Mindmaps: der Philosophiepodcast (RefLab)
Mindmaps: der Philosophiepodcast (RefLab)

Mindmaps: der Philosophiepodcast (RefLab)

Manuel Schmid & Heinzpeter Hempelmann


Podcast

Was wir über Gott und die Welt denken, hat nicht bei uns angefangen. Unsere weltanschaulichen und ethischen Überzeugungen stehen auf den Schultern großer Vordenker vergangener Jahrhunderte. Wir verdanken ihnen viel, dürfen ihre Vorgaben aber auch kritisch hinterfragen. In diesem Podcast nehmen Manuel Schmid und Heinzpeter Hempelmann ihre Hörer:innen mit auf eine faszinierende Zeitreise zu den Wurzeln unseres Denkens. Immer wieder werfen sie auch einen spezifisch theologischen Blick auf einflussreiche philosophische Entwürfe. Dabei wird deutlich, wie präsent die Philosophiegeschichte auch im 21. Jahrhundert ist, und wie sehr sie heutige Diskussionen in Politik, Gesellschaft und Religion mitbestimmt. «mindmaps» fordert dich heraus, mitzudenken, zu widersprechen und den eigenen Horizont zu erweitern!

Alle Folgen

  • Michel Hampe: «Krise der Aufklärung» – Fortschritt unter Verdacht

    Vor 3 Tagen1:07:36

    Kann die Aufklärung ihre eigenen Versprechen noch einlösen – oder muss sie zuerst über sich selbst aufgeklärt werden? Manuel und Peter diskutieren Michael Hampes Buch «Die Krise der Aufklärung» und fragen, was von Fortschritt, Wahrheit und Vernunft bleibt, wenn die grossen Gewissheiten ins Wanken geraten. Die Aufklärung steht für Vernunft, Freiheit, Selbstbestimmung und wissenschaftlichen Fortschritt. Doch gerade diese Erfolgsgeschichte hat ihre Schattenseiten: Kolonialismus, ein übersteigerter Fortschrittsglaube und die Vorstellung, mit Vernunft und Wissenschaft die Wirklichkeit vollständig erfassen und beherrschen zu können. In seinem Buch «Die Krise der Aufklärung» setzt der Philosoph Michael Hampe deshalb bei einer unbequemen Frage an: Muss die Aufklärung ihre eigenen Voraussetzungen noch einmal kritisch prüfen? Manuel und Peter zeichnen Hampes philosophischen Ansatz nach. Eine zentrale Rolle spielt dabei sein Fallibilismus: Menschliche Erkenntnis bleibt fehlbar, vorläufig und korrigierbar. Hampe wendet sich deshalb gegen grosse Systeme und abstrakte Begriffe, die einzelne Erfahrungen vorschnell einer allgemeinen Ordnung unterwerfen. Stattdessen rückt er das Besondere, Widerständige und Individuelle in den Vordergrund. Daraus entwickelt Hampe die Idee einer «skeptischen Aufklärung». Sie soll auf Selbstgewissheit, Fanatismus und autoritäre Wahrheitsansprüche verzichten und sich mit einem bescheideneren Ziel begnügen: Illusionen abbauen, Grausamkeit und Ungerechtigkeit vermindern und die eigenen Überzeugungen immer wieder der Kritik aussetzen. Doch trägt dieser Minimalkonsens? Manuel und Peter fragen, wer eigentlich bestimmt, was als Wissen, Gerechtigkeit oder Grausamkeit gilt – und ob nicht genau dort erneut jene Deutungshoheit entsteht, die Hampe überwinden möchte. Besonders scharf wird das Problem, wenn Gewalt im Namen einer vermeintlich höheren Ordnung gerechtfertigt werden kann. Zum Schluss öffnet sich die Diskussion auf eine theologische Perspektive. Im Gespräch mit Nietzsche, Foucault und der biblischen Überlieferung fragen Manuel und Peter, ob das christliche Motiv von Selbsthingabe und Machtverzicht eine Alternative zum menschlichen Willen zur Durchsetzung eröffnet. So wird aus der Besprechung von Hampes Buch eine grundsätzliche Debatte darüber, wie Wahrheit vertreten werden kann, ohne den anderen zu überwältigen – und welche Form von Aufklärung heute noch tragfähig sein könnte.

