081 Klaus & Nicki Ackermann, machen sich vom Acker, man.
Landy und Leute
01.10.2026 • 1 Std. 11 Min.
Moin, Grüezi, Grüß Gott, liebe Reisefreaks, die Land Radde begrüßt euch zu einer neuen Folge Landy & Leute, dort wo ihr ihn jetzt gestreamt habt. Und ich, Rainer Schuler, bin euer Laberfeuer Host. Heute ist einiges anders, und deshalb erkläre ich euch das lieber gleich. Wir sitzen nicht am Lagerfeuer, sondern auf einem Balkon, bei untergehender Sonne und nach einem fantastischen georgischen Abendessen. Und wir sind nicht zu zweit oder zu dritt, sondern zu viert. Meine Frau Petra ist mit dabei, und unsere Gastgeber sind Klaus und Nicky Ackermann. Klaus und ich kennen uns seit über 20 Jahren. Im ersten Satz habe ich ihn noch als ehemaligen Kollegen vorgestellt, und er hat mich prompt korrigiert: Ich war sein Chef. Daraus ist über die Jahre eine echte Freundschaft geworden, und genau so klingt diese Folge auch. Klaus und Nicky sind vor Kurzem von einer Reise zurückgekommen, die eigentlich nicht in eine einzige Folge passt. 20 Monate, 26 Länder, rund 55.000 Kilometer, im echten Zick-Zack-Kurs über den Balkan und die Türkei, durch Iran, Irak und die Arabische Halbinsel bis in den Oman, rauf in den Kaukasus und nach Russland und über Griechenland, Italien und Tunesien wieder zurück. Unterwegs waren sie in einem Mercedes 609 D Kastenwagen, 35 Jahre alt, 4 Liter Hubraum und 90 PS. Ja, ich weiß, das ist kein Landy. Aber wer Zwillingsreifen an der Hinterachse als Vierradantrieb verkauft, hat sich einen Platz in diesem Podcast redlich verdient. Zwei ehrliche Hinweise vorab. Erstens: Es war schon das eine oder andere Gläschen Wein im Spiel, und bei den Ackermanns geht es sowieso immer etwas lebhaft zu, im allerbesten Sinne. Es wird also durcheinander geredet, korrigiert, ergänzt und viel gelacht. Zweitens: An drei Stellen hört ihr für etwa zehn Sekunden ein Piepsen. Das ist kein Wecker, sondern ein LKW, der im Hinterhof rangiert. Ich wollte die Stimmung auf dem Balkon nicht jedes Mal unterbrechen. Rückblickend nicht meine klügste Idee, aber so ist das eben bei Aufnahmen mitten im echten Leben. Dranbleiben lohnt sich trotzdem. • Warum werden die beiden kurz nach der iranischen Grenze von einem fremden Auto ausgebremst, und wieso sitzen sie danach vier Tage bei einer wildfremden Familie mit am Tisch? • Ist es eine gute Idee, im Ramadan im Oman früh schlafen gehen zu wollen, wenn neben dem Bus einige platte Hüpfburgen herumliegen? • Und wie kommt ein Differenzial, das mitten in Tiflis den Geist aufgibt, ausgerechnet in Jerewan an einen Mercedes-Mann, der in Sindelfingen gelernt hat? Das werden euch die beiden gleich selbst erzählen. Mein Getränketipp für heute: ein Glas georgischer Saperavi. Die Georgier sagen schließlich, sie hätten als erste Menschen überhaupt Wein gemacht. Wer es kräftiger mag, greift zum Chacha, dem georgischen Tresterbrand. Dann heißt es heute aber nicht Cha-Cha-Cha, sondern Cheers and Rock’n’Roll. Was mir von diesem Abend am meisten hängen bleibt, ist nicht die Anzahl der Länder, sondern die Großzügigkeit, die den beiden unterwegs begegnet ist. Im Iran haben sie 500 Dollar gewechselt und sind nach vier Wochen mit mehr als der Hälfte wieder ausgereist, weil sie es schlicht nicht geschafft haben, ihr Geld auszugeben. Datteln, die nachts um elf an die Tür gebracht werden, Diesel von LKW-Fahrern, die kein Geld dafür wollen, Wasser für zwei verschwitzte Radler in Bagdad. Klaus hat es auf den Punkt gebracht: Diese Großzügigkeit möchte er mit nach Hause bringen. Ich finde, das ist ein ziemlich gutes Souvenir. Besser jedenfalls als ein Wimpel am Heck. Und die Geschichte von den gut bewachten Grenzen, an denen auf beiden Seiten vor den „Bösen“ drüben gewarnt wird. Am Ende ist das nur eine kleine gestrichelte Linie auf der Landkarte, und die höchsten Grenzen stehen meistens im Kopf. Vielleicht ist das Motto der beiden deshalb gar nicht so verkehrt: „Unsere Religion ist Rock’n’Roll, und wir sind Menschen von dieser Erde.