Zwischen Spitzensport und Studioalltag: Von der Hörakustik ins Nationaltrikot der Gehörlosen Handball-Nationalmannschaft

Sönke Petersen ist Hörakustikmeister und leitet in Kiel eine der größten Fielmann Hörakustik-Studios. Außerdem ist er ehemaliger Nationalspieler der deutschen Gehörlosen-Handballnationalmannschaft. In dieser Folge erzählt er von seinem Weg zwischen Studioalltag und Spitzensport, von internationalem Wettkampf, stiller Kommunikation auf dem Spielfeld und der besonderen Rolle von Fairness und Gemeinschaft im Gehörlosen-Sport. Es geht um Hörverlust, um Teamgeist und um die Frage, warum Erfolg oft weniger mit Medaillen zu tun hat als mit Erfahrungen, Zusammenhalt und Vertrauen. In dieser Folge von Hearing Connects ist Sönke Petersen zu Gast, Hörakustikmeister und Leiter einer der größten Hörakustikabteilungen bei Fielmann in Kiel[SA2.1]. Seine Geschichte verbindet zwei Welten, die auf den ersten Blick kaum zusammengehören und sich im Gespräch doch als erstaunlich nah erweisen. Über elf Jahre spielte er in der Deutschen Gehörlosen‑Handball‑Nationalmannschaft, nahm an Europa- und Weltmeisterschaften sowie an den Deaflympics teil und gewann mehrfach Silber, zuletzt bei den Deaflympics 2025 in Tokio. Sönke erzählt offen von seinem Hörverlust, der ihn seit Geburt begleitet, und davon, wie selbstverständlich Hörsysteme für ihn zum Leben dazugehören. Die Technik hat ihm ermöglicht, eine Regelschule zu besuchen, Sport zu treiben und seinen beruflichen Weg zu gehen. Gleichzeitig wird deutlich, wie sehr er gelernt hat zu kompensieren, durch Blickkontakt, durch Beobachtung und durch Aufmerksamkeit für visuelle Signale. Diese Fähigkeiten prägen nicht nur seinen Alltag, sondern auch seine Art zu kommunizieren – auf dem Spielfeld ebenso wie im Beruf. Das Gespräch gibt einen sehr konkreten Einblick in den Gehörlosen-Handball. Die Regeln auf dem Feld sind identisch, doch die Kommunikation unterscheidet sich grundlegend. Hörsysteme dürfen während des Spiels nicht getragen werden, Absprachen erfolgen über Gebärden, Handzeichen und zuvor klar definierte Abläufe. Schiedsrichter pfeifen das Spiel[TL3.1], doch nicht jeder Pfiff wird gehört, und genau hier zeigt sich ein zentraler Wert dieses Sports: Fairness. Wenn ein Signal überhört wird und jemand weiterspielt, greifen Mitspielende und Gegner ein und machen per Handzeichen auf den Pfiff aufmerksam. Respekt und Gemeinschaft sind keine Schlagworte, sondern gelebte Praxis. Sönke beschreibt auch die besondere Atmosphäre bei internationalen Turnieren, den stillen Applaus mit erhobenen, winkenden Händen, die emotionale Wirkung voller Hallen und die intensive Gemeinschaft unter den Athletinnen und Athleten. Erfolg definiert er dabei nicht allein über Platzierungen. Medaillen bleiben wichtig, doch entscheidender sind für ihn die Erfahrungen, die Freundschaften, die Reisen und die Momente, die über Jahre verbinden. Gerade diese Perspektive prägt auch seinen Blick auf Leistung und Entwicklung im Alltag. Der Transfer in den Beruf zieht sich wie ein roter Faden durch das Gespräch. Sönke berichtet, wie ihn der Teamsport auf seine heutige Führungsrolle vorbereitet hat, wie Vertrauen im Team entsteht, wie Verantwortung geteilt wird und warum niemand alles allein tragen muss. Fehler gehören dazu, im Sport wie im Studio, und entscheidend ist, dass man sich aufeinander verlassen kann. Sein eigener Weg bei Fielmann führte ihn von der Ausbildung über den Meisterabschluss bis in die Leitung einer großen Hörakustikabteilung mit einem Team von mehreren Mitarbeitenden.