#66: Roboter-Mobbing: Was wirklich passiert, wenn KI auf Machtstrukturen trifft
Follow the White Rabbit - Der IT-Security Podcast
22.07.2026 • 34 Min.
Es hat einen Namen: Roboter-Mobbing. Roboter-Mobbing. Und es passiert gerade in Unternehmen, die glauben, ihr KI-Projekt laufe gut. Mitarbeitende, die um ihren Job oder ihre Macht fürchten, sabotieren das neue System – still, gezielt und ohne dass es jemand merkt. In dieser Folge von „Follow the White Rabbit” spricht Lisa Fröhlich mit Dr. Katharina von Knop. Die promovierte Philosophin und Politikwissenschaftlerin ist Gründerin von „Digital Trust Analytics”. Gemeinsam sprechen sie über die eigentliche Ursache des KI-Scheiterns in Unternehmen. Die Technik ist es fast nie. Katharinas Ansatz beginnt nicht mit der Software, sondern mit einer Diagnose: Wo sitzen die Machtstrukturen? Wo die Ängste? Und wer hat am meisten zu verlieren? Auf dieser Grundlage überträgt sie die Maslow'sche Bedürfnispyramide auf KI-Projekte: vom ersten schlanken Use Case mit echtem Nutzen über transparente Regulatorik und eigene Qualitätssicherung bis hin zu Selbstwirksamkeit und echtem Zugehörigkeitsgefühl. Ihr klarster Ratschlag lautet: Qualitätssicherung niemals auslagern. Denn wer nicht selbst versteht, ob ein Fehler eine Halluzination, ein Data Drift oder ein gezielter Angriff ist, wird dem System nie wirklich vertrauen – und das spüren auch die Teams. Dann wird es überraschend: Warum verlieren Pathologen messbar an Kompetenz, wenn KI zu viel übernimmt – und das bereits nach drei Wochen? Warum vertrauen Ältere der KI oft mehr als Jüngere? Und was hat ein Versicherungsunternehmen, das seine Prozesse komplett automatisiert hat, dabei übersehen? Am Ende gibt Katharina vier konkrete Tipps für alle, die KI nicht nur einkaufen, sondern wirklich verankern wollen. Diese Folge ist kein Technik-Talk. Sie ist Psychologie, Machtanalyse und Praxishandbuch in einem. TakeawaysKI-Projekte scheitern an den Menschen, nicht an der Technologie. Bevor der erste Use Case startet, ist eine ehrliche Diagnose notwendig: Welche Machtstrukturen stehen dem Projekt im Weg? Der erste Schritt ist daher ein Gespräch und kein Deployment.Vertrauen folgt einer Bedürfnispyramide. Zunächst muss echter Nutzen entstehen, dann folgt Sicherheit durch verständlich erklärte Regulatorik und schließlich Kontrolle durch eigene Teams. Wer Vertrauen verordnet, bekommt Roboter-Mobbing.Qualitätssicherung gehört ins eigene Haus. Wer sie auslagert, gibt Kontrolle und Vertrauen ab. Nur wer selbst unterscheiden kann, ob ein Fehler Halluzination, Data Drift oder Angriff ist, schafft echte Berechenbarkeit und klare Verantwortlichkeit.Den Menschen ändern wir nicht – die Systeme schon. Eine gute KI ist ein Coworker auf Augenhöhe, der kognitiv herausfordert. Kein Sternchen-Smiley-Affenarsenal, sondern Reziprozität. Aktive Interaktion verhindert Kompetenzverlust, der sonst schon nach drei Wochen messbar einsetzt.Klein starten, transparent kommunizieren – und das dauerhaft. Schlanker Use Case statt Over-Engineering. MVP statt Perfektion. Und Kommunikation nicht als Kick-off-Folie, sondern als Dauerprozess betrachten. Das ist keine Empfehlung für Soft Skills, sondern die Voraussetzung dafür, dass KI überhaupt funktioniert.Jetzt abonnieren – das KI-Special geht weiter! Diese Folge ist Pflicht für alle, die KI nicht nur einführen, sondern im Unternehmen nachhaltig verankern wollen. Abonniere „Follow the White Rabbit”, hinterlasse eine Bewertung und schicke die Folge an Führungskräfte und Teams, die gerade mitten in einem KI-Projekt stecken oder kurz davor sind, eines zu starten. LinksDr. Katharina von Knop – Philosophin, Politikwissenschaftlerin, Gründerin Digital Trust Analytics | Digital Trust Analytics EU AI Act – Volltext (Verordnung EU 2024/1689) BSI: Trustworthy AI – Leitlinien für vertrauenswürdige KI