Mythos Wirtschaftswunder Teil 2
Fake History
28.08.2026 • 35 Min.
Wenn die angebliche "Stunde Null" und die Währungsreform 1948 als Erklärung für den robusten Aufschwung der deutschen Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg nicht ausreichen - was war es dann? Die zwei verbleibenden Erklärungsversuche heißen: Marshallplan und Soziale Marktwirtschaft. Das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft wurde mehr vom Aufschwung getragen, als dass es dessen Ursache war. Das Wachstum machte Ludwig Erhards Konzept populär, nicht umgekehrt. Und der Marshallplan? Der war eine Kehrtwende der US-Politik. Eigentlich sollte, nach dem so genannten Morgenthau-Plan, Deutschland deindustriealisiert und zu einem Agrarland gemacht werden. Deutschland sollte die Fähigkeit verlieren, andere Staaten und deren Bevölkerung zu bedrohen. Aber 1947 erkannte man in Washington, dass Frankreich und Großbritannien wirtschaftlich zu schwach waren, um Treiber des europäischen Wiederaufbaus zu sein. Was die USA aber schon seit 1945 wussten: Der Bombenkrieg hatte zwar viele Städte in Schutt und Asche gelegt, aber die Industrie war noch weitgehend in Takt. Deutschland hatte nach 1945 mehr Industriekapital als vor dem Krieg. Und die Bevölkerung wuchs durch Vertriebene und Flüchtlinge aus dem Osten. Es gab also genug Arbeitskräfte. Der Marshallplan hatte zwei Effekte: Er half psychologisch, es kam Unterstützung von außen. In Tat und Wahrheit bestanden die Lieferungen aus den USA im Wesentlichen aus Rohbaumwolle und Tabak, nicht aus Maschinen und moderner Technik. In der deutschen Bevölkerung entstand trotzdem der Eindruck, der Aufschwung sei dem Marshallplan zu verdanken. Und der zweite Effekt: Wer Hilfe aus diesem Programm in Anspruch nahm, durfte in Deutschland Reparationen aus der laufenden deutschen Produktion entnehmen. Dadurch wurde die deutsche Wirtschaft von ihren Fesseln befreit. Deutschland war nach dem Krieg also arm, aber nicht unterentwickelt. Die Mythen um die vier Säulen des deutschen Wirtschaftswunders haben eine Eigendynamik entwickelt. Der eigentliche Treiber aber war die so genannte zweite wirtschaftliche Revolution, also die Zusammenführung von Wirtschaft, Wissenschaft und Technik. Deutschland produzierte komplexe Industrieanlagen, veredelte Produkte und hochwertige Fahrzeuge. Das ist bis heute die Basis für Deutschlands Ruf auf dem Weltmarkt.