  • Martin Heidegger (Teil 1): Philosophie der Krise

    06.09.202650:01

    Eine Philosophie nach dem Zusammenbruch grosser Gewissheiten: Diese Folge führt in Martin Heideggers Denken ein und zeigt, warum seine Begriffe von Angst, Sorge und Sein zum Tode bis heute nachwirken. Es geht um die Wucht von Sein und Zeit, um seine eigentümliche Sprache und um die politischen Abgründe, die in dieser Einführung bereits sichtbar werden. An ihm kommt bis heute kaum jemand vorbei, der oder die sich für Philosophie interessiert: Martin Heidegger. Manuel und Peter zeigen, weshalb es sich lohnt, zuerst Husserl im Blick zu behalten und dann die Verschiebung zu verstehen, die Heidegger vornimmt: weg von einer reinen Erkenntnistheorie, hin zu einer Analyse des Daseins. Im Zentrum stehen Begriffe wie Angst, Sorge, Geworfenheit und Sein zum Tode. Die Folge führt durch Heideggers biografische Stationen, von der katholischen Herkunft in Messkirch über das Theologie- und Philosophiestudium bis zu den prägenden Jahren bei Husserl, nach Marburg und schliesslich nach Freiburg. Dabei geht es auch um die enge und später tragisch beschädigte Beziehung zwischen Lehrer und Schüler. Schon hier zeigt sich, dass Werk und Biografie bei Heidegger nicht sauber voneinander zu trennen sind. Ausführlich besprechen Manuel und Peter, warum Sein und Zeit in einer erschütterten Epoche auf so grosses Echo stiess. Nach dem Ersten Weltkrieg zerbrachen Fortschrittsglaube, Vernunftoptimismus und das Vertrauen in eine geradlinige Universalgeschichte. Heidegger gab darauf keine tröstenden Antworten. Er beschrieb die Krise als Grundzug menschlicher Existenz und traf damit ein Lebensgefühl, das viele wiedererkannten. Zur Sprache kommt auch die berühmte «Kehre» in Heideggers Denken. Aus der Daseinsanalyse wird zunehmend die Frage nach dem Sein selbst. Dabei misstraut Heidegger der überlieferten metaphysischen Sprache und sucht andere Ausdrucksformen, auch im Rückgriff auf Dichtung und auf Autoren wie Hölderlin. Das macht seine Texte produktiv, sperrig und bis heute umstritten. Zum Schluss markieren Manuel und Peter bereits die Bruchstellen, an denen die nächste Diskussion ansetzt: Heideggers Religionsphilosophie, seine Wirkung auf die Theologie und die verhängnisvolle Nähe zum Nationalsozialismus. Eine Folge, die Orientierung gibt, ohne die offenen Fragen zu glätten.

  • Matthias Jung: «Sinn und Organismus» – Ohne Körper kein Sinn?

    23.08.20261:13:08

    Ist unsere Verletzlichkeit ein Mangel, den wir überwinden sollten – oder eine Voraussetzung dafür, dass unser Leben überhaupt Bedeutung gewinnt? Manuel und Peter diskutieren Matthias Jungs Buch «Sinn und Organismus» und fragen, was seine Philosophie für unser Menschenbild im Zeitalter von KI und Transhumanismus bedeutet. Wir denken, fühlen und entscheiden nicht losgelöst von unserem Körper. Für Matthias Jung ist diese Einsicht der Ausgangspunkt einer Anthropologie, die den Menschen als verkörpertes, verletzliches und endliches Lebewesen versteht. In seinem Buch «Sinn und Organismus. Wie Verkörperung Menschsein ermöglicht» verbindet er Phänomenologie und Pragmatismus mit Erkenntnissen der Kognitionswissenschaften und dem gegenwärtigen Embodiment-Diskurs. Manuel und Peter gehen Jungs Versuch nach, klassische Gegensätze zu überwinden: Geist und Körper, biologische Existenz und kulturelle Sinnbildung, Mensch und Tier. Welche Rolle spielt unsere Leiblichkeit dafür, dass uns überhaupt etwas bedeutsam wird? Was unterscheidet menschliche Sinnbildung von der Wahrnehmung anderer Lebewesen? Und entsteht Sinn allein aus unserer Auseinandersetzung mit der Welt – oder kann uns Sinn auch als etwas begegnen, das wir nicht selbst erzeugen? Besonders aktuell wird Jungs Ansatz dort, wo er sich gegen transhumanistische Visionen richtet. Wenn Menschen ihre biologischen Grenzen technisch überwinden, Leiden reduzieren oder Körperteile durch leistungsfähige Prothesen ersetzen könnten: Ginge dabei tatsächlich etwas Wesentliches am Menschsein verloren? Peter bezweifelt, dass Jungs Kritik an diesem Punkt weit genug trägt. Auch vermeintlich unmittelbare körperliche Erfahrungen sind neurologisch vermittelt – und technische Erweiterungen des Körpers müssen deshalb nicht zwangsläufig zu einem Verlust authentischer Erfahrung führen. Das Gespräch führt damit mitten in eine theologische Frage: Gehören Verletzlichkeit, Endlichkeit und Leidensfähigkeit zum Menschsein selbst? Manuel und Peter diskutieren, wo eine Würdigung menschlicher Verletzlichkeit in deren Verklärung umzuschlagen droht – und was die biblische Vorstellung eines leiblichen, geschöpflichen Lebens dazu beitragen kann. Dabei reicht der Bogen von der alttestamentlichen Anthropologie über Auferstehung und ewiges Leben bis zur Frage, wie viel Transhumanismus-Kritik philosophisch tatsächlich begründet werden kann. Eine Folge über verkörperten Geist, die Grenzen des Menschen und eine ebenso einfache wie schwierige Frage: Würde ein Leben ohne Verletzlichkeit noch dasselbe bedeuten?

