Pulsschlag Politik: Hausarztmangel-Prognose, Kliniksterben vor der Reform, GKV-System unter Druck, Beratungen zum IGV
Pulsschlag Politik: Hausarztmangel-Prognose, Kliniksterben vor der Reform, GKV-System unter Druck, Beratungen zum IGV

Pulsschlag Politik: Hausarztmangel-Prognose, Kliniksterben vor der Reform, GKV-System unter Druck, Beratungen zum IGV

Pulsschlag Politik


07.10.2025 • 26 Min.

Pulsschlag Politik ist der Podcast, der aktuelle gesundheitspolitische Themen in den Sitzungswochen des Deutschen Bundestages beleuchtet. Udo Sonnenberg, Politikberater in Berlin und Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Versandapotheken (BVDVA), und Christoph Nitz, Journalist und Leiter des mecofactory-Redaktionsbüros, diskutieren dienstags in den Sitzungswochen über die wichtigsten Entwicklungen und Debatten rund um die Gesundheitspolitik. In dieser Folge: Inhalte: • Hausarztmangel bundesweit bis 2040: Eine neue Studie von Bertelsmann Stiftung und Barmer zeigt: Der Mangel an Hausärzt:innen wird sich deutschlandweit angleichen – allerdings auf schlechterem Niveau. Besonders betroffen: ländliche Regionen. Ursache ist weniger der Nachwuchs, sondern die sinkende Arbeitszeit. Schon gezielte Maßnahmen könnten den drohenden Versorgungsengpass abfedern. • Apothekenreform mit Zündstoff: Gesundheitsministerin Nina Warken will Apotheken neue Aufgaben übertragen – etwa rezeptfreie Abgaben für Chroniker, mehr Impfangebote und Vorsorge-Screenings. Ärzteverbände kritisieren das als Tabubruch. Warken kontert mit dem Fachkräftemangel und verweist auf internationale Vorbilder. Kritik gibt es auch an der Aussage, Apotheken seien keine Kaufleute – wirtschaftlich schwer haltbar. • Anerkennung ausländischer Abschlüsse wird reformiert: Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, soll die Anerkennung medizinischer Berufe aus dem Ausland vereinfacht, digitalisiert und beschleunigt werden. Profitieren sollen Ärzt:innen, Zahnärzt:innen, Apotheker:innen und Hebammen. Patientenschützer fordern zusätzlich verbindliche Sprachtests – denn Sprachbarrieren gefährden die Versorgungssicherheit. • Krankenhausreform unter Druck: Kleine Kliniken und Stationen schließen bereits vor dem Gesetzesbeschluss. Die KHAG-Verhandlungen sind von Konflikten geprägt – zwischen Länderinteressen, Unikliniken und Finanzierungsfragen. Besonders umstritten: Leistungsgruppen, Transformationsfonds und der Umgang mit Qualitätskriterien. Die Zeit drängt: Schon jetzt schreiben drei Viertel der Kliniken rote Zahlen. • GKV-Finanzen in der Krise: Der GKV-Spitzenverband warnt vor steigenden Beiträgen und fordert einen Kurswechsel: Ausgaben sollen an Einnahmen gekoppelt werden. Prävention soll durch Tabak- und Alkoholsteuern mitfinanziert werden, der Bund soll endlich die Beiträge für Bürgergeld-Empfänger komplett übernehmen – rund zehn Milliarden Euro. Ohne Reform des Morbi-RSA droht eine Spaltung der Kassenlandschaft. • Elektronische Patientenakte (ePA) wird Pflicht – mit Problemen: Seit dem 1. Oktober müssen Praxen und Kliniken Daten verpflichtend in die ePA eintragen. Technisch ist der Großteil startklar, doch es mangelt an Benutzerfreundlichkeit und Datenschutz. Sensible Diagnosen könnten zu leicht einsehbar sein, warnen Verbände. Die Akzeptanz in der Praxis bleibt bisher ausbaufähig. • Internationale Gesundheitsvorschriften (IGV) im Bundestag: Der Gesundheitsausschuss berät über die Umsetzung der überarbeiteten WHO-Regeln zur Pandemievorsorge. Neu ist unter anderem die Definition der „pandemischen Notlage“, eine Meldepflicht für ungewöhnliche Krankheitsausbrüche und die internationale Zusammenarbeit bei Impfstoffen. Deutschland soll den Regeln bis September 2025 zustimmen.