Angeklagt (4/5)
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Pearl Harburg - Deutschland nach 9/11


10.09.2026 • 39 Min.

In dieser Folge geht es um die junge Hamburger Anwältin Gül Pinar, die nach 9/11 einen Riesenfall bekommt: Gemeinsam mit einem Kollegen verteidigt sie den Terrorverdächtigen Abdelghani Mzoudi. Er soll die sogenannte Hamburger Zelle rund um Mohammed Atta unterstützt, Studiengebühren und andere Rechnungen übernommen und damit Lebensverhältnisse verschleiert haben, so die Bundesanwaltschaft. Die Anklage: Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zum Mord in mehr als 3000 Fällen.Gül Pinar erinnert sich, wie sie ihren Mandanten im Gefängnis in Celle besucht, bei höchster Sicherheitsstufe, „mit so einer Trennscheibe, was ja für terroristische Verfahren üblich ist“. Mit ihrem Kollegen arbeitet sie sich durch mehr als 100 Akten, die drei Regale füllen. Mangelnde Kooperation der US-Justiz erschwert ihr die Arbeit. Der Verfahrensausgang ist überraschend, gerade weil das Urteil so anders ausfällt als im ersten Hamburger 9/11-Prozess. Dort hatten die Richter gegen den Terrorverdächtigen Mounir Al Motassadeq die Höchststrafe verhängt. Das Verfahren gegen Gül Pinars Mandanten Mzoudi fällt in eine Zeit, als der „War on Terror“ in Deutschland kritisch beäugt und der Militäreinsatz im Irak durch den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder abgelehnt wird. Vom weltweit ersten 9/11-Prozess im Gerichtssaal 237 in Hamburg gegen Motassadeq erzählt Gerichtsreporterin Elke Spanner – und von der großen internationalen Aufmerksamkeit dafür: „Man wollte natürlich, dass Hamburg die Attentäter, die in der Vorbereitung eingebunden waren, natürlich dann auch hart aburteilt dafür. Entweder klären wir hier gerade ein Weltereignis auf und verurteilen jemanden, der für dieses Weltereignis verantwortlich ist. Oder hier passiert gerade ein großes Unrecht, weil der wirklich nur eine Banküberweisung getätigt hat.“ Sie erinnert sich an Besonderheiten im Prozess: Als Nebenkläger sagen Angehörige von 9/11-Opfern aus. „Normalerweise versucht man, die Prozesse eher nicht so emotional werden zu lassen“, sagt Elke Spanner – um die Stimmung vor dem Urteil nicht zu stark gegen die Angeklagten kippen zu lassen.Die Folge zeigt, wie groß der politische Druck nach den Anschlägen war – und warum Gerichte trotzdem unabhängig entscheiden müssen. Es geht um die Frage, wann aus einem Freundschaftsdienst eine strafbare Unterstützung wird, was Mzoudi über die Pläne der Attentäter wusste – und wie die Anwältin sich auch noch Jahre später rechtfertigen muss: Dafür, dass sie jemanden wie Mzoudi verteidigt hat.NDR Doku: „Das Erbe von 9/11 – Deutschland nach den Anschlägen“https://1.ard.de/9_11_Erbe?cp=phPodcast-Empfehlungen:„ARD Crime Time – Der True Crime Podcast“https://1.ard.de/Crimetime-Sudo„Gerichtssaal 237. True Crime aus dem Strafgericht“https://1.ard.de/237?cp=911