Folge 121 – Märchenkunde: Allen Menschen bringt er nur Böses
Märchenpott
17.05.2026 • 1 Std. 21 Min.
Es war einmal… dieses Gefühl, das oft mit diesem kurzen Stich beginnt. Dieses Zusammenziehen in der Brust oder im Bauch, anfangs oft ganz flüchtig, aber ausreichend, um seinen giftigen Stachel zu säen. Dann mischt sich Unruhe hinein. Die Gedanken beginnen zu kreisen: Warum nicht ich? Was fehlt mir? Ich will das auch! Eine Mischung aus Sehnsucht und Frust, bis eine gewisse Schärfe hinzu kommt. Missgunst, Eifersucht. Ein innerer Druck, der dir unablässig zu raunt: “Da draußen ist etwas, das du willst.” Und du willst es so sehr, dass es bald dein ganzes Denken bestimmt… Dieses Gefühl kennen viele Märchenfiguren. Es ist Neid. Die böse Stiefmutter spürt ihn, die Stiefschwester auch. Die Magd, die Hexe, Prinzessinnen, Königinnen und Nachbarn – sie alle sind neidisch. Neid funktioniert im Märchen wie ein Motor, der die Handlung auslöst und antreibt. In dieser Märchenkunde schauen wir uns dieses ebenso mächtige wie gefährliche Gefühl genauer an: Welche Figuren im Märchen sind neidisch? Ist Neid im Märchen vor allem ein weibliches Phänomen? Und, in Bezug auf das japanische Märchen unserer letzten Märchenstunde: Warum bringt Neid so viel Leid? Was sagt die Darstellung von Neid im Märchen über uns als Menschen aus? Wie passt das in unsere heutige Neidgesellschaft? Und vor allem: Ist Neid das vielleicht böseste aller Gefühle, nicht nur im Märchen?