Christian Schicha über Ethik in Bildern und Medien | Podcast Ethik Digital
Christian Schicha über Ethik in Bildern und Medien | Podcast Ethik Digital

Christian Schicha über Ethik in Bildern und Medien | Podcast Ethik Digital

Ethik Digital


27.09.2021 • 47 Min.

Wie bekommen wir die Ethik in die Bilder? Damit beschäftigt sich der Theologe Christian Schicha. Ein Gespräch über digitale Ethik - und wie wir mit Fake-Bildern, Künstlicher Intelligenz und der Flut der Bilder umgehen. Ein Podcast von Rieke C. Harmsen und Christine Ulrich. Ethik in Fotos, Bildern und Medien Welche Bilder über Katastrophen sollten wir in den Medien zeigen? Wie gehen wir mit Fake-Fotos um - und der schieren Masse von Bildern, mit denen wir täglich überflutet werden? Der Theologe Christian Schicha forscht über Bildethik. Bei der Fussball-Europameisterschaft ist ein Spieler plötzlich umgefallen und die Kameras wurden teilweise nicht abgestellt. Wie bewerten Sie so eine Situation - als Zuschauer, aber auch als als Medienethiker? Schicha: Ich bin Fussballfan, Rezipient und Betrachter wie jeder andere auch. Aber ich sehe das natürlich auch aus der normativen Perspektive der Bildethik. Bei den Bildern geht es um die Situation des Spielers als Opfer und die Frage, wie wir damit umgehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Fußballspieler großen Wert darauf legt, dass die Bilder weltweit gezeigt werden. Positiv zu bewerten war die Reaktion der Mitspieler, die ihn umstellt haben, um ihn zu schützen. Gleichzeitig vermittelten die Bilder auch, dass die Spieler aufgrund der dramatischen Situation Situation persönlich betroffen waren. Sollten die Kameras also abgeschaltet werden? Schicha: Ich würde in solchen Fällen immer dafür plädieren, die Kamera möglichst schnell wegzuziehen oder nicht draufzuhalten. Also weder die Emotionen der Spieler noch die Emotionen der Fans im Stadion zeigen, die sich zwar im öffentlichen Raum bewegen, aber emotional teilweise auch fix und fertig waren. Natürlich ist Fussball ein öffentliches Ereignis, über das berichtet werden muss. Aber so eine Situation sollte nicht in Bildern festgehalten werden, weil diese Bilder ewig weiter transportiert werden und auch die Angehörigen des Spielers, die Freunde oder die Kinder des ständig damit konfrontiert werden. Daher ist aus meiner Sicht in solchen Fällen Zurückhaltung gefragt. Sie haben gerade ein Buch über Bildethik veröffentlicht. Welches sind Ihre Erkenntnisse? Schicha: Das Buch versteht sich als Einführung ins Thema. Es ging nicht um eine theoretische Abhandlung, sondern darum, das Thema komprimiert und konzentriert zusammen zu fassen. Es handelt sich um ein Grundlagenwerk, dass Interesse am bildethischen Fragen wecken sollte. Sie widmen sich dort auch dem Thema Bildbearbeitung. Was hat das mit Ethik zu tun? Schicha: Bildbearbeitung gibt es schon lange - von Stalins retuschierten Fotos bis zur digitalen Bildbearbeitung heute. Mir geht es um ethische Fragen: Wann sind Bilder moralisch angemessen? Wie gehen wir um mit Bildern von Prominenten? Wie ist das Verhältnis zwischen öffentlicher Relevanz und Persönlichkeitsschutz? Und wer trägt die Verantwortung für die Bilder: Der einzelne Fotograf oder die Redaktion? Sind nicht alle mit verantwortlich, die solche Bilder anschauen? Sollten wir nicht selber wegschalten oder zumindest darauf reagieren, wenn Bilder von Verstorbenen, von Amokläufern, von Opfern gezeigt werden? Im Buch werden prominente Fotografen wie Robert Capa und Helmut Newton vorgestellt. Spielte für diese das Thema Bildethik überhaupt eine Rolle? Schic Folge direkt herunterladen