Sichtbar in ChatGPT & Co.: Wenn KI dich nicht kennt, finden dich deine Kunden nicht
Unternehmer:Leben
01.10.2026 • 50 Min.
Klassische Reichweite funktioniert immer schlechter. LinkedIn zeigt Beiträge nur noch einem Bruchteil der früheren Nutzer, Google verliert seine Rolle als alleiniger Einstiegspunkt und immer mehr Menschen stellen ihre Fragen direkt an ChatGPT, Claude, Perplexity und andere KI-Systeme.Die Konsequenz ist ziemlich grundlegend: Es reicht künftig nicht mehr, nur für Menschen sichtbar zu sein. Auch Maschinen müssen verstehen, wer du bist, wofür deine Marke steht und warum du für eine bestimmte Frage relevant bist.In dieser Folge sprechen Veronika und Fabian Westerheide darüber, was diese Veränderung ganz konkret für ihre eigenen Projekte bedeutet: für Fabians Positionierung als KI-Speaker, für die Rise of AI und für den Aufbau von Ever After Now.Fabian erzählt, warum seine LinkedIn-Beiträge heute teilweise nur noch einen Bruchteil der früheren Reichweite erzielen – und warum ihn das trotzdem nicht automatisch beunruhigt. Entscheidend ist für ihn nicht mehr nur, wie viele Menschen einen Beitrag sehen, sondern wer ihn sieht. Weniger Reichweite kann trotzdem wertvoll sein, wenn darunter genau die Entscheider, Unternehmen und Medien sind, die für das eigene Geschäft relevant sind.Gleichzeitig verändert sich aber auch die Suche selbst. Fabian berichtet, wie seine Speaker-Webseite so aufgebaut wird, dass nicht nur Menschen, sondern auch Sprachmodelle besser verstehen können, wer er ist und zu welchen Themen er arbeitet. Es geht um strukturierte Inhalte, klare Entitäten, Wikidata und die Frage, wie man dafür sorgt, dass KI-Systeme Menschen, Unternehmen, Bücher oder Projekte richtig miteinander verknüpfen.Auch bei der Rise of AI experimentieren die beiden mit neuen Ansätzen. Mehr als 250 Konferenzvideos aus vielen Jahren sollen mit Hilfe von KI sortiert, strukturiert und besser zugänglich gemacht werden. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, wie weit autonome KI-Agenten von echter Zuverlässigkeit noch entfernt sind. Ein Agent, der selbstständig Eventkalender finden und befüllen sollte, scheitert unter anderem an Captchas, Formularen und beginnt teilweise sogar, sich erfolgreiche Einträge zusammenzuhalluzinieren.Veronika berichtet parallel über den Aufbau von Ever After Now und darüber, wie schwierig es geworden ist, eine neue Marke sichtbar zu machen. Sie lässt unterschiedliche KI-Systeme bewusst gegeneinander arbeiten: Perplexity für Recherche, Claude für Struktur und Analyse, ChatGPT für Marketing und Texte und DeepL für sprachlichen Feinschliff. Dabei stellt sich immer wieder dieselbe Frage: Wie baut man Inhalte, die Menschen gerne lesen und gleichzeitig von Maschinen richtig verstanden werden?Die zentrale These der Folge lautet deshalb: Die wichtigste Frage ist vielleicht bald nicht mehr, wie du möglichst viel Reichweite bekommst. Sondern wie du es schaffst, Teil der Antwort zu werden, die eine KI auf eine relevante Frage ausspielt.Im zweiten Teil wechseln Veronika und Fabian von der digitalen in die physische Welt. Es geht um Embodied AI – also künstliche Intelligenz, die einen Körper bekommt.Fabian ordnet ein, was hinter den spektakulären Videos von humanoiden Robotern steckt, warum ein Roboter im Haushalt noch deutlich schwieriger ist als ein spezialisierter Industrieroboter und weshalb gerade spezialisierte Anwendungen zuerst wirtschaftlich sinnvoll werden dürften.Deutschland hat mit Unternehmen wie NEURA Robotics und Micropsi Industries interessante technologische Kompetenzen. Gleichzeitig schaut Fabian auf China. Nach Solar, Batterien und Elektroautos baut das Land auch im Bereich Robotik enorme Produktionskapazitäten auf. Seine Einschätzung: Deutsche Unternehmen können besonders in spezialisierten industriellen Nischen stark sein, während China beim Massenmarkt über Skalierung und Preis enormen Druck erzeugen könnte.Zum Schluss geht es noch einmal zurück zur vielleicht größten Frage der Folge: Was passiert mit dem Internet, wenn immer mehr Webseiten, Texte, Bilder und Inhalte von denselben KI-Systemen produziert werden?Wenn plötzlich alles professionell aussieht, aber vieles gleich klingt, könnten echte Erfahrungen, originelle Perspektiven und Vertrauen wieder deutlich wichtiger werden.Und genau deshalb ist die neue Sichtbarkeit mehr als nur ein Marketingthema. Es geht darum, ob Kunden, Medien und KI-Systeme überhaupt verstehen, wer du bist – und warum sie dich auswählen sollten.