  • Edmund Husserl: Zurück zu den Sachen selbst?

    09.08.202659:05

    Kann Edmund Husserl zeigen, dass wir der Wirklichkeit wirklich begegnen und nicht nur unseren eigenen Wahrnehmungen? Seine Phänomenologie setzt genau dort an: bei der Lebenswelt, bei der Erfahrung und bei der Hoffnung, zu den Sachen selbst vorzudringen. Mindmaps kehrt in der philosophiegeschichtlichen Reihe zu einem Denker zurück, ohne den sich das Denken des 20. Jahrhunderts kaum verstehen lässt: Edmund Husserl. Manuel und Peter zeichnen nach, warum Husserl einerseits erstaunlich unbekannt geblieben ist und andererseits Spuren hinterlassen hat, die von Heidegger über Levinas bis zu Sprachtheorie, Soziologie und Habermas reichen. Im Zentrum steht Husserls phänomenologische Methode. Was meint der berühmte Ruf «zu den Sachen selbst»? Das Gespräch zeigt, weshalb Husserl dem Neukantianismus, dem naturwissenschaftlichen Erkenntnisideal und der klassischen Subjekt-Objekt-Spaltung misstraut. Erkenntnis, so seine Einsicht, entsteht nicht aus reiner Distanz. Wer die Welt erkennen will, ist immer schon in sie verwickelt. Manuel und Peter arbeiten heraus, warum Husserl das Bewusstsein nicht als blossen Spiegel versteht, sondern als intentional auf Welt bezogen. Sie sprechen über das «Abschichten» von Vorannahmen, über die Hoffnung auf eine wirkliche Begegnung mit der Sache selbst und über die Überzeugung, dass sich Wirklichkeit nicht in Messdaten, Konstruktionen oder Perspektiven erschöpft. Gerade an Beispielen wie Kunst, Naturerfahrung und zwischenmenschlicher Begegnung wird deutlich, was Husserl gegen einen verengten Wissenschaftsbegriff stark machen will. Zugleich bleibt die Folge nicht bei Sympathie stehen. Peter benennt präzise, wo Husserls Ansatz überzieht: Der Anspruch, am Ende zu einer sicheren «Wesenschau» der Dinge zu gelangen, trägt nicht. Phänomenologie öffnet wichtige Räume, sobald sie aber absolute Erkenntnissicherheit beansprucht, droht sie in einen irrationalen Offenbarungsanspruch zu kippen. Genau an dieser Spannung wird sichtbar, warum Husserl bis heute so anregend und so umstritten ist. Eine Folge über Erkenntnis, Begegnung und die Frage, ob die Welt mehr ist als das, was wir über sie verfügen können. Und zugleich die ideale Vorbereitung auf den nächsten grossen Namen dieser Reihe: Martin Heidegger.

