Czyslansky liest
Czyslansky liest

Czyslansky liest

Michael Kausch


Podcast

"Czyslansky liest" ist ein Podcast über Bücher. Aber eigentlich geht es gar nicht so sehr über Bücher, sondern darüber, was die Bücher mit mir machen. Ich liebe Bücher. Und ich lese sie noch immer ausschließlich in gedruckter Form, also tote Bäume. Und ab und an schreibe und rede ich über Gelesenes. Heraus kommen dabei selten klassische Buchbesprechungen, eher schon kleine Erfahrungs- oder besser Erlesungsberichte. Wer sich für den Inhalt der Bücher interessiert, der muss diese schon selbst lesen. Walter Benjamin meinte einmal, echte Polemik nehme sich ein Buch so vor, wie ein Kannibale sich einen Säugling vornehme. Eben mit liebevoller Zuneigung. So nähere ich mich jedem neuen Buch. Lüstern schmatzend. Auf meinem Czyslansky-Blog habe ich schon mehr als 200 Bücher im Rahmen von Buchbesprechungen oder Leseempfehlungen vorgestellt. Das lesen viele. Aber es gibt nun mal auch Menschen, die lieber hören als lesen. Es gibt ja auch Hörbücher. Oder sie lassen sich vorlesen. Also berichte ich jetzt auch in meinem Podcast über meine Leseerfahrungen. Aber keine Angst: ich lese auch hier keine Klappentexte vor. Und von KI lasse ich mir auch nichts einflüstern. Oft handelt es sich um aktuelle Werke aus dem Sortiment verfügbarer Belletristik, immer wieder aber auch um Bücher, die man nur noch antiquarisch erstehen kann, selten um Sachbücher, neu, alt, zerfleddert oder was auch immer. Einige Autoren tauchen immer wieder einmal auf. Auch manche Themen nehme ich mir des öfteren vor, etwa Exilliteratur oder jüdisches Leben. Verrisse wird man selten finden. Die werfe ich in aller Regel einfach in die Ecke. Sie wollen wissen, wer Czyslansky eigentlich ist? Finden Sie's heraus. ;-)

Alle Folgen

  • Czyslansky liest Folge 13: Ken Bruen: "Ein Grabstein für Jack Taylor"

    Vor 6 Tagen7:54

    „Er lenzte die letzte der pints“. Ein Roman, der mit diesen Worten beginnt, kann nicht völlig verderbt sein. Andererseits ist klar, dass es sich nicht um ein Werk von Thomas Mann handelt. Bei dem lenzt nichts. Und wenn einer pints lenzt, dann lenzt er wohl im angloamerikanischen Raum, vermutlich in einem irischen Pub. Und wenn er kongenial versoffen übersetzt wurde, dann wurde er eben nicht übersetzt, sondern nachgeschrieben. Und dann hat dies kein weniger Geringwürdiger als Harry Rowohlt getan. Und so ist es auch. Die Rede ist von Privatermittler Jack Taylor, einer Kopfgeburt des studierten Metyphysikers Ken Bruen.

  • Czyslansky liest Folge 12: Edgar Selge: "Hast du uns endlich gefunden"

    08.06.20265:08

    „Hast du uns endlich gefunden“ ist eine Autobiographie. Selge erzählt von seinem autoritärem Vater, Gefängnisdirektor und Musiker, autoritärer Brüllwürfel und Zuchtmeister und sensibler Schumann-Interpret. Ein guter Deutscher. Er stand vor 1945 nicht auf der Seite der Opfer. Danach auch nicht. Selten hat jemand so schonungslos über seine Traumbilder berichtet wie Edgar Selge. Es gehört eine große innere Reife dazu, soviel Verletzung zu offenbaren.

  • Czyslansky liest Folge 11: Uwe Wittstock: "Marseille 1940"

    03.06.20268:56

    Uwe Wittstock ist ein großartiger Geschichtenerzähler. Und sein Buch über den Massenexodus der deutschen Intelligenz vor dem Hitlerfaschismus über Frankreich und Spanien ist ein großartiger Essay, nein, ist eine spannende Sammlung an Augen- und Ohrenzeugenberichten über die menschlichen Schicksale rund um die Fluchthelferszene im Marseille der Jahre 1940 und 1941.

