Urlaubstagebuch Tag 7
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Mensch Mahler | Die Podcast Kolumne


Vor 3 Tagen • 2 Min.

260817PC Der globale Crash – Urlaubstagebuch Tag 7 Mensch Mahler am 17.08.2026 Ich stehe im Kieler Hafen vor der Aida. 20 Stockwerke hoch. 6.600 Passagiere passen drauf, bis zu 1.500 Besatzungsmitglieder umsorgen sie Tag und Nacht. Um mich herum wuseln Menschen mit Rollkoffern. Daneben liegt die Fähre der Stena Line nach Göteborg. Und dahinter die Colour Line nach Oslo, mit der wir am Dienstag losfahren. Mich überkommt ein beklemmendes Gefühl. Wir reisen mit Hurtigruten ans Nordkap. Es ist unsere erste Kreuzfahrt. Und eigentlich wollten wir nie so reisen. Wir haben uns damit getröstet, dass es ja ein Postschiff ist. Aber das ist es schon lange nicht mehr. Das ist ein Kreuzfahrtschiff wie jedes andere auch. Das eben die alte Postschiffroute von Bergen nach Kirkenes an der finnisch-russischen Grenze befährt. Und da war es wieder, das Scheiß-Gefühl, dass wir gerade dabei sind, unseren Globus zu zerstören. Massentourismus ist ein Faktor, dieser ganze Plastikscheiß, der in riesigen Containerschiffen von China nach Europa geschippert wird, ein anderer. Kein Mensch braucht das. Und doch werden millionenfach Spielzeuge, Nippes, Plastik-Souvenirs via Etsy in unsere Läden gebracht. Und gekauft. Verstauben in irgendeiner Ecke oder landen im Müll. Was machen wir? Wir zerstören uns selbst. Wir schaffen uns ab. Das hauptsächliche Problem ist die Überbevölkerung. Hoimar von Dittfurth benannte es in den 70iger Jahren des letzten Jahrhunderts. Er verband das starke Wachstum der Weltbevölkerung direkt mit Ressourcenknappheit, Umweltverschmutzung und der Zerstörung von Ökosystemen. Die menschliche Zivilisation treibe durch auf wirtschaftliches Wachstum ausgerichtete Systeme sehenden Auges auf eine globale Katastrophe zu. Das ist jetzt 50 Jahre her. Und wir haben die Stimmen der Warner nicht gehört. Auch nicht die „Grenzen des Wachstums“, publiziert vom Club of Rome 1972, ernst genommen. Es ist alles längst bekannt, und wir tun jetzt so, als käme etwas über uns, was niemand hätte sehen können. Warum sollten andere Zivilisationen nicht das gleiche Recht auf Kühlschränke und Autos haben als die größten Dreckschleudern der Welt, Nordamerika, China und Europa? Ich engagiere mich bei den Grünen. Aber das schale Gefühl bleibt. Der Ruck geht auch nicht nach dem Ahrtal oder der Trockenheit und den Bränden in diesen Tagen durch die Bevölkerung. Wir wählen nach wie vor die, die uns vorgaukeln, dass Wachstum und Wohlstand das Allheilmittel sei. Es tut mir leid, an diesem Urlaubstag hab ich keine schöne Botschaft von Sonne, Meer und Happyness. So gründlich lässt sich die Realität leider nicht verdrängen. Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.