Was macht eigentlich ein KRITIS-Prüfer? Einblicke aus acht Jahren Praxis | Martin Karl Junghans
HiWay – Wegweiser für Digitalisierung und Sicherheit
22.07.2026 • 15 Min.
Viele Unternehmen glauben, mit einem Zertifikat sei die Sache erledigt. Martin Karl Junghans prüft seit 2018 kritische Infrastrukturen und erlebt regelmäßig den Moment, in dem diese Annahme kippt: Er fragt nicht nach Dokumenten, sondern danach, wie die Firewalls konfiguriert sind und ob die Systeme wirklich gehärtet sind. Denn Papier produziert keine Sicherheit. Im Gespräch mit Valerie Knapp erklärt er, was kritische Infrastrukturen überhaupt sind und warum sie unseren Alltag bestimmen, von der Strom- und Wasserversorgung über Krankenhäuser bis zum Nahverkehr. Er erzählt von Anlagen, die kaum jemand von innen sieht: OP-Bereiche in Universitätskliniken, autonom fahrende U-Bahnen, eine 80 Meter hohe Talsperre, die allein durch ihr Eigengewicht steht. Und von der Nebentür in einem kritischen Betriebsraum, in der seit 30 Jahren kein Schließzylinder saß, ohne dass es jemandem aufgefallen war. Martin räumt außerdem mit einer verbreiteten Sorge auf: Bei einer KRITIS-Prüfung kann man nicht durchfallen. Am Ende steht eine Mängelliste, die eher eine Hausaufgabenliste ist. Und er erklärt, warum eine Prüfung für die Menschen, die diese Anlagen täglich am Laufen halten, auch etwas anderes bedeutet: dass ihre Arbeit endlich einmal gesehen wird. Moderation: Valerie Knapp