Der Kaffee, das Bewusstsein und die Narkose
Young Urban Anesthesiologists
Vor 5 Tagen • 1 Std. 13 Min.
Es ist zwanzig vor sieben. Wasser läuft durch gemahlene Bohnen. Zwei Stunden später steht man am Kopf eines OP-Tisches — und mitten im Satz ist der Mensch weg. Kaffeekochen und Bewusstseinsverlust gehorchen derselben Mathematik. Das steht nicht in einem Feuilleton, sondern 2015 in Physical Review Letters — in einem Paper einer anästhesiologischen Arbeitsgruppe der University of Pittsburgh: Zhou, Mowrey, Tang und Xu, Percolation Model of Sensory Transmission and Loss of Consciousness Under General Anesthesia. Ohne eine einzige Rechnung klären wir: - was Perkolation ist — und warum Espresso, Herdenimmunität und Narkose dieselbe Familie von Phänomenen sind, - wie ein hierarchisches, fraktales Small-World-Netzwerk mit einem einzigen Parameter p (Übertragungswahrscheinlichkeit) auskommt, - warum dieses Modell gleichzeitig Frequenzverschiebung, Burst Suppression, Synchronisation und Anteriorisierung reproduziert, - warum Burst Suppression in diesem Bild kein Generator braucht — sondern ein Zufallsfenster, - warum die Anteriorisierung keine Spezifität der Anästhetika voraussetzt, - und was bei p ≈ 0,3 passiert, wenn aus Rauschen plötzlich ein Bild wird. Eine Folge für alle, die gern über die großen Fragen nachdenken — und ein Plädoyer dafür, dass der Sprung bei der Einleitung nicht das Rätsel ist, sondern die Erklärung. hier gehts zum [Feedback und EFN-Formular](https://forms.gle/uFpbYdDPcut7CQQr6) Achtung: Fortbildungspunkte können nur innerhalb von 4 Wochen nach Veröffentlichung der Episode beantragt werden. Eine nachträgliche Meldung ist bei der Ärztekammer leider nicht möglich.