2 Christian Meier im Gespräch: Zeuge des Jahrhunderts
Vor 2 Tagen•2:27:28
Am 13.9.2026 hatte ich die Ehre und Freude, bei Professor Christian Meier in der Nähe von München zu Gast zu sein – einem der bedeutendsten deutschen Historiker der Gegenwart, der mit seinen 97 Lebensjahren aus eigener Erfahrung fast ein ganzes Jahrhundert überblicken kann. Vielen ist Christian Meier als Althistoriker bekannt: durch seine Cäsar-Biographie, seine Arbeiten zur Entstehung des Politischen bei den Griechen, zur Geschichte des antiken Athen und zur Krise der römischen Republik. Ebenso prägend war und bleibt sein anhaltendes Interesse an der Gegenwart unseres Gemeinwesens, dokumentiert etwa in Werken wie „Von Athen bis Auschwitz“ und „Das Gebot zu vergessen und die Unabweisbarkeit des Erinnerns“. Begleitet wurde ich von meinem Freund Professor Patrick O. Cohrs, der nach Lehrtätigkeiten als Historiker an den Universitäten Oxford, Harvard und Yale zur Zeit an der Universität Florenz lehrt. Er beschäftigt sich mit der Geschichte internationaler Politik seit Mitte des 19. Jahrhunderts als dem Zeitraum, in dem allmählich und von den Weltkriegen unterbrochen eine atlantische Ordnung entstand. Sein 1100 Seiten umfassendes Werk The New Atlantic Order – Transformation of International Politics 1860 – 1933 ist 2022 bei Cambridge University Press erschienen. Er hat eine besondere Beziehung zu Christian Meier, der seinen Zugang zur Geschichtswissenschaft geprägt hat, und deshalb war es für mich besonders schön, dass er am Gespräch teilgenommen hat. Ich habe mit seiner Unterstützung nach dem 11. September 2001 für den Bergedorfer Gesprächskreis der Körber Stiftung, der zuvor jahrzehntelang insbesondere dem deutsch-sowjetischen Dialog des Kalten Krieges und der darauffolgenden Phase deutsch-russischer Beziehungen gewidmet war, sozusagen von Null ein transatlantisches Netzwerk aufzubauen und in entsprechende Gesprächsformate umzusetzen. Patrick Cohrs wird in einer späteren Episode von WAS UNS TRÄGT mein Gesprächspartner sein. In der ersten Stunde unseres Gesprächs berichtet Christian Meier minutiös und mit erstaunlicher Plastizität der Erinnerungen über seine Kindheit und Jugend im Dritten Reich, in der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR, wo er in Rostock sein Studium beginnt - bis er in Konflikt mit dem Regime kommt und sich über Berlin nach Heidelberg absetzt. Es geht dann um sein Werk und um Fragen von dessen heutiger Aktualität angesichts der Krisenlage der freiheitlichen Demokratie im Konflikt zwischen den unseren bisherigen politisch-medialen Mainstream beherrschenden Kräften und jener 'Alternative', die sich dem Anspruch auf Alternativlosigkeit entgegenstellt. Christian Meier hat sich lebenslang mit Krisen der Demokratie bzw. der Republik beschäftigt, von Athen über Rom bis zu Weimar - und unser Gespräch mündet in Betrachtungen zur Gegenwart.