Speziell anders
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Herr Alltagswahnsinn und Frau Alltagswahnsinn


Podcast

Willkommen bei „Speziell anders“ – dem Podcast, der sich auf besondere Weise mit dem Thema Asperger beschäftigt. In jeder Folge nehmen wir Sie mit auf eine Reise in die Welt des Autismus-Spektrums und beleuchten, was es bedeutet, mit dem Asperger-Syndrom zu leben. Wir sprechen vom Leben, von der Realität und möchten dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und das Verständnis für die Vielfalt menschlicher Wahrnehmung zu fördern. Lassen Sie sich inspirieren und entdecken Sie neue Perspektiven im Leben mit Asperger.

Alle Folgen

  • der Körper bremst, der Kopft arbeitet weiter!

    12.06.202623:30

    Menschen im Autismus-Spektrum sind häufig auf klare Abläufe, Wiederholungen und verlässliche Strukturen angewiesen. Routinen geben Orientierung, senken Stress und machen eine oft unübersichtliche Umwelt besser einschätzbar. Was von außen manchmal wie Starrheit wirkt, ist für Betroffene oft ein wichtiger Schutzmechanismus. Wenn dieser Rahmen wegbricht, entsteht nicht einfach nur Unordnung, sondern echte innere Überforderung. Eine körperliche Einschränkung kann genau diese gewohnte Struktur massiv verändern. Wege dauern länger, Bewegungen sind schmerzhaft oder gar nicht möglich, alltägliche Aufgaben müssen anders geplant werden. Plötzlich funktioniert das, was vorher Sicherheit gegeben hat, nicht mehr. Für einen Asperger-Autisten bedeutet das nicht nur praktische Umstellung, sondern auch eine enorme mentale Belastung. Besonders belastend ist der Widerspruch zwischen innerem Anspruch und äußerer Begrenzung. Der Kopf weiß vielleicht genau, was zu tun wäre: die Wohnung aufräumen, einkaufen gehen, Termine erledigen, wieder „funktionieren“. Der Körper setzt jedoch Grenzen. Diese Diskrepanz kann Frustration, Hilflosigkeit und Schuldgefühle auslösen. Betroffene erleben dann nicht nur die körperliche Einschränkung, sondern auch das Gefühl, den eigenen Erwartungen nicht gerecht zu werden.

  • Special Ägypten - Urlaub mit Hindernissen

    05.06.202637:43

    Für unsere Familie bedeutet ein All-Inclusive-Urlaub im Hurghada Long Beach Resort in Ägypten vor allem, gemeinsam zur Ruhe kommen zu können und den Alltag für eine Weile loszulassen. Besonders schön ist für uns, wenn der Tag überschaubar bleibt und wir vieles in unserem eigenen Tempo gestalten können. Die verschiedenen Restaurants, der direkte Weg zum Strand und die Weitläufigkeit des Resorts geben uns die Möglichkeit, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse in unserer Familie Rücksicht zu nehmen. Feste Orte, vertraute Abläufe und kleine Rückzugsmomente geben uns Sicherheit und machen es leichter, die gemeinsame Zeit wirklich zu genießen. So kann Urlaub für uns nicht nur erholsam, sondern auch wohltuend und verbindend sein.

  • Game over, oder doch Verlängerung

    29.05.202627:11

    Wenn Dinge nicht so laufen wie geplant, wenn plötzlich ein Gerät kaputtgeht und man es nicht selbst reparieren kann, dann ist das für viele Menschen ärgerlich. Für einen Menschen mit Asperger beziehungsweise Autismus kann so eine Situation aber deutlich belastender sein. Der Grund dafür ist nicht mangelnde Belastbarkeit, sondern oft eine besonders intensive Reaktion auf Unvorhersehbarkeit, Kontrollverlust und unterbrochene Abläufe. Was für andere nur eine Störung im Alltag ist, kann sich für autistische Menschen anfühlen wie eine Störung des gesamten inneren Systems. Struktur, Verlässlichkeit und Planbarkeit geben oft Sicherheit. Wenn diese Sicherheit plötzlich wegbricht, entstehen nicht selten starker Stress, innere Unruhe, Frust, Grübeln oder das Gefühl, keine Lösung mehr zu haben. In manchen Fällen kommt es auch zu Rückzug, Erschöpfung oder einem Meltdown. Wichtig ist dabei zu verstehen: Diese Reaktion ist keine Schwäche, sondern Ausdruck davon, wie stark das Nervensystem auf unerwartete Veränderungen reagieren kann. Umso hilfreicher ist es, in solchen Momenten Reize zu reduzieren, das Problem in kleine Schritte aufzuteilen, sich an einen Plan B zu erinnern und Unterstützung von außen zuzulassen.

