wenn der Kopf entschieden hat und der Körper nein sagt
Speziell anders
19.06.2026 • 26 Min.
Besonders schmerzhaft ist der Moment, in dem man sich selbst nicht versteht. Man denkt: „Ich habe es doch entschieden. Ich habe zugesagt. Ich weiß doch, dass es wichtig ist.“ Daraus entstehen schnell Schuldgefühle. Man nennt sich faul, empfindlich, undiszipliniert oder schwierig. Doch diese Begriffe beschreiben nicht, was wirklich passiert. Der Körper sagt nicht Nein, um zu sabotieren. Er sagt Nein, weil er schützt. Er zieht die Notbremse, wenn die Belastung zu hoch wird. Diese Grenze ernst zu nehmen, ist kein Rückschritt. Es ist Selbstwahrnehmung. Wenn der Kopf entschieden hat und der Körper Nein sagt, entsteht kein persönliches Versagen. Es entsteht ein Hinweis. Vielleicht war der Tag zu voll, die Umgebung zu laut, die Erwartung zu unklar oder die Anpassung zu lange zu stark. Für Asperger-Autistinnen und Asperger-Autisten kann Selbstfürsorge bedeuten, diesen Hinweis nicht wegzudrücken, sondern ihn zu lesen. Der Kopf darf planen. Aber der Körper darf mitentscheiden. Denn ein Leben im Autismus-Spektrum braucht nicht nur Willenskraft, sondern auch Schutzräume, Pausen, Klarheit und die Erlaubnis, die eigene Grenze ernst zu nehmen.