DDR-"Asozialen-Paragraf"- Weggenommen und adoptiert: Tim Steinwender im Gespräch mit Antje Riis
DDR-"Asozialen-Paragraf"- Weggenommen und adoptiert: Tim Steinwender im Gespräch mit Antje Riis

DDR-"Asozialen-Paragraf"- Weggenommen und adoptiert: Tim Steinwender im Gespräch mit Antje Riis

Born in the GDR: Geschichte(n) aus einem verschwundenen Land


07.06.2026 • 1 Std. 20 Min.

Mein heutiger Gast ist Tim Steinwender. Seine Mutter Ramona ist 1978 erst 15 Jahre alt, als sie mit ihm schwanger wird. Doch statt Unterstützung zu bekommen, gerät sie ins Visier des Jugendamtes: die Begründung für die angebliche Kindeswohlgefährdung ist erschreckend schlicht: „jugendliche Mutti“. Mit nur elf Monaten wird Tim seiner Mutter weggenommen und in ein DDR-Wochenheim gebracht. Wenig später unterschreibt Ramona die Adoptionsfreigabe. Kurz darauf wird sie wegen sogenannter „Arbeitsbummelei“ verhaftet und zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Der berüchtigte § 249 des Strafgesetzbuches machte es möglich, auch diffamierend als „Asozialen-Paragraf“ bezeichnet. Er kriminalisierte Menschen, die als arbeitsscheu galten oder anderweitig „aus der Reihe tanzten“. Mit sechs Jahren erfährt Tim Steinwender, dass er adoptiert ist, Jahrzehnte später beginnt er, seine leibliche Mutter zu suchen. Er sichtet Jugendamtsakten, Gerichtsunterlagen und Stasi-Dokumente. Er findet Briefe und sieht nach zehn Jahren Recherche zum ersten Mal ein Foto seiner Mutter. Die Suche wird zu einem Wettlauf gegen die Zeit... Wir sprechen über seine außergewöhnliche Spurensuche und über den Schmerz eines verlorenen Lebensweges. Warum ihm die rechtliche Rehabilitierung seiner Mutter wichtig ist, wie ihn die jahrelange Suche nach seiner Mutter Ramona verändert hat und warum die Aufarbeitung der DDR-Geschichte noch lange nicht abgeschlossen ist, darüber sprechen wir jetzt.