Hat die Moral einen schlechten Ruf, Anne Rabe?
re:publicast
Vor 5 Tagen • 57 Min.
Haben wir aufgehört, das Wort „moralisch" als etwas Gutes zu verstehen? In dieser Folge des re:publicast spricht Host Jonas Ross mit der Schriftstellerin Anne Raabe darüber, warum sie denkt, dass sich Politiker*innen heute kaum noch trauen, sich offen auf Moral zu berufen und was das über den Zustand unserer Demokratie verrät. Anne Raabe ist Autorin preisgekrönter Theaterstücke, Drehbücher und Essays. Ihr Roman „Die Möglichkeit von Glück" über die Lebenswelt der Kinder der Wende wurde zum Bestseller. 2025 erschien ihr Essay „Das M-Wort – Gegen die Verachtung der Moral", in dem sie der Frage nachgeht, was in den letzten zehn Jahren mit dem gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland passiert ist. Auf der re:publica 2026 diskutierte sie gemeinsam mit Yasmin M'Barek über ihre zentrale Beobachtung: In politischen Debatten gilt es zunehmend als Schwäche, moralisch zu argumentieren. Gleichzeitig erstarken rechte Kräfte und der die AfD erlebt einen Aufstieg, was für Rabe bedeutet, dass gesellschaftlich der Gleichheitsgrundsatz aller Menschen immer offener infrage gestellt wird. Im Gespräch erklärt Raabe, warum sie den Gedanken der Gleichwertigkeit aller Menschen an Wert und Würde als Fundament der westlichen Wertegemeinschaft begreift und warum dessen zunehmende Erosion sie beunruhigt. Es geht um Doppelmoral, die Rolle von Kirchen, und darum, warum ausgerechnet junge Erstwähler*innen unterdurchschnittlich oft rechtsextrem wählen. Und mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und in Sachsen-Anhalt ordnet sie ein, welche Rolle Moral im aktuellen Wahlkampf tatsächlich spielt. Und Jonas stellt ihr die Frage, ob man sich Moral eigentlich leisten können muss. Den Live-Talk auf der re:publica 2026 mit Yasmin M'Barek findet ihr auf Youtube.