Czyslansky liest
Czyslansky liest

Czyslansky liest

Michael Kausch


Podcast

"Czyslansky liest" ist ein Podcast über Bücher. Aber eigentlich geht es gar nicht so sehr über Bücher, sondern darüber, was die Bücher mit mir machen. Ich liebe Bücher. Und ich lese sie noch immer ausschließlich in gedruckter Form, also tote Bäume. Und ab und an schreibe und rede ich über Gelesenes. Heraus kommen dabei selten klassische Buchbesprechungen, eher schon kleine Erfahrungs- oder besser Erlesungsberichte. Wer sich für den Inhalt der Bücher interessiert, der muss diese schon selbst lesen. Walter Benjamin meinte einmal, echte Polemik nehme sich ein Buch so vor, wie ein Kannibale sich einen Säugling vornehme. Eben mit liebevoller Zuneigung. So nähere ich mich jedem neuen Buch. Lüstern schmatzend. Auf meinem Czyslansky-Blog habe ich schon mehr als 200 Bücher im Rahmen von Buchbesprechungen oder Leseempfehlungen vorgestellt. Das lesen viele. Aber es gibt nun mal auch Menschen, die lieber hören als lesen. Es gibt ja auch Hörbücher. Oder sie lassen sich vorlesen. Also berichte ich jetzt auch in meinem Podcast über meine Leseerfahrungen. Aber keine Angst: ich lese auch hier keine Klappentexte vor. Und von KI lasse ich mir auch nichts einflüstern. Oft handelt es sich um aktuelle Werke aus dem Sortiment verfügbarer Belletristik, immer wieder aber auch um Bücher, die man nur noch antiquarisch erstehen kann, selten um Sachbücher, neu, alt, zerfleddert oder was auch immer. Einige Autoren tauchen immer wieder einmal auf. Auch manche Themen nehme ich mir des öfteren vor, etwa Exilliteratur oder jüdisches Leben. Verrisse wird man selten finden. Die werfe ich in aller Regel einfach in die Ecke. Sie wollen wissen, wer Czyslansky eigentlich ist? Finden Sie's heraus. ;-)

Alle Folgen

  • Czyslansky liest Folge 17: Manja Präkels "Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß"

    Vor 5 Tagen8:24

    In Manja Präkels Roman "Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß" erlebt die Protagonistin Mimi Schulz den Untergang ihrer Heimat, den Untergang der DDR. Ihre Kindheit erlebt die Tochter einer SED-treuen Lehrerin in einer Kleinstadt an der Havel. Schon vor dem Untergang der DDR wuchsen Frustration und eine junge desillusionierte Generation im ländlichen Havelland heran. Der Roman schildert, wie die Gewaltbereitschaft unter vielen Jugendlichen langsam zunahm und sich unter der offiziellen antifaschistischen Staatsideologie ein antibürgerlicher Jugendprotest ausbreitete, der begierig alles aufgriff, was verboten war: Fragmente nationalistischer Ideologien, noch unstrukturiert, aber gewaltbereit und so systemfern wie nur irgend möglich. Sehr schnell aber fokussieren sich diese Gruppierungen auf rassistische und Nazi-Vorbilder. Manja Präkels erklärt in „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ nicht, warum der Osten anders tickt, als der Westen. Sie beschreibt die unterschiedliche Entwicklung. Das ist wohltuend.

  • Czyslansky liest Folge 16: Jan Kuhlbrodt "Vor der Schrift"

    24.07.202611:07

    „Vor der Schrift“ ist ein poetisch-autobiografischer Text, in dem Jan Kuhlbrodt den tastenden Beginn seines Bewusstseins für Sprache und Welt erkundet. Die frühen Jahre in Karl-Marx-Stadt tauchen als flirrende Kindheitsszenerie auf, in der Geräusche, Gerüche und Bilder noch vor den Worten stehen und sich nur langsam zu einem Geflecht aus Sprache, Erinnerung und späterer Schrift verdichten. Dabei erscheint die junge DDR weniger als politischer Hintergrund denn als atmosphärer Raum: Straßennamen, Häuser, Fabriken und Stimmen ziehen vorbei, gesehen durch die Augen eines Kindes, das noch keine Begriffe für das hat, was es umgibt.

