Mythos Wirtschaftswunder
Fake History
28.08.2026 • 29 Min.
Folgt man der populären Erzählung, dann war das deutsche Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg ein Mirakel aus vor allem vier Zutaten: 1. einer "Stunde Null", die einen totalen Neuanfang notwendig machte. 2. der Währungsreform 1948, die über Nacht die Schaufenster füllte. 3. dem Marshallplan, eine vor allem amerikanische Milliardenhilfe, die das Land flott machte. 4. dem Konzept der Sozialen Marktwirtschaft, untrennbar verbunden mit dem Namen Ludwig Erhard. Aber keine dieser Zutaten kann die tatsächliche Dynamik des deutschen Wirtschaftswachstums erklären. In Wirklichkeit ist das Wirtschaftswunder, so hat es der Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser erforscht, eine lange Aufwärtslinie, die schon im Kaisserreich, also 1871 begann und von den beiden Weltkriegen nur gedämpft, aber nicht komplett ausgebremst wurde. Auch die Währungsreform ist auf einen bereits fahrenden Zug aufgesprungen. Ihr Urheber war nicht Ludwig Erhard, sondern ein junger amerikanischer Offizier namens Edward A. Tennebaum. Das hat der deutsche Wirtschaftshistoriker Carl Ludwig Holtfrerich dankenswerterweise aufgearbeitet. Erhard hat das Wirtschaftswunder, das kein Wunder war, allerdings sehr gut politisch vermarktet.