Denkstoff kompakt
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Denkstoff kompakt

Clemente Minonne


Podcast

„Denkstoff kompakt“ bietet klare Gedanken zu Psychologie, Arbeit und Organisation im Zeitalter von KI. Jede Folge bringt einen prägnanten Impuls – kurz, verständlich, relevant. Für alle, die Arbeit und Wandel neu denken wollen.

Alle Folgen

  • 23. Episode: Wenn Mensch und KI zu hybrider Arbeit verschmelzen

    Vor 2 Tagen32:38

    In dieser Episode von Denkstoff kompakt spricht Prof. Dr. Clemente Minonne über eine zentrale Entwicklung der digitalen Arbeitswelt: die zunehmende Hybridisierung menschlicher und technischer Arbeitsleistungen durch Künstliche Intelligenz. Ausgangspunkt ist ein Positionspaper von Rehmer et al. (2025), das KI als neue Leittechnologie beschreibt und mit dem Konzept des „Hybrid Man“ ein neues arbeitspsychologisches Menschenbild skizziert. Im Zentrum steht die Beobachtung, dass KI nicht mehr nur körperliche Tätigkeiten oder einfache Routinen verändert, sondern zunehmend auch kognitive Arbeit durchdringt. Die Episode zeigt, dass dadurch die Grenzen zwischen menschlicher und technischer Leistung unschärfer werden. Arbeit entsteht immer häufiger in der Interaktion zwischen Mensch und KI. Damit stellen sich neue Fragen nach Verantwortung, Kontrolle, Vertrauen, Erklärbarkeit und Kompetenz. Besonders wichtig wird dabei die sogenannte AI Literacy: die Fähigkeit, KI-bezogenes Wissen zu finden, zu verstehen, kritisch zu reflektieren und verantwortungsvoll anzuwenden. Zugleich beleuchtet die Episode die psychologischen Risiken dieser Entwicklung. KI kann Menschen entlasten, aber auch neuen Überwachungsdruck, Anpassungsstress, Existenzängste und psychische Fehlbeanspruchungen erzeugen. Technologische Entlastung bedeutet daher nicht automatisch menschengerechte Arbeit. Entscheidend ist, wie Organisationen die neue Mensch-Technik-Interaktion gestalten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Konzept des eudaimonischen Wohlbefindens. Es beschreibt Wohlbefinden nicht nur als angenehmen Zustand, sondern als Wachstum, Sinnhaftigkeit, Authentizität und Exzellenz. Die Episode diskutiert, weshalb dieses Konzept ein wichtiges Zielkriterium für die Gestaltung zukünftiger KI-gestützter Arbeit sein könnte. Sein persönliches Fazit: Die entscheidende Herausforderung der kommenden Jahre besteht nicht allein darin, KI in Organisationen zu integrieren. Viel wichtiger ist die Frage, ob KI so gestaltet wird, dass sie menschliche Urteilskraft, Selbstwirksamkeit, Lernen, Verantwortung und Sinn stärkt. Die Zukunft der Arbeit entscheidet sich deshalb nicht nur an der Leistungsfähigkeit technischer Systeme, sondern daran, ob Organisationen lernen, hybride Arbeit wirklich menschengerecht zu gestalten. Quelle: Rehmer, S., Muehlan, H., Menzel, M., Juds, M., Fellmann, M., Dhiman, H., & Röcker, C. (2025). Die Hybridisierung von menschlichen und technischen Arbeitsleistungen mit Künstlicher Intelligenz als neuer Leittechnologie: Entwicklungen, Implikationen und Potenziale für menschengerechte Arbeit. Zeitschrift für Arbeitswissenschaft, 79, 525–533. https://doi.org/10.1007/s41449-025-00489-y

