellt. Die Geschichte eines jungen Prinzen, der verzweifelt nach dem absoluten, außergewöhnlichen Sinn des Lebens sucht, klang nach existenziellem Tiefgang. Ich erwartete schwere Kost, bei der man im Zuschauerraum die Stirn in Falten legt und nachdenklich nach Hause geht. Das Stück selbst verhandelt schließlich ein Thema, das uns allen aus dem eigenen Spiegelbild bekannt ist. Es geht um die universelle, oft schmerzhafte Suche nach dem eigenen Platz in der Welt, um die Unzufriedenheit mit dem Gewöhnlichen und den Drang, etwas Einzigartiges zu leisten. Pippin probiert alles aus: Krieg, Fleischlichkeit, Politik und Revolution. Doch nichts davon füllt die innere Leere. Dieses Gefühl, niemals ganz zufrieden zu sein mit dem, was man hat, ist zutiefst menschlich. Doch wenn ich jetzt, einen Tag später, an meinem Schreibtisch sitze und über den gestrigen Abend berichte, merke ich noch immer ganz intensiv, wie begeistert ich war und wie sehr dieser Funke nachwirkt. Von schwerer Kost im Sinne eines zähen Theaterabends war absolut keine Spur. Im Gegenteil: Es war ein Rausch. ➔ BehindBlueEye.de ➔ Bluesky ➔ Instagram