Czyslansky liest
Czyslansky liest

Czyslansky liest

Michael Kausch


Podcast

"Czyslansky liest" ist ein Podcast über Bücher. Aber eigentlich geht es gar nicht so sehr über Bücher, sondern darüber, was die Bücher mit mir machen. Ich liebe Bücher. Und ich lese sie noch immer ausschließlich in gedruckter Form, also tote Bäume. Und ab und an schreibe und rede ich über Gelesenes. Heraus kommen dabei selten klassische Buchbesprechungen, eher schon kleine Erfahrungs- oder besser Erlesungsberichte. Wer sich für den Inhalt der Bücher interessiert, der muss diese schon selbst lesen. Walter Benjamin meinte einmal, echte Polemik nehme sich ein Buch so vor, wie ein Kannibale sich einen Säugling vornehme. Eben mit liebevoller Zuneigung. So nähere ich mich jedem neuen Buch. Lüstern schmatzend. Auf meinem Czyslansky-Blog habe ich schon mehr als 200 Bücher im Rahmen von Buchbesprechungen oder Leseempfehlungen vorgestellt. Das lesen viele. Aber es gibt nun mal auch Menschen, die lieber hören als lesen. Es gibt ja auch Hörbücher. Oder sie lassen sich vorlesen. Also berichte ich jetzt auch in meinem Podcast über meine Leseerfahrungen. Aber keine Angst: ich lese auch hier keine Klappentexte vor. Und von KI lasse ich mir auch nichts einflüstern. Oft handelt es sich um aktuelle Werke aus dem Sortiment verfügbarer Belletristik, immer wieder aber auch um Bücher, die man nur noch antiquarisch erstehen kann, selten um Sachbücher, neu, alt, zerfleddert oder was auch immer. Einige Autoren tauchen immer wieder einmal auf. Auch manche Themen nehme ich mir des öfteren vor, etwa Exilliteratur oder jüdisches Leben. Verrisse wird man selten finden. Die werfe ich in aller Regel einfach in die Ecke. Sie wollen wissen, wer Czyslansky eigentlich ist? Finden Sie's heraus. ;-)

Alle Folgen

  • Czyslansky liest Folge 22: Franz Friedrich: „Die Passagierin“

    06.09.20269:47

    Seit dem Zauberberg habe ich mich in keinem Sanatorium so angeregt unterhalten wie in Kolchis mit der Passagierin von Franz Friedrich. Ein Lesepflicht-Buch über die Vergeblichkeit aus der Vergangenheit zu lernen, über das Elend des Exils, über Schuld und Hoffnung. In Kolchis treffen sich Exilanten aus allen Jahrhunderten zwischen – grob – 13tem und frühem 20tem Jahrhundert. Eine hübsche bunte Melange aus allen Kontinenten. In Kolchis wurden sie einst für das Leben in der Jetzt-Zeit trainiert oder „resozialisiert“. In diesem Roman geht es beständig um individuelle Verantwortung und um historische Erfahrung und stets um die subjektive Perspektive. Können wir die Welt verbessern? Hätten wir sie nicht verbessern können? Hätten wir sie verbessern müssen?

  • Czyslansky liest Folge 21: Tuvia Tenenbom: „Gott spricht jiddisch“

    30.08.20267:24

    Tuvia Tenenbom ist ein Tannebaum inmitten eines Eichenwäldchens. Jedenfalls ein liebevoller Störenfried. Ein Jude unter Antizionisten mitten in Jerusalem. Sohn eines Rabbi, Enkel eines chassidischen Oberrabbi, ultraorthodox aufgewachsen fiel der Apfel weit vom Stamm. Er hat Mathematik und Computerwissenschaften studiert, in New York Theater gespielt, für die Zeit die beachtenswerte Kolumne Fett wie ein Turnschuh verfasst und in Hamburg Neonazis, Gregor Gysi und den Bayerischen Innenminister interviewt. Nun hat er sich, der liberale Weltbürger, ein Jahr lang im ultraorthodoxen Jerusalemer Stadtteil Mea Shearim unter Chassiden und Litwaken gemischt. Und nicht als Voyeur, sondern als liebevoll teilnehmender Beobachter und als leidenschaftlich verfressener Liebhaber der jüdisch-orientalischen Küche, nie einer Kugl und ein paar Kichlach abgeneigt.

  • Czyslansky liest Folge 20: Mareike Klee: „erzähl ich morgen“

    23.08.20267:33

    Ein Frauenbuch für Männer? Ein Männerbuch für Frauen? Ach, was weiß denn ich. Jedenfalls ist „erzähl ich morgen“ von Mareike Klee ein gutes Buch. Und jedenfalls eine Liebesgeschichte. Und auf sowas steht ich ja eigentlich überhaupt gar nicht. Und trotzdem habe ich dieses Erstlingswerk von Mareike Klee gerne gelesen. Nein verschlungen. An zwei Tagen. Das geht, denn es liest sich leicht. Es ist ein flirrender kleiner Sommerroman.

  • Czyslansky liest Folge 19: Josefine Soppa: „Klick Klack, der Bergfrau erwacht“

    15.08.20265:39

    Josefine Soppa schildert in „Klick Klack, der Bergfrau erwacht“ ihre Erfahrungen mit ihrer Schriftstellerkollegin KI, das heißt mit künstlicher Intelligenz, wie sie in Form von ChatGPT vor ungefähr zwei Jahren daher kam. Und sie lässt sie zu Wort kommen. In einer kurzweiligen Kurzgeschichte, die Leserin und Leser hurtig zwischen dem Krankenbett des Vaters der Schriftstellerin und ihrem Computer hin und her schubst. Das ist anstrengend, aber auch erhellend.

  • Czyslansky liest Folge 18: Upton Sinclair: „Am Fließband“

    09.08.202610:05

    Upton Sinclair: „Am Fließband“, die neue Ausgabe in der Übersetzung von Jörg Schröder aus dem März-Verlag, gerade erst erschienen, ganz „postmodern“ in klassischem März-Gelb. Das Original erschien 1937 unter dem Titel „The Flivver King“. Sinclair schildert darin den ökonomischen Aufstieg und moralischen Verfall des Autokönigs Henry Ford und das Schicksal des Ford-Arbeiters Abner Shutt. Industriegeschichte und Gesellschaftskritik von oben und unten. Ein lehrreiches Buch.

  • Czyslansky liest Folge 17: Manja Präkels "Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß"

    31.07.20268:24

    In Manja Präkels Roman "Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß" erlebt die Protagonistin Mimi Schulz den Untergang ihrer Heimat, den Untergang der DDR. Ihre Kindheit erlebt die Tochter einer SED-treuen Lehrerin in einer Kleinstadt an der Havel. Schon vor dem Untergang der DDR wuchsen Frustration und eine junge desillusionierte Generation im ländlichen Havelland heran. Der Roman schildert, wie die Gewaltbereitschaft unter vielen Jugendlichen langsam zunahm und sich unter der offiziellen antifaschistischen Staatsideologie ein antibürgerlicher Jugendprotest ausbreitete, der begierig alles aufgriff, was verboten war: Fragmente nationalistischer Ideologien, noch unstrukturiert, aber gewaltbereit und so systemfern wie nur irgend möglich. Sehr schnell aber fokussieren sich diese Gruppierungen auf rassistische und Nazi-Vorbilder. Manja Präkels erklärt in „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ nicht, warum der Osten anders tickt, als der Westen. Sie beschreibt die unterschiedliche Entwicklung. Das ist wohltuend.