Thomas Kerkhoff – Vom Bürgermeister der Stadt Bocholt zum Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Borken
Menschen aus 46DREI
21.05.2026 • 1 Std. 14 Min.
In dieser Episode ist Thomas Kerkhoff zu Gast, ehemaliger Bürgermeister der Stadt Bocholt und heute Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Borken. Jens Grotstabel spricht mit ihm über fünf intensive Jahre im Bürgermeisteramt, den schnellen Abschied aus dem Rathaus und darüber, wie herausfordernd es ist, innerhalb von nur vier Wochen loszulassen von Menschen, mit denen man über Jahre eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet hat. Thomas gibt einen offenen Einblick in den Alltag eines Bürgermeisters: über 1.000 Mitarbeitende in der Verwaltung, verteilt auf viele unterschiedliche Aufgabenbereiche und die Erkenntnis, dass Nähe und offene Kommunikation wichtig sind, man aber nicht jede einzelne Person persönlich kennen kann. Als einen seiner persönlichen Erfolge beschreibt er den strukturellen und strategischen Umbau der Verwaltung, von dem die Stadt Bocholt nachhaltig profitieren wird. Ein zentrales Thema ist die Digitalisierung der Verwaltung und der Schulen, eine große Herausforderung, die in seiner Amtszeit angestoßen und erfolgreich umgesetzt wurde. Auch die Sanierung der Schulen wurde auf den Weg gebracht und muss nun konsequent weitergeführt werden. Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob eine Umstrukturierung hin zu einem Generalunternehmer die Stadt langfristig entlasten kann. Und wenn gefühlt alles gleichzeitig dringend ist: Wie setzt man eigentlich die richtigen Prioritäten? Besonders wichtig ist Thomas die Rolle der ehrenamtlichen Lokalpolitikerinnen und Lokalpolitiker. Sie bringen Nähe, sehen die kleinen Dinge im Alltag und tragen entscheidend dazu bei, dass Kommunalpolitik funktioniert. Politik bedeutet für ihn nicht, sich über Schlagzeilen aufzuregen, sondern sich inhaltlich einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. Dazu gehört auch, im Rat allen Stadtverordneten ihr Rederecht einzuräumen, denn jede und jeder ist gewählt und hat dieses Recht. Demokratie lebt von Diskussion. Im Gespräch geht es außerdem um moderne Ratsarbeit, digitale Ratssitzungen im neuen Rathaus und die dauerhafte Aufgabe, Politik familienfreundlicher zu gestalten. Rückblickend sagt Thomas offen, dass er, wenn er heute anders entscheiden könnte, noch mehr Zeit in Kommunikation nach außen und in fraktionsübergreifende Gespräche investieren würde. Sehr persönlich wird es bei den schönsten und schwierigsten Momenten im Amt, bei der Bedeutung der Innenstadt als Ort der Gemeinschaft, etwa bei großen Veranstaltungen wie dem Bocholter Citylauf und beim Spagat zwischen Familienleben und Bürgermeisteramt. Dieses Amt, so sagt er, lässt sich nicht mit einer klassischen 40-Stunden-Woche vergleichen: Viele Abend- und Wochenendtermine gehören dazu. Umso wertvoller ist die Zeit, die jetzt wieder für die Familie da ist. Ganz besondere Momente waren für ihn die Ehrungen von Menschen für ihr Engagement. Augenblicke, die zeigen, was eine Stadt im Innersten zusammenhält. Ein Satz von Dieter Hübers ist ihm dabei besonders im Gedächtnis geblieben: „Passen Sie auf unser Bocholt auf.“ Diese Worte möchte er auch an den neuen Bürgermeister Christian Mangen weitergeben. Zum Abschluss richtet sich der Blick nach vorn, auf seine neue Aufgabe als Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Borken. Über 5.000 Handwerksbetriebe im Kreis Borken sind ein enormer Wirtschaftsfaktor für die Region. Themen wie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz stellen viele Betriebe vor große Herausforderungen und genau hier unterstützt die Kreishandwerkerschaft mit rund 100 Mitarbeitenden, Beratung, Netzwerken bis in die Bundespolitik und konkreter Hilfe im unternehmerischen Alltag. Künstliche Intelligenz kann das Handwerk unterstützen, wird handwerkliche Leistung aber nicht ersetzen. Entscheidend bleibt die Kompetenz, Ergebnisse zu prüfen und Verantwortung zu übernehmen. Eine Folge über Abschied und Neubeginn, über Verantwortung in Politik und Wirtschaft für ein starkes Handwerk mit Zukunft im Kreis Borken.