Grundblindheit
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Grundblindheit

Richard Horner


ab 12 • Audiobook • 06:17:24 • September 2026

Wir sehen den Grund mit jedem Blick – warum erkennen wir ihn nie? Grundblindheit ist eine Ontologie für die Gegenwart, und ihre Diagnose steht quer zur vertrauten Klage: Unsere Zeit leidet nicht am Verlust des Wirklichen, sondern an seinem Überfluss – lauter gelieferte Bilder geben sich für die Welt aus. Richard Hörner nennt das den inflationären Realismus und entfaltet dagegen ein eigenständiges Denkgebäude von bildhafter Klarheit: der Mensch als Lebenskapsel, gewölbt aus dem Grund wie eine Seifenblase; das Innere als Werkstatt, die niemals schließt. Von dort fällt ein neues Licht auf die Debatten dieses Sommers: Der Streit um die Familie vergisst, wozu sie da ist. Die Bildung vergisst, wofür sie bildet. Die Flucht-Debatte zählt Ströme – "Ströme fliehen nicht; es fliehen Einzelne, in großer Zahl." Sieben Felder, und in keinem ergreift das Buch Partei. Hörner schreibt keine akademische Abhandlung, sondern denkt in Szenen – ein Karneval, ein Aschermittwoch, fünf Menschen in der schlaflosen Nacht –, begleitet von über fünfzig eigens geschaffenen Illustrationen. Am Ende steht ein Trost eigener Art, der nichts verspricht und nichts beschönigt: Der Tod verliert sein Fremdes – wir kehren in etwas zurück, das wir immer gesehen haben. Für Leserinnen und Leser, die Philosophie als Erfahrung suchen, nicht als Fachsprache – und die wissen wollen, was trägt, wenn die Musik einmal aussetzt.