  • Czyslansky empfiehlt das Buch "Die Straße" von Robert Seethaler

    19.07.20260:01

    Ganz normale Menschen leben in einer ganz normalen Straße: eine unglücklich verliebte Blumenhändlerin, ein aus der Zeit gefallener Antiquar, eine zumindest nach außen strenge und vielleicht auch ein wenig kalte Pflegeheimleiterin, ein Jugendlicher, der nicht so recht weiß, wohin mit seiner Kraft, ein Obdachloser, ein paar anonyme und ein paar stadtbekannte Alkoholiker. Sehr sympathisch ist auch ein muslimischer Arzt, der gerne Schweinelendchen isst. Es treten natürlich auch ein paar Immobilienhaie und seltsam-schräge Kleinpolitiker und provinzielle Geschäftsleute auf. Die ganze Mischpoke, die wir aus unserem Umfeld kennen, über die wir aber in unserem Alltag gerne hinwegsehen oder die wir gar nicht mehr wahrnehmen in ihrer Durchsichtigkeit und Farblosigkeit. Zusammen bilden sie ein Provinzgemälde des unaufhaltsamen Niedergangs. Ein tödlich morbider Roman, wie ihn so charmant nur ein Österreicher schreiben kann.

  • Czyslansky liest Folge 14: Marlen Hobrack: "Schrödingers Grrrl"

    14.07.20260:01

    In Schrödingers Grrrl geht es um ein Mädchen mit Namen Mara Wolf, eine echte Looserin, Schulabbrecherin, ohne Job, lebt in Dresden, Instagram und senkt das Durchschnittsalter von Facebook auf unter ZDF-Niveau. Sie wäre gerne Influencerin für Mode, Schminke, H&M, Zara, Katzen oder sonst was bildungsfernes. Das klappt aber alles nicht so richtig. Worum geht es? Sie veröffentlicht ein Buch, das sie aber nicht selbst geschrieben hat. Mehr verrate ich nicht. Es geht um ihre Rolle als Frau, als Underdog, als Riot Grrrl, um ihre Katze, um Schördingers Katze, um den Buchmarkt, um Social Media, um das Leben und den ganzen Kram.

  • Czyslansky liest Folge 13: Ken Bruen: "Ein Grabstein für Jack Taylor"

    13.06.20267:54

    „Er lenzte die letzte der pints“. Ein Roman, der mit diesen Worten beginnt, kann nicht völlig verderbt sein. Andererseits ist klar, dass es sich nicht um ein Werk von Thomas Mann handelt. Bei dem lenzt nichts. Und wenn einer pints lenzt, dann lenzt er wohl im angloamerikanischen Raum, vermutlich in einem irischen Pub. Und wenn er kongenial versoffen übersetzt wurde, dann wurde er eben nicht übersetzt, sondern nachgeschrieben. Und dann hat dies kein weniger Geringwürdiger als Harry Rowohlt getan. Und so ist es auch. Die Rede ist von Privatermittler Jack Taylor, einer Kopfgeburt des studierten Metyphysikers Ken Bruen.

  • Czyslansky liest Folge 12: Edgar Selge: "Hast du uns endlich gefunden"

    08.06.20265:08

    „Hast du uns endlich gefunden“ ist eine Autobiographie. Selge erzählt von seinem autoritärem Vater, Gefängnisdirektor und Musiker, autoritärer Brüllwürfel und Zuchtmeister und sensibler Schumann-Interpret. Ein guter Deutscher. Er stand vor 1945 nicht auf der Seite der Opfer. Danach auch nicht. Selten hat jemand so schonungslos über seine Traumbilder berichtet wie Edgar Selge. Es gehört eine große innere Reife dazu, soviel Verletzung zu offenbaren.