Gott ist keine Sehenswürdigkeit
Morgenimpuls
Vor 2 Tagen • 3 Min.
Wenn man so vor einer Sehenswürdigkeit steht, dann lohnt es sich auch mal, die anderen Menschen ein bisschen zu beobachten. Denn da sind Menschen, die die richtige Pose suchen. Den richtigen Winkel. Noch ein Bild. Und noch eins. Wie viele dieser Bilder werden wohl auch direkt wieder gelöscht? Und dann frage ich mich manchmal schon: Geht es da jetzt eigentlich noch um die Sehenswürdigkeit? Oder darum, dass man da war? Oder vielleicht sogar darum, dass man sich selbst möglichst gut an einem Ort darstellt, an dem alle anderen auch schon waren? Aber am Ende ist es eben immer nur ein Schnappschuss. Ein Bild. Und die richtig krassen Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel den Kölner Dom, die kann man sowieso fast gar nicht fotografieren. Zu groß, zu erhaben und vielleicht auch einfach zu prächtig. Irgendwie passt der nie so richtig aufs Bild. Ist das mit Gott nicht auch so? Dorothee Sölle stellte einmal die These auf, dass das Bilderverbot der Bibel gar nicht bedeutet, dass wir uns Gott nicht vorstellen dürfen. Das fände ich auch ziemlich schwierig. Gerade wenn ich gleichzeitig daran glaube, dass Gott einer ist, mit dem wir in Beziehung treten dürfen. Mehr noch: mit dem wir immer schon in Beziehung sind. Sölle versteht das Bilderverbot anders: Ein Bild wird dem, was es abbildet, niemals ganz gerecht. Es zeigt etwas. Aber eben nie alles. Und deshalb kann auch kein Bild Gott festhalten. Vielleicht gilt das genauso für unsere Worte. Für alles, was wir über Gott sagen. Es kann auf ihn verweisen. Es kann etwas von ihm zeigen. Vielleicht sogar etwas ziemlich Wichtiges. Aber es ist niemals Gott ganz. Als Theologin verstehe ich das. Als Mensch möchte ich trotzdem einfach von meinem Gottesbild erzählen. Von dem, was mich in meinem Alltag auf Gott hinweist. Von den Momenten, in denen ich glaube, etwas von ihm zu erkennen. Von den Schnappschüssen von dem Gott, an den ich glaube. Und vielleicht reicht das ja auch. Denn ein Schnappschuss zeigt nie alles. Aber manchmal zeigt er genug, um sich zu erinnern, was man gesehen hat.