Czyslansky liest Folge 9: Irène Alenfeld: "Der Kipod. Geschichten von Damals."
Czyslansky liest
10.05.2026 • 10 Min.
Czyslansky empfiehlt das Buch "Der Kipod. Geschichten von Damals." von Irène Alenfeld. 19 kleine Geschichten über ein jüdisches Leben. Nein: 19 große Geschichten über ein deutsches Leben. Aber nein: 19 wunderbare Geschichten über … ja über was eigentlich? Über die kleine und große Ruth. Ruth ist die Protagonistin dieses Buchs. Und die 19 Geschichten handeln von ihr, die im Berlin der Dreißiger Jahre in einer christlich-jüdischen Familie aufwächst. Der Bogen spannt sich von jenen Jahren der Nazi-Zeit bis zum Sechs-Tage-Krieg 1967. Und Ruth ist jüdisch, deutsch, christlich … Sie sitzt zwischen allen Stühlen. Wie so viele … Und genau darum geht es in diesem Buch. Und genau das hat mich berührt und bis in Herz und Hirn getroffen. Denn es geht einmal NICHT um Juden in Deutschland und jüdisch sein in Deutschland und Deutsche und Israel und deutschen Antisemitismus. Die Blickrichtung ist dieses Mal anders. Die Blickrichtung ist richtig. Irène Alenfeld begreift – wenn ich sie richtig begreife – das Jüdische als Teil des Deutschen, die jüdische Kultur als Teil der deutschen Kultur. Beides ist untrennbar miteinander verbunden. Die Shoah war eine Amputation der deutschen Kultur. Wir Deutsche haben mit der Shoah einen Teil unserer ureigenen Kultur und Geschichte gemordet und – für immer? – verloren.