Volles Auftragsbuch, leere Kasse
Volles Auftragsbuch, leere Kasse

Volles Auftragsbuch, leere Kasse

Wirtschaftsforum Morning Brief


Vor 5 Tagen • 5 Min.

Stimmungseinbruch im GaLaBau, Preisschere als Mechanik, Kalkulationsprüfung als Konsequenz Eine Branche mit vollen Auftragsbüchern und sinkenden Erträgen, zur Leitmesse GaLaBau 2026 in Nürnberg. Was der Garten- und Landschaftsbau gerade zeigt, gilt für jeden Mittelständler, dessen Preise langsamer gestiegen sind als seine Kosten. Was passiert ist Der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) hat im Frühjahr 2026 seine Mitgliedsbetriebe befragt. Ergebnis: 51,8 Prozent beurteilen ihre Geschäftslage als gut (Vorjahr: 65,0 Prozent). Die Auftragsreichweite liegt unverändert bei achtzehn Wochen im Neubau und achtzehn Wochen in der Pflege. Die Ertragslage dagegen hat sich deutlich verschlechtert: 65,2 Prozent der Betriebe nennen sie unbefriedigend oder verbesserungsfähig (Vorjahr: 54,5 Prozent). Der Anteil der Betriebe, die ihre Lage als schlecht bezeichnen, ist von 2,8 auf 8,2 Prozent gestiegen, hat sich also fast verdreifacht. An der Umfrage haben sich 699 Betriebe aus elf Landesverbänden beteiligt; die Umfrage läuft seit 2005. Wie es wirklich funktioniert Das Muster ist strukturell: Kosten steigen sofort, Preise erst beim nächsten Angebot. Wer viereinhalb Monate ausgebucht ist, arbeitet die im Frühjahr kalkulierten Aufträge ab, ohne neue Preise durchsetzen zu können. Hinzu kommen angespannte Kommunalhaushalte als größter Auftraggeber sowie Konsumzurückhaltung im Privatbereich. Ein Auftrag, der wegen zu hoher Preise nicht stattfindet, taucht in keiner Statistik als Verlust auf. Der Ausblick der Betriebe auf die nächsten sechs Monate: 84,2 Prozent vergeben die Schulnoten eins bis drei (Vorjahr: 89,5 Prozent), die Erwartungen sinken, aber deutlich weniger dramatisch als die aktuelle Stimmung. Was es im Betrieb bedeutet Die Prufffrage lautet: Welcher Auftrag aus diesem Jahr würde heute, mit den heutigen Kosten, noch einmal zum selben Preis angeboten? Lautet die Antwort „die wenigsten", ist das Auftragsbuch keine Vermögensposition, sondern eine Hypothek mit Liefertermin. Wer auf der Auftraggeberseite sitzt und den Preis drücken will, liest dieselben Zahlen besser andersherum: Eine Branche mit vollen Büchern und schwacher Rendite hat keinen Anlass, billiger zu werden, aber jeden Anlass, sich auszusuchen, für wen sie arbeitet. Zahl des Tages Acht- bis zehntausend Stellen sind im Garten- und Landschaftsbau unbesetzt, auch wenn die Zahl der offenen Stellen und Arbeitsuchenden leicht zurückgeht. Wer nicht mehr Stunden verkaufen kann, muss in derselben Stunde mehr fertig bekommen. Das ist der Grund, warum die Leitmesse in Nürnberg heute mit einem neuen Schwerpunkt für Digitalisierung und Automatisierung startet. Eine Sache noch Die meisten anderen Branchen haben nicht einmal eine Messe, auf der sich das Problem besichtigen ließe. Dass die GaLaBau 2026 ausgerechnet einen neuen Zukunftsraum zu Digitalisierung und KI eröffnet, ist die Antwort der Branche auf fehlende Hände: Wer nicht mehr Stunden verkaufen kann, muss in derselben Stunde mehr fertig bekommen. Ob die Rechnung aufgeht, zeigt der nächste Abschluss, nicht der Messestand. Zahlen und Details Geschäftslage gut: 51,8 % (Vorjahr 65,0 %); befriedigend 40,1 % (32,1 %); schlecht 8,2 % (2,8 %) Auftragsreichweite Neubau: 18 Wochen (Vorjahr 19); Pflege: 18 Wochen (Vorjahr 18) Ertragslage unbefriedigend oder verbesserungsfähig: 65,2 % (Vorjahr 54,5 %) Ausblick sechs Monate, Noten 1 bis 3: 84,2 % (Vorjahr 89,5 %) Branchenumsatz 2025: 11,11 Mrd. Euro; Beschäftigte: 131.746 Offene Stellen (geschätzt auf Basis BA-Statistik und Meldequote 40 bis 50 %): 8.000 bis 10.000 Teilnehmende Betriebe Frühjahrsumfrage: 699 von 4.254 Mitgliedsbetrieben in elf Landesverbänden GaLaBau 2026, Nürnberg: 15. bis 18. September 2026, rund 1.100 Aussteller, NEU: ZUKUNFTSRAUM Digitalisierung und KI