Totenstille über den Salzfeldern. Albatera und die Erinnerung an den spanischen Bürgerkrieg
hr2 Dokumentation und Reportage
08.07.2026 • 51 Min.
Vor 90 Jahren begann der spanische Bürgerkrieg, der über 500.000 Menschen das Leben kostete. Eine weitere halbe Million Republikaner, Regimegegner und Flüchtlinge wurde in den ersten Jahren der Franco-Diktatur in Konzentrationslager eingesperrt. Über die Lager ist bis heute wenig bekannt, das Regime hatte viele Spuren ihrer Existenz beseitigt. Ein Zeitzeuge war der ehemalige anarchistische Milizionär Isidro Benet. Fast sein ganzes Leben lang hatte er nicht über seine Haft in Albatera gesprochen. Erst mit 90 Jahren, kurz vor seinem Tod, begann er, seine Erlebnisse aufzuschreiben. Heute führt der Archäologe Felipe Mejías in der Provinz Alicante Grabungen auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers von Albatera durch. Er hat bei seiner Spurensuche mit vielen Widerständen zu kämpfen. Der Blick der spanischen Gesellschaft auf die eigene Vergangenheit ist auch heute noch von Gegensätzen geprägt. Einerseits sind an vielen Orten Bürgerinitiativen zur Aufarbeitung der Vergangenheit entstanden, andererseits ist in Teilen der Gesellschaft immer noch der Pakt des Schweigens bemerkbar. Bürgerkrieg und Diktatur liegen im Fokus parteipolitischer Auseinandersetzungen. Erst 2021 hat man in Alicante mit Exhumierungen von Massengräbern der Opfer der Repressionen begonnen. 2025 wurde die Stadt als zweite Stadt Spaniens nach Guernica zum “Ort der demokratischen Erinnerung“ ernannt.