Michel Hampe: «Krise der Aufklärung» – Fortschritt unter Verdacht
Vor 3 Tagen•1:07:36
Kann die Aufklärung ihre eigenen Versprechen noch einlösen – oder muss sie zuerst über sich selbst aufgeklärt werden? Manuel und Peter diskutieren Michael Hampes Buch «Die Krise der Aufklärung» und fragen, was von Fortschritt, Wahrheit und Vernunft bleibt, wenn die grossen Gewissheiten ins Wanken geraten. Die Aufklärung steht für Vernunft, Freiheit, Selbstbestimmung und wissenschaftlichen Fortschritt. Doch gerade diese Erfolgsgeschichte hat ihre Schattenseiten: Kolonialismus, ein übersteigerter Fortschrittsglaube und die Vorstellung, mit Vernunft und Wissenschaft die Wirklichkeit vollständig erfassen und beherrschen zu können. In seinem Buch «Die Krise der Aufklärung» setzt der Philosoph Michael Hampe deshalb bei einer unbequemen Frage an: Muss die Aufklärung ihre eigenen Voraussetzungen noch einmal kritisch prüfen? Manuel und Peter zeichnen Hampes philosophischen Ansatz nach. Eine zentrale Rolle spielt dabei sein Fallibilismus: Menschliche Erkenntnis bleibt fehlbar, vorläufig und korrigierbar. Hampe wendet sich deshalb gegen grosse Systeme und abstrakte Begriffe, die einzelne Erfahrungen vorschnell einer allgemeinen Ordnung unterwerfen. Stattdessen rückt er das Besondere, Widerständige und Individuelle in den Vordergrund. Daraus entwickelt Hampe die Idee einer «skeptischen Aufklärung». Sie soll auf Selbstgewissheit, Fanatismus und autoritäre Wahrheitsansprüche verzichten und sich mit einem bescheideneren Ziel begnügen: Illusionen abbauen, Grausamkeit und Ungerechtigkeit vermindern und die eigenen Überzeugungen immer wieder der Kritik aussetzen. Doch trägt dieser Minimalkonsens? Manuel und Peter fragen, wer eigentlich bestimmt, was als Wissen, Gerechtigkeit oder Grausamkeit gilt – und ob nicht genau dort erneut jene Deutungshoheit entsteht, die Hampe überwinden möchte. Besonders scharf wird das Problem, wenn Gewalt im Namen einer vermeintlich höheren Ordnung gerechtfertigt werden kann. Zum Schluss öffnet sich die Diskussion auf eine theologische Perspektive. Im Gespräch mit Nietzsche, Foucault und der biblischen Überlieferung fragen Manuel und Peter, ob das christliche Motiv von Selbsthingabe und Machtverzicht eine Alternative zum menschlichen Willen zur Durchsetzung eröffnet. So wird aus der Besprechung von Hampes Buch eine grundsätzliche Debatte darüber, wie Wahrheit vertreten werden kann, ohne den anderen zu überwältigen – und welche Form von Aufklärung heute noch tragfähig sein könnte.