Speziell anders
Speziell anders

Speziell anders

Herr Alltagswahnsinn und Frau Alltagswahnsinn


Podcast

Willkommen bei „Speziell anders“ – dem Podcast, der sich auf besondere Weise mit dem Thema Asperger beschäftigt. In jeder Folge nehmen wir Sie mit auf eine Reise in die Welt des Autismus-Spektrums und beleuchten, was es bedeutet, mit dem Asperger-Syndrom zu leben. Wir sprechen vom Leben, von der Realität und möchten dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und das Verständnis für die Vielfalt menschlicher Wahrnehmung zu fördern. Lassen Sie sich inspirieren und entdecken Sie neue Perspektiven im Leben mit Asperger.

Alle Folgen

  • Planverfahren

    Vor 5 Tagen25:44

    Wenn eine Woche genau nach Plan läuft, fühlt es sich für uns an, als würde die Welt endlich leiser werden. Wir wissen, was als Nächstes kommt, können uns innerlich darauf einstellen und müssen nicht ständig auf Überraschungen reagieren. Jeder eingehaltene Ablauf gibt uns Sicherheit und lässt uns ruhiger atmen. Gleichzeitig kann sich diese Ruhe auch ganz komisch und ungewohnt anfühlen, weil Chaos für uns sonst fast normal ist. Manchmal warten wir dann beinahe darauf, dass doch noch etwas schiefgeht. Am Ende der Woche sind wir nicht erschöpft vom Improvisieren, sondern zufrieden, weil alles seinen Platz hatte – und wir auch.

  • zwischen den Zeilen

    24.07.202627:37

    Frau Alltagswahnsinn hat ein Buch geschrieben – und der Junior hat in seinen Ferien sogar sein eigenes Buch verfasst, damit auch seine Sichtweise gesehen und gehört wird. Nachts wurde bei den beiden nur selten geschlafen, denn die Bücher mussten ja schließlich fertig werden. Und währenddessen lief der ganz normale Wahnsinn einfach weiter: Arztbesuche, Tierarzt zu Hause, Garten, Familie, Alltag – all die verrückten Dinge, die sich in diesen Wochen so nebenbei noch dazugesellt haben. Eben echter Alltagswahnsinn, mit Herz, Chaos und ganz viel Leben.

  • sind wir alle nur Marionetten?

    17.07.202627:39

    Manchmal stellt sich mitten im Leben eine Frage, die leise beginnt und nachts plötzlich laut wird: Bin ich richtig so, wie ich bin – oder funktioniere ich nur noch wie eine Marionette der Gesellschaft? Man arbeitet, bezahlt Rechnungen, erfüllt Erwartungen und versucht, irgendwie mitzuhalten. Doch je mehr man versucht, alles richtig zu machen, desto stärker kann das Gefühl werden, sich selbst dabei zu verlieren. Besonders deutlich wird das bei Abzocke durch Schneeballsysteme. Dort wird Hoffnung verkauft: schnelles Geld, Freiheit, Erfolg, ein besseres Leben. In Wahrheit lebt das System davon, dass immer neue Menschen angeworben werden und ihr Geld einzahlen. Viele merken erst spät, dass sie nicht Teil einer großen Chance waren, sondern benutzt wurden. Zurück bleiben Enttäuschung, Scham und die bittere Frage, warum man darauf hereingefallen ist. Auch im Alltag zeigt sich diese Überforderung. Handwerker müssten Reparaturen erledigen, doch niemand hat Zeit. Termine verschieben sich, Probleme bleiben liegen, und man selbst steht dazwischen: abhängig von anderen, genervt vom Warten, erschöpft vom Organisieren. Es entsteht das Gefühl, dass alles funktionieren soll, aber niemand wirklich frei ist. Jeder rennt, jeder muss liefern, und trotzdem bleibt vieles unfertig. In solchen Momenten kommen Lebenskrisen oft nicht am Tag, sondern in der Nacht. Wenn alles still ist, beginnt das Gedankenkarussell: Was mache ich falsch? Bin ich zu schwach? Habe ich mein Leben selbst gewählt oder nur das getan, was andere von mir erwarten? Die Dunkelheit macht Gedanken größer, und aus einzelnen Sorgen wird schnell ein ganzer Sturm im Kopf. Vielleicht liegt die Antwort nicht darin, perfekt zu funktionieren. Vielleicht bin ich nicht falsch, nur weil ich zweifle, müde bin oder mich betrogen fühle. Vielleicht ist genau diese Frage ein Zeichen dafür, dass noch etwas Echtes in mir lebt – etwas, das nicht nur funktionieren, sondern verstehen will. Ich bin nicht bloß eine Marionette der Gesellschaft. Ich bin ein Mensch, der lernen darf, Grenzen zu setzen, Hilfe anzunehmen und wieder nach dem eigenen Rhythmus zu leben.

