Bhagwan, Teil 2
Fake History
Gestern • 25 Min.
1981 verließ Bhagwan Indien und ging nach Oregon. Dort kaufte seine Organisation eine riesige Ranch mitten im Nirgendwo. Was dann entstand, war in seiner Größenordnung derart absurd, dass man es, wenn es nicht dokumentiert wäre, fast für die Fantasie eines überdrehten Drehbuchautors halten könnte. In erstaunlich kurzer Zeit entstand aus dieser kargen Ranch eine Art Stadt - wie aus dem Nichts. Ihr Name: Rajneeshpuram. Mit Wohnhäusern, Restaurants, Straßen, Schule, medizinischer Versorgung, eigener Zeitung, Flugplatz, Busflotte. Eine komplette Gegenwelt, errichtet für eine Bewegung, die vorgab, jenseits der alten Gesellschaft ein neues Leben zu entwerfen. Wer dort ankam, konnte glauben: Hier bauen wir wirklich eine andere Welt. Und natürlich liegt genau in solchen totalen Räumen die Gefahr. Denn je umfassender ein System wird, desto schwieriger wird es, sich ihm innerlich und äußerlich zu entziehen. Wenn Wohnen, Arbeiten, Lieben, Denken, Reden, Meditieren und Gehorchen in einem einzigen Milieu verschmelzen, dann ist man nicht mehr bloß Anhänger. Dann lebt man in einer Totalatmosphäre. Nach außen mochte Rajneeshpuram wie eine exzentrische Hippie-Utopie wirken. Innen aber entwickelte sich etwas, das immer stärker nach Kontrolle aussah war. Bhagwan selbst zog sich phasenweise aus der direkten Öffentlichkeit zurück. Dafür rückte eine andere Figur immer stärker ins Zentrum: Ma Anand Sheela. Sie war nicht einfach nur Sekretärin oder Assistentin. Sie war die Organisatorin, die Antreiberin, die Managerin, die Machtpolitikerin des Systems. Wenn Bhagwan die sakrale Mitte war, dann war Sheela gewissermaßen die Exekutive. 1985 wurde Bhagwan verhaftet, unter anderem wegen Einwanderungsbetrugs. Am Ende schloss er einen Deal mit den Behörden und musste die Vereinigten Staaten verlassen. Damit war das Experiment Rajneeshpuram im Grunde beendet. Die große Stadt in der Wüste, diese Mischung aus Utopie, Firma, Kult und Machtapparat, zerfiel. Was als Heilsversprechen begonnen hatte, endete zwischen Strafverfolgung, öffentlichem Skandal und administrativem Scherbenhaufen.