  • 22. Episode: Wenn KI Arbeit nicht ersetzt, sondern menschlicher macht

    05.06.202621:00

    In dieser Episode von Denkstoff kompakt spricht Prof. Dr. Clemente Minonne über eine Perspektive auf generative Künstliche Intelligenz, die in vielen Diskussionen bislang erstaunlich wenig Beachtung findet: die Frage, wie KI nicht nur Produktivität verändert, sondern das menschliche Erleben von Arbeit. Ausgangspunkt ist eine Studie von De Smet et al. (2024), die auf einer gross angelegten Befragung von über 12'000 Arbeitnehmenden und mehr als 3'000 Führungskräften aus Kanada, Grossbritannien und den USA basiert. Die Untersuchung analysiert, wie Menschen generative KI bereits heute in ihrem Arbeitsalltag nutzen und welche organisationalen, psychologischen und kulturellen Folgen damit verbunden sind. Die Studie deutet darauf hin, dass die eigentliche Veränderung weniger in der Automatisierung von Arbeit liegt als in einer Verschiebung der Tätigkeiten: weg von Routineaufgaben und hin zu Bewertung, Interpretation, Entscheidungsfindung und kritischer Reflexion. Im Zentrum steht dabei die Frage, welche menschlichen Fähigkeiten im Zeitalter generativer KI an Bedeutung gewinnen. Die Studie verweist insbesondere auf kritisches Denken, Problemlösefähigkeit, Urteilsvermögen, Kreativität, Lernbereitschaft sowie die Fähigkeit, mit Unsicherheit und Komplexität umzugehen. Gleichzeitig zeigt sich, dass intensiv mit KI arbeitende Menschen besonders häufig Faktoren wie Sinn, Zugehörigkeit, Gesundheit, Entwicklungsmöglichkeiten und unterstützende Führung als wichtige Elemente guter Arbeit nennen. Zudem wird diskutiert, weshalb die erfolgreiche Einführung von KI nicht primär ein Technologieprojekt ist, sondern immer auch ein Kultur- und Führungsprojekt. Organisationen profitieren besonders dann von generativer KI, wenn Mitarbeitende psychologische Sicherheit erleben, Unterstützung erhalten und neue Technologien in einem Umfeld erproben können, das Lernen und Experimentieren fördert. Sein persönliches Fazit: Die zentrale Herausforderung der kommenden Jahre besteht möglicherweise nicht darin, wie viel künstliche Intelligenz in Organisationen integriert werden kann, sondern wie der dadurch entstehende Freiraum genutzt wird. Wenn KI Routinetätigkeiten reduziert, entsteht die Chance, menschliche Arbeit stärker auf Reflexion, Zusammenarbeit, Kreativität, Verantwortung und Lernen auszurichten. Die Zukunft der Arbeit könnte dadurch paradoxerweise nicht technischer, sondern menschlicher werden. Quelle: De Smet, A., Durth, S., Hancock, B., Mugayar-Baldocchi, M., & Reich, A. (2024). The Human Side of Generative AI: Creating a Path to Productivity. McKinsey & Company. Verfügbar unter: https://www.mckinsey.com/capabilities/people-and-organizational-performance/our-insights/the-human-side-of-generative-ai-creating-a-path-to-productivity

  • 21. Episode: Wenn KI nicht entlastet, sondern neue psychische Belastungen erzeugt

    29.05.202620:43

    In dieser Episode von Denkstoff kompakt spricht Prof. Dr. Clemente Minonne über eine psychologische Dimension technologischer Transformation, die in vielen Diskussionen rund um Industrie 5.0 bislang erstaunlich wenig sichtbar ist: die mentale Belastung in der Zusammenarbeit zwischen Menschen und kollaborativen physischen Robotern; sogenannten Cobots. Ausgangspunkt ist eine aktuelle systematische Review-Studie von Bassi et al. (2025), welche 46 Untersuchungen zur Human-Cobot Kollaboration analysiert. Die Studie zeigt, dass Cobots zwar körperliche Belastungen reduzieren können, gleichzeitig jedoch neue psychologische Anforderungen entstehen: erhöhte Aufmerksamkeit, permanente Überwachung, mentale Dauerkoordination, Unsicherheit sowie subtiler Stress durch Geschwindigkeit, Nähe und Vorhersagbarkeit intelligenter Systeme. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie sich industrielle Arbeit psychologisch verändert, wenn Menschen nicht mehr neben klassischen Maschinen, sondern gemeinsam mit intelligenten, adaptiven Robotersystemen arbeiten. Die Episode beleuchtet, weshalb Belastung nicht einfach verschwindet, sondern zunehmend von körperlicher auf kognitive und emotionale Ebenen wandert. Zudem wird diskutiert, weshalb „Human Centricity“ in Industry 5.0 deutlich anspruchsvoller ist, als es viele strategische Zukunftsbilder suggerieren. Nicht technologische Leistungsfähigkeit allein entscheidet über gute Arbeit, sondern die arbeits- und organisationspsychologische Gestaltung dieser neuen Mensch-Maschine-Kooperationen. Sein persönliches Fazit: Die eigentliche Herausforderung intelligenter Arbeitswelten liegt nicht primär darin, wie leistungsfähig Maschinen werden, sondern darin, ob Organisationen lernen, die psychologischen Folgen dieser Technologien ernst zu nehmen. Die Zukunft der Arbeit entscheidet sich deshalb nicht nur an technologischer Innovation, sondern an der Fähigkeit, menschliche Aufmerksamkeit, Vertrauen, mentale Belastung und Wohlbefinden nachhaltig gestaltbar zu halten. Quelle: Bassi, G., Orso, V., Salcuni, S., & Gamberini, L. (2025). Understanding workers’ well-being and cognitive load in human-cobot collaboration: Systematic review. Journal of Medical Internet Research, 27, e75658. https://doi.org/10.2196/75658

  • 20. Episode: Wenn KI nicht einfach Arbeit ersetzt, sondern Wissensarbeit neu organisiert

