Folge 24 | Realismus zwischen Macht und Moral | Gast: Staatsministerin Serap Güler
Friedensreiter
06.02.2026 • 59 Min.
Realismus statt Selbstberuhigung – Serap Güler über deutsche Außenpolitik Lange lebte die deutsche Außenpolitik von der Annahme, Werte und Interessen würden sich fast automatisch decken. Serap Güler, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, hält diese Sicht nicht für falsch – aber für unvollständig. In diesem Gespräch wirbt sie für eine realistische Außenpolitik, die Glaubwürdigkeit zurückgewinnt, ohne in Zynismus zu verfallen. Wir sprechen darüber, warum interessengeleitete Politik nie neu war, weshalb Deutschland lange gezögert hat, das offen auszusprechen – und warum Außenpolitik heute bis an die Supermarktkasse wirkt. Güler erklärt, weshalb internationales Recht gerade in Zeiten von Machtpolitik und Annexionen unverzichtbar bleibt, warum Europa Grenzen markieren muss – auch gegenüber engen Verbündeten – und weshalb „mehr Europa“ keine Floskel, sondern strategische Notwendigkeit ist. Ein weiterer Schwerpunkt: Sicherheit und Verteidigung. Warum ein gesundes Maß an Sorge angebracht ist, weshalb Abschreckung nichts mit Kriegsrhetorik zu tun hat und warum Diplomatie kein Selbstzweck ist, sondern Ergebnisse braucht. Auch der Blick auf die Ukraine, auf Syrien und auf die Rolle der Vereinten Nationen zeigt: Wertepolitik entsteht nicht durch moralische Distanz, sondern durch Klarheit, Bedingungen und Handlungsfähigkeit. Ein Gespräch über Außenpolitik ohne Illusionen – über Realismus ohne Zynismus, Werte ohne Selbstgerechtigkeit und Interessen ohne Verdrängung. ? Jetzt reinhören.