Tech-News #164: ChatGPT wird zur Super-App, IPOs von OpenAI & Anthropic, Überwachung durch Meta, Apples WWDC 2026 und KI, die sich selbst verbessert
Schlaflos dank Seattle - Der Liquam Podcast
11.06.2026 • 39 Min.
In Folge 164 von Schlaflos dank Seattle sprechen wir über OpenAIs geplanten Umbau von ChatGPT zur Super-App. Aus dem reinen Chatbot soll eine Plattform werden, die Aufgaben selbstständig erkennt, passende Werkzeuge auswählt und Agenten, Codex, Partnerdienste und Automatisierung miteinander verbindet. Der vielzitierte Satz „Chat is dead“ passt dabei gut zu unserer These: Das Chatten mit KI ist nur eine Übergangsphase. Entscheidend wird, ob KI künftig Prozesse wirklich ausführt. Gleichzeitig diskutieren wir, ob der Super-App-Begriff vor allem strategische Fantasie für den geplanten IPO erzeugen soll – denn OpenAI braucht dringend überzeugende Wachstums- und Monetarisierungsgeschichten.Daran knüpft die Diskussion über den möglichen OpenAI-Börsengang an. OpenAI hat vertrauliche IPO-Unterlagen bei der SEC eingereicht, während auch Anthropic Richtung Börse steuert. Beide Unternehmen werden mit extremen Bewertungen in Verbindung gebracht. Gleichzeitig stehen enorme Infrastrukturkosten, eine große Zahl kostenloser Nutzer und die Frage im Raum, wie aus der beeindruckenden Reichweite von ChatGPT ein tragfähiges Geschäftsmodell entstehen soll.Ein weiterer Themenblock ist Apples WWDC 2026. Die Keynote ordnen wir als eher unspektakulär, aber strategisch wichtig ein: Apple räumt auf, integriert KI stärker in die eigenen Systeme und versucht, Siri endlich zu dem Assistenten zu machen, den viele schon 2024 erwartet hätten. Besonders spannend ist der Vergleich zwischen OpenAIs Super-App-Idee und Apples vertikal integrierter Siri-AI-Strategie. Während Apple durch Kontrolle über Betriebssystem, Apps und Schnittstellen eigentlich die besten Voraussetzungen hätte, blockieren regulatorische Fragen in der EU ausgerechnet den Start auf iPhone und iPad. Wir diskutieren deshalb auch, ob externe KI-Assistenten jemals so nahtlos ins Apple-Ökosystem eingebunden werden können wie Apples eigene Lösung.Anschließend geht es um Meta und die Frage, wie viel Überwachung in KI-Hardware und KI-Training steckt. WIRED hat Code in der Meta AI Companion App entdeckt, der auf ein noch nicht aktiviertes Gesichtserkennungssystem für Ray-Ban- und Oakley-Meta-Brillen hinweist. Wir diskutieren, warum Smart Glasses als Alltagshardware so brisant sind: Sie kombinieren Kamera, Mikrofon, Kontext und potenziell biometrische Erkennung. Aus einer Assistenzfunktion kann sehr schnell eine verteilte Überwachungsinfrastruktur werden. Besonders kritisch sehen wir, dass Meta beim Thema Gesichtserkennung historisch bereits stark vorbelastet ist.Noch eine Ebene weiter geht das interne Meta-Tool Model Capability Initiative. Es soll Mausbewegungen, Klicks, Tastatureingaben und teilweise Screenshots von Mitarbeitenden erfassen, um KI-Agenten besser zu trainieren. Offiziell geht es darum, zu lernen, wie Menschen tatsächlich am Computer arbeiten. Praktisch entsteht aber der Eindruck, dass Mitarbeitende ihre eigenen Automatisierungsnachfolger trainieren. Besonders absurd wirkt die nach Kritik eingeführte Möglichkeit, die Überwachung für 30 Minuten zu pausieren – Privatsphäre in halbstündigen Slots.Zum Abschluss sprechen wir über Anthropics Text „When AI builds itself“ und die Idee rekursiver Selbstverbesserung. Wenn KI-Systeme immer stärker daran beteiligt sind, die nächste Generation von KI zu bauen, beschleunigt sich nicht nur Softwareentwicklung, sondern potenziell auch die KI-Entwicklung selbst. Anthropic warnt vor dieser Dynamik und bringt eine global koordinierte Pause oder Verlangsamung der Frontier-KI-Entwicklung ins Spiel. Wir ordnen das ambivalent ein: Einerseits passt die Warnung zur Safety-DNA von Anthropic, andererseits profitiert ausgerechnet Anthropic aktuell vom eigenen Vorsprung. Die zentrale Frage bleibt: Was passiert, wenn KI nicht nur Arbeit automatisiert, sondern die Werkzeuge baut, mit denen sie sich selbst verbessert?