    23.05.202621:09

    In dieser Episode von Denkstoff kompakt spricht Prof. Dr. Clemente Minonne über den „Anthropic Economic Index“ und die Frage, wie generative KI bereits heute konkret in Arbeitsprozessen genutzt wird. Grundlage ist eine gross angelegte Analyse realer Interaktionen mit dem Sprachmodell "Claude". Die Studie zeigt, dass KI derzeit vor allem für sprachliche, analytische und wissensbasierte Tätigkeiten eingesetzt wird, insbesondere in Bereichen wie Softwareentwicklung, Kommunikation, Forschung, Datenanalyse oder Bildung. Auffällig ist, dass die häufigste Form der Nutzung nicht vollständige Automatisierung, sondern die Zusammenarbeit (Augmentation) zwischen Mensch und KI ist. Die Episode diskutiert, weshalb dadurch weniger "ganze Berufe" verschwinden als vielmehr "kognitive Teilaufgaben" neu verteilt werden, und warum sich dadurch auch Kompetenzanforderungen, Lernprozesse und organisationale Dynamiken verändern. Sein persönliches Fazit: Die eigentliche Veränderung durch generative KI liegt möglicherweise weniger im Ersatz menschlicher Arbeit als in der tiefgreifenden Neuorganisation kognitiver Wissensarbeit. Quelle: Handa et al. (2025). Which economic tasks are performed with AI? Evidence from millions of Claude conversations. Anthropic Economic Index. Anthropic. https://arxiv.org/abs/2503.04761 und https://www.anthropic.com/economic-index

  • 19. Episode: Wenn KI erstmals sichtbare Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlässt

    11.05.202625:58

    In dieser Episode von Denkstoff kompakt spricht Prof. Dr. Clemente Minonne über eine neue Studie des KOF-Instituts der ETH Zürich zur Frage, ob generative KI bereits sichtbare Auswirkungen auf den Schweizer Arbeitsmarkt hat. Grundlage ist der Studienbericht „KI und der Schweizer Arbeitsmarkt: Erste Evidenz zu Auswirkungen auf Arbeitslosigkeit und Stellenausschreibungen“. Die Studie analysiert reale Daten von Arbeitssuchenden des SECO sowie umfassende Stelleninseratsdaten und zeigt, dass sich stark KI-exponierte Berufe seit der Einführung grosser Sprachmodelle Ende 2022 deutlich schlechter entwickelt haben als wenig exponierte Berufe. Besonders betroffen sind wissensintensive Tätigkeiten wie Softwareentwicklung, Programmierung, Marketing oder journalistische Arbeit. Die Episode diskutiert, weshalb generative KI sich grundlegend von früheren Automatisierungswellen unterscheidet, warum jüngere Arbeitnehmende stärker betroffen sein könnten und weshalb die Geschwindigkeit technologischer Diffusion zu einer neuen Dynamik von Arbeit führt. Sein persönliches Fazit: Die entscheidende Veränderung durch KI liegt nicht primär im Verschwinden von Arbeit, sondern in der zunehmenden Instabilität jener Wissensarbeit, die lange als besonders sicher galt. Quelle: Kläui, J., & Siegenthaler, M. (2025). KI und der Schweizer Arbeitsmarkt: Erste Evidenz zu Auswirkungen auf Arbeitslosigkeit und Stellenausschreibungen (KOF Studien Nr. 186). ETH Zürich, KOF Konjunkturforschungsstelle. https://doi.org/10.3929/ethz-c-000785283

  • 18. Episode: Wenn KI Jobs erhält und sich die Anforderungen trotzdem verändern

    01.05.202616:19

    In dieser Episode von Denkstoff kompakt spricht Prof. Dr. Clemente Minonne über die Frage, wie künstliche Intelligenz Arbeit verändert – nicht primär durch den Wegfall von Jobs, sondern durch eine zunehmende Dynamik innerhalb bestehender Rollen. Grundlage ist der „2025 Global AI Jobs Barometer“ von PwC, insbesondere die Schweiz-Analyse. Der Bericht zeigt, dass sich Anforderungen in KI-exponierten Jobs deutlich schneller verändern als in anderen Tätigkeiten, während die Gesamtzahl der Jobs stabil bleibt. Gleichzeitig sinken Anforderungen an formale Abschlüsse, während die Komplexität innerhalb der Jobs steigt. Die Episode argumentiert, dass die zentrale Herausforderung der Zukunft weniger im Verlust von Arbeitsplätzen liegt, sondern in der Fähigkeit, mit kontinuierlichen Veränderungen Schritt zu halten. Sein persönliches Fazit: Die eigentliche Herausforderung der KI liegt nicht in der Reduktion von Arbeit, sondern in der Geschwindigkeit ihrer Transformation, und damit in der Frage, wie gut Menschen und Organisationen sich kontinuierlich weiterentwickeln können. Quelle: PwC. (2025). Global AI Jobs Barometer 2025: AI is reshaping jobs – Switzerland insights. PricewaterhouseCoopers.