  • aber ich habe doch keine Ahnung

    10.07.202627:27

    Wenn bei einem Menschen mit Asperger-Autismus plötzlich viele seltsame, widersprüchliche oder nicht nachvollziehbare Dinge passieren, kann das innere Chaos sehr groß werden. Besonders belastend ist es, wenn zusätzlich der Verdacht auf Korruption im Raum steht und niemand klar sagt, was wirklich passiert. Dann fehlen Orientierung, Sicherheit und verlässliche Informationen. Für autistische Menschen, die oft stark auf Struktur, Logik und Vorhersehbarkeit angewiesen sind, kann so eine Situation wie ein undurchsichtiger Nebel wirken: Man versucht, Muster zu erkennen, Zusammenhänge zu verstehen und sich richtig zu verhalten – aber je mehr Unklarheit entsteht, desto stärker wächst die Überforderung. Es kann zu Rückzug, Grübeln, Misstrauen, Erschöpfung oder dem Gefühl kommen, die Kontrolle zu verlieren. Nicht, weil die Person „zu empfindlich“ ist, sondern weil das Nervensystem mit zu vielen offenen Fragen, sozialen Spannungen und widersprüchlichen Signalen gleichzeitig umgehen muss. In solchen Momenten helfen klare Worte, transparente Abläufe, Ruhe, verlässliche Ansprechpartner und die Möglichkeit, Schritt für Schritt zu verstehen, wohin die Situation führt.

  • der Ball rollt

    03.07.202625:51

    Während ein Spiel läuft oder ein Turnier für Spannung sorgt, gehen die normalen Dinge weiter: Termine, Arbeit, Haushalt, Verpflichtungen, Nachrichten, Erwartungen von anderen Menschen und immer wieder neue Aufgaben. Kaum ist eine Sache erledigt, kommt schon die nächste dazu. Der Alltag läuft und läuft, oft ohne richtige Pause. Dadurch entsteht das Gefühl, dass man nie wirklich fertig wird, sondern ständig reagieren, planen und sich neu einstellen muss. Für einen Menschen mit Asperger kann genau das besonders belastend sein. Viele autistische Menschen brauchen Vorhersehbarkeit, klare Abläufe und verlässliche Strukturen, um sich sicher zu fühlen. Wenn aber immer wieder etwas Neues dazukommt, muss jede Veränderung innerlich verarbeitet werden. Das kostet Kraft, auch wenn es von außen vielleicht klein oder nebensächlich wirkt. Eine zusätzliche Aufgabe, eine unerwartete Nachricht, ein spontaner Termin oder eine Änderung im Tagesablauf können ausreichen, um die innere Anspannung deutlich zu erhöhen.

  • Apokalypse

    26.06.202627:02

    Menschen im Autismus-Spektrum können in Krisen sehr wertvolle Stärken einbringen. Viele denken analytisch, erkennen Muster, behalten Fakten im Blick oder können sich intensiv auf praktische Aufgaben konzentrieren. Damit diese Stärken sichtbar werden, brauchen sie jedoch eine Umgebung, die nicht zusätzlich überfordert. Eine apokalyptische Situation wird dadurch nicht harmlos, aber sie kann bewältigbarer werden, wenn Bedürfnisse ernst genommen und Unterstützung respektvoll organisiert wird.