  • wo führt der Weg hin

    22.05.202622:51

    Die Berufswahl ist für viele Menschen eine große Herausforderung, doch für einen Asperger-Autisten kann sie sich noch deutlich schwerer anfühlen. Oft kreisen die Gedanken nicht nur darum, was interessant ist oder welche Fähigkeiten vorhanden sind, sondern auch darum, welche Umgebung überhaupt auszuhalten ist. Schon die Vorstellung von lauten Büros, unklaren Erwartungen, spontanen Veränderungen oder vielen sozialen Kontakten kann Stress auslösen. Gleichzeitig besteht häufig der Wunsch, etwas zu finden, das wirklich zu den eigenen Stärken passt, etwa Genauigkeit, Ausdauer, Ehrlichkeit, tiefes Fachwissen und die Fähigkeit, sich intensiv mit einem Thema zu beschäftigen. Gerade darin liegt oft der innere Konflikt: Einerseits sind viele Interessen und Begabungen da, andererseits wirken Bewerbungsgespräche, Teamdynamiken oder unausgesprochene Regeln im Berufsalltag wie kaum überwindbare Hürden. Die Angst, missverstanden zu werden oder an Reizüberflutung zu scheitern, kann die Entscheidung zusätzlich erschweren. Deshalb braucht es bei der Berufswahl nicht nur die Frage „Was kann ich?“, sondern auch „Unter welchen Bedingungen kann ich gut arbeiten?“. Ein passender Beruf ist für einen Asperger-Autisten oft nicht einfach irgendein Job, sondern ein Ort, an dem Fähigkeiten ernst genommen, klare Strukturen geschaffen und Besonderheiten nicht als Schwäche, sondern als Teil der Persönlichkeit verstanden werden.

  • Vergangenheit und Neid

    15.05.202623:49

    Vergangene Kränkungen, peinliche Situationen oder Verluste können viele Menschen lange beschäftigen. Bei Menschen im Autismus-Spektrum kann dieses Festhängen an vergangenen Ereignissen besonders belastend sein, weil wiederholtes Grübeln, hohe innere Anspannung, detailgenaue Erinnerung und Schwierigkeiten mit sozialer Einordnung zusammenkommen können. Auch Neid kann eine Rolle spielen: etwa dann, wenn andere scheinbar mühelos soziale Beziehungen, beruflichen Erfolg oder Sicherheit erreichen, während der eigene Weg von Missverständnissen, Überforderung oder Ausgrenzung geprägt war. Fachliche Literatur betont zudem, dass autistische Menschen ein erhöhtes Risiko für belastende und mitunter traumatische Erfahrungen haben und dass Begleitprobleme wie Angst oder Depression mitgedacht werden sollten. Viele Betroffene berichten, dass frühere Erlebnisse nicht einfach „vorbei“ sind, sondern gedanklich immer wieder aktiviert werden. Dahinter können mehrere Faktoren stehen: eine eher starre oder schwer umlenkbare Aufmerksamkeit, intensive Verarbeitung von Fehlern und Ungerechtigkeiten, soziale Unsicherheit sowie die Erfahrung, in Schule, Ausbildung, Arbeit oder Beziehungen wiederholt nicht verstanden worden zu sein. Wenn zusätzlich Mobbing, Beschämung oder chronische Überforderung erlebt wurden, kann die Vergangenheit nicht nur Erinnerung, sondern eine fortdauernde Alarmquelle sein. Moderne Leitlinien empfehlen deshalb, nicht nur auf „autistische Merkmale“ zu schauen, sondern auch auf begleitende psychische Belastungen und auf sinnvolle Anpassungen in Beratung und Behandlung. Neid wird häufig moralisch bewertet, ist psychologisch aber zunächst ein Hinweis darauf, dass etwas Wichtiges als unerreichbar erlebt wird. Bei Menschen mit Asperger-Autismus beziehungsweise im Autismus-Spektrum kann Neid besonders stark werden, wenn soziale Vergleiche ständig Frustration auslösen: Andere wirken spontaner, werden schneller verstanden, finden leichter Anschluss oder scheinen weniger Kraft für den Alltag aufbringen zu müssen. Hinter dem Neid steckt dann oft nicht Missgunst, sondern Trauer über eigene Verluste, das Gefühl von Benachteiligung oder die schmerzliche Erkenntnis, wie viel Energie in Anpassung investiert werden musste. Wird dieses Gefühl verdrängt, kann es sich in Verbitterung, Rückzug oder Selbstabwertung verwandeln. Wird es jedoch erkannt und benannt, kann es ein Ausgangspunkt für Selbstverständnis und Veränderung sein.

  • Hamsterrad läßt grüßen

    08.05.202624:49

    Das Gefühl, im Hamsterrad zu stecken, ist für viele Autisten besonders präsent. Jede Woche wiederholt sich vieles: Routinen, Abläufe, Anforderungen – sie kommen einem oft vorhersehbar, aber auch überwältigend vor. Auch wenn die Welt da draußen erwartet, dass man einfach „funktioniert“, kostet es enorme Kraft, diesen Erwartungen gerecht zu werden, vor allem wenn innere Ressourcen fehlen oder an ihre Grenzen stoßen. Und während man versucht, dem gewohnten Rhythmus nachzugehen, kommen ständig neue Aufgaben, Veränderungen oder Herausforderungen hinzu, die das fragile Gleichgewicht ins Wanken bringen. Dieses ständige Aushalten, obwohl man eigentlich nicht mehr kann, erzeugt einen enormen Druck. Die wiederkehrenden Anforderungen geben zwar Sicherheit, können aber auch zur Belastung werden, besonders wenn sie mit unerwarteten zusätzlichen Verpflichtungen kombiniert werden. Der Gedanke an Erholung rückt oft in weite Ferne, weil das Hamsterrad sich weiterdreht – egal, wie erschöpft man ist. So entsteht ein Kreislauf aus Überforderung und Anpassung, den viele Autisten nur schwer durchbrechen können.