  • Czyslansky liest Folge 10: Tommie Goerz: "Im Schnee"

    29.05.20260:01

    Am Anfang ist der Tod. Am Ende auch. Dazwischen ein großer Roman und ein kleines Stück Leben. 173 Seiten hat dieses Buch von Tommie Goerz. Man kann es also gut bei einer Flasche Rotwein lesen. Rotwein sollte es schon sein. Und schwer sollte er sein. Und draußen sollte es vielleicht ein bisschen kalt sein. Das ist eher kein Sommerbuch. Es heißt ja auch „Im Schnee“.

  • Czyslansky liest Folge 9: Irène Alenfeld: "Der Kipod. Geschichten von Damals."

    10.05.202610:10

    Czyslansky empfiehlt das Buch "Der Kipod. Geschichten von Damals." von Irène Alenfeld. 19 kleine Geschichten über ein jüdisches Leben. Nein: 19 große Geschichten über ein deutsches Leben. Aber nein: 19 wunderbare Geschichten über … ja über was eigentlich? Über die kleine und große Ruth. Ruth ist die Protagonistin dieses Buchs. Und die 19 Geschichten handeln von ihr, die im Berlin der Dreißiger Jahre in einer christlich-jüdischen Familie aufwächst. Der Bogen spannt sich von jenen Jahren der Nazi-Zeit bis zum Sechs-Tage-Krieg 1967. Und Ruth ist jüdisch, deutsch, christlich … Sie sitzt zwischen allen Stühlen. Wie so viele … Und genau darum geht es in diesem Buch. Und genau das hat mich berührt und bis in Herz und Hirn getroffen. Denn es geht einmal NICHT um Juden in Deutschland und jüdisch sein in Deutschland und Deutsche und Israel und deutschen Antisemitismus. Die Blickrichtung ist dieses Mal anders. Die Blickrichtung ist richtig. Irène Alenfeld begreift – wenn ich sie richtig begreife – das Jüdische als Teil des Deutschen, die jüdische Kultur als Teil der deutschen Kultur. Beides ist untrennbar miteinander verbunden. Die Shoah war eine Amputation der deutschen Kultur. Wir Deutsche haben mit der Shoah einen Teil unserer ureigenen Kultur und Geschichte gemordet und – für immer? – verloren.

  • Czyslansky liest Folge 8: Lesja Ukrajinka: "Am Meer. Kurzgeschichten aus der Ukraine"

    10.05.20268:03

    Lesja Ukrajinka kennen heute leider nur wenige Menschen außerhalb der Ukraine. Das ist sehr schade, denn sie ist zweifelsohne eine der wichtigsten Schriftstellerinnen dieses Landes. Geboren 1871 als Laryssa Petriwna Kossatsch im damals russischen Swjahel (Wolhynien), gestorben 1913 in Surami bei Tiflis, verfasste sie schon mit neun Jahren ihre ersten Gedichte. Und als Lyrikerin ist sie noch heute den meisten ihrer Landsleute ein Begriff, Ihre Prosa-Schriften sind weit weniger bekannt. Sieben Erzählungen versammelt der Band „Am Meer“ aus dem Wallstein Verlag, der immer wieder mit wunderbaren literarischen Entdeckungen überrascht. Im deutschen Feuilleton wurde der Band fast durchweg wohlwollend aufgenommen. Ich bin ein wenig zwiegespalten: die beiden längeren Erzählungen „Am Meer“ und „Freundschaft“ halte ich für ganz ausgezeichnet, die kurzen Skizzen aber sind in meinen Augen zum Teil aber sehr unrund, nicht Fisch, nicht Fleisch, sowohl in ihrer Konzeption, als auch in ihrer sprachlichen Ausarbeitung irgendwie „unfertig“.