  • Kierkegaard (Teil 2): Gegen das bequeme Denken

    26.07.202659:49

    Wahrheit ist für Kierkegaard kein Gedanke, den man abhakt, sondern etwas, das ins Leben einschneidet. Diese Folge fragt, warum sein Denken bis heute nachwirkt – und weshalb es zugleich provoziert, tröstet und widerspricht. Im zweiten Teil zu Søren Kierkegaard geht es um die Wirkungsgeschichte seines Denkens und um die Frage, was Wahrheit für ihn überhaupt bedeutet. Kierkegaard interessiert sich nicht für Sätze, die richtig klingen, aber am Leben vorbeigehen. Wahrheit muss den Menschen treffen, sein Leben fordern und sich in der Existenz bewähren. Darin liegt auch seine Kritik an abstrakten Systemen, wie er sie bei Hegel und im deutschen Idealismus sieht. Gleichzeitig wendet er sich gegen ein Verständnis von Subjektivität, das Wahrheit im bloss individuellen Empfinden auflöst. Wahrheit geht durch das Subjekt hindurch, aber sie entspringt nicht einfach ihm selbst. Manuel und Peter zeichnen nach, wie stark Kierkegaard damit die Moderne geprägt hat. Sie sprechen über seine indirekte Kommunikation und die Pseudonyme, über seinen Einfluss auf Literaturtheorie und Lebensweltphilosophie, auf Heidegger, Sartre und Camus, aber auch auf die protestantische Theologie bei Karl Barth und Rudolf Bultmann. Im Zentrum steht ausserdem Kierkegaards Analyse menschlicher Existenz: das ästhetische, das ethische und das religiöse Leben – und die Frage, warum sein Denken schliesslich auf eine christliche Perspektive zuläuft. Gerade hier zeigt sich, dass man Kierkegaard nur verkürzt versteht, wenn man seine Glaubensüberzeugung ausblendet. So entsteht das Bild eines Denkers, der den Menschen in seiner Freiheit ernst nimmt, ihn aber nicht sich selbst überlässt. Eine Folge über Entscheidung, Schuld, Gnade und die Zumutung, Wahrheit nicht nur zu denken, sondern zu leben.

  • Markus Gabriel: «Ethische Intelligenz» (Teil 2) – Kritik & Tiefenbohrung

    12.07.202652:01

    Markus Gabriels Buch «Ethische Intelligenz» entfaltet grosse Hoffnungen auf die moralische Rolle der KI. Im zweiten Teil der Diskussion gehen Manuel und Peter in die Tiefe und prüfen kritisch, wie tragfähig seine Thesen über Bewusstsein, Freiheit, moralische Tatsachen und das Menschsein im Gegenüber zur Maschine wirklich sind. In dieser Folge von «mindmaps» setzen Manuel und Peter ihr Gespräch über Markus Gabriels Buch «Ethische Intelligenz» fort. Weil die Diskussion so dicht und materialreich geworden ist, erscheint sie in zwei Teilen. Hier rückt nun die kritische Analyse ins Zentrum. Es geht um die Frage, ob aus wachsender Rechenleistung tatsächlich eine neue Qualität von Intelligenz entsteht oder ob technische Komplexität dabei vorschnell in Personalität, Bewusstsein und Tiefe umgedeutet wird. Manuel und Peter diskutieren, ob KI den Menschen wirklich besser verstehen kann, als er sich selbst versteht, und was von menschlicher Freiheit übrig bleibt, wenn Maschinen unser Verhalten immer präziser beschreiben und vorhersagen. Dabei gerät auch Gabriels Rede von «moralischen Tatsachen» in den Blick. Kann KI tatsächlich helfen, normative ethische Grundsätze freizulegen? Oder steckt in diesem Denken eine problematische Verkürzung, die den Menschen auf auswertbare Muster reduziert? Das Gespräch führt mitten hinein in philosophische und theologische Grundfragen: Was ist Bewusstsein? Was ist Personalität? Und worin liegt eine Humanität, die sich nicht auf Berechenbarkeit und Leistung zurückführen lässt? So wird der zweite Teil nicht nur zur Kritik an einem viel diskutierten Buch, sondern zu einer grundsätzlichen Debatte über das Menschenbild im Zeitalter der KI. Anmerkung: In der neuen Reihe von «mindmaps» werden aktuelle Sachbücher kontrovers und mit philosophisch-theologischem Tiefenblick besprochen. Die Reihe erscheint in Kooperation mit der EKS (Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz) – momentan im Wechsel mit Folgen in der «alten», philosophiegeschichtlichen Reihe. Bei unserem Zweiwochen-Rhythmus dürft ihr euch also auf etwa eine Buchbesprechungs-Folge und eine Philosophiegeschichts-Folge pro Monat freuen...