Warum lieben Rechtsradikale das antike Griechenland? (über »Bronze Age Mindset«)
Warum lieben Rechtsradikale das antike Griechenland? (über »Bronze Age Mindset«)

Warum lieben Rechtsradikale das antike Griechenland? (über »Bronze Age Mindset«)

Die sogenannte Gegenwart


Gestern • 1 Std. 25 Min.

Dass rechtspopulistische Parteien weltweit Erfolge feiern, daran hat man sich gewöhnt. Meistens werden deren Wortführer als gefährliche Vereinfacher dargestellt, als intellektuelle Herausforderung betrachtet man sie kaum je. Doch tatsächlich hat der sogenannte Vibe-Shift durchaus einen intellektuellen Überbau, er ist nicht nur populistisch, sondern auch elitär. Eines der prominentesten Bücher aus der kompromisslos rechtsradikalen Intellektuellenbubble ist das 2018 erschienene Werk »Bronze Age Mindset«, das, obwohl im Selbstverlag erschienen, sogleich ein Verkaufserfolg in den USA wurde. Im Milieu der philosophischen Strippenzieher der Maga-Bewegung wurde das Buch mit heißen Wangen gelesen; in Deutschland hingegen hat man es so gut wie nicht wahrgenommen. Der anonyme Autor des Buches nennt sich »Bronze Age Pervert«, unter diesem Pseudonym war er schon vor 2018 auf Twitter zu einiger Bekanntheit gelangt. Der Bronze Age Pervert sieht sich selbst als einen Nietzsche-Nachfolger, der sehr viel Philosophie gelesen hat und vom nietzscheanischen Übermenschen träumt. Seine Helden: die griechischen Heroen der Bronzezeit wie Achill und Odysseus, die keine Moral kannten, sondern nur für Schönheit, Ruhm und Stärke lebten. Moral ist für Bronze Age Pervert nur ein Mittel egalitärer Gesellschaften, große Individuen kleinzuhalten. Dieses System nennt er »das Langhaus« – dem Konformismus des Langhauses gilt es zu entkommen, um wieder ein heroisches, großes Leben in Schönheit und Stärke führen zu können. Mit Nietzsche kämpft er gegen den »Aufstand der Sklavenmoral« und für ein glanzvolles neues Barbarentum – für die »blonde Bestie«, wie es bei Nietzsche heißt. Man kann und muss dem Buch »Bronze Age Mindset« vieles und das Schlimmste vorwerfen: Es ist antisemitisch, rassistisch und misogyn. Aber eins ist es nicht: banal oder ungebildet. Leider im Gegenteil. Wie funktioniert menschenverachtendes, faschistisches Denken für unsere Gegenwart? Dieser ungemütlichen Frage gehen Ijoma Mangold und Lars Weisbrod nach in der neuen Folge von »Die sogenannte Gegenwart«. Patrick Deneens Aufsatz »Wir sind jetzt alle Postliberale« findet sich in dem von Veith Selk und Julian Nicolai Hofmann herausgegebenen Band »Postliberalismus? Eine transatlantische Debatte«. Leo Strauss’ Aufsatz »Three Waves of Modernity« im Volltext hier: Ab dem 15.1.2025 sind Teile des Archivs von "Die sogenannte Gegenwart?" nur noch exklusiv mit einem Digitalabo der ZEIT zu hören – auf www.zeit.de/die-sogenannte-gegenwart, auf Apple Podcasts und auf Spotify. Ein kostenloses Probeabo können Sie hier abschließen. Wie Sie ihr Abo mit Spotify oder Apple Podcasts verbinden, lesen Sie hier. [ANZEIGE] Mehr über die Angebote unserer Werbepartnerinnen und -partner finden Sie HIER. [ANZEIGE] Mehr hören? Dann testen Sie unser Podcast-Abo mit Zugriff auf alle Dokupodcasts und unser Podcast-Archiv. Jetzt 4 Wochen kostenlos testen. Und falls Sie uns nicht nur hören, sondern auch lesen möchten, testen Sie jetzt 4 Wochen kostenlos DIE ZEIT. Hier geht's zum Angebot.