Die Aswang der Philippinen: Tagsüber Mensch, nachts Monster (Ostasiatische Folklore erklärt)
12.06.2026•24:11
Tagsüber ist sie deine Nachbarin. Schüchtern, unauffällig, freundlich. Nachts spaltet sie sich in zwei Hälften, sproßt Flügel und jagt.Die Aswang ist das gefürchtetste Wesen der philippinischen Folklore — und kein einzelnes Monster, sondern ein ganzes System des Schreckens: Vampire, Gestaltwandler, Hexen, Leichendiebe und Wesen, die Ungeborene aus dem Mutterleib saugen. Schon die spanischen Kolonisatoren im 16. Jahrhundert notierten, dass nichts auf dem Archipel so gefürchtet war wie die Aswang. Und der Glaube lebt bis heute.In dieser Episode tauchen wir tief ein: Wir sprechen über die fünf Typen der Aswang nach dem Folkloristen Maximo Ramos, über den Tik-Tik und seine kontraintuitive Akustik, über die Legende von Teniente Gimo aus Dueñas, und darüber, wie spanische Missionare den Aswang-Glauben nutzten, um die Priesterinnen der vorkolonialen Gesellschaft zu zerstören. Wir schauen uns an, warum die Provinz Capiz als „Aswang-Hauptstadt" gebrandmarkt ist — und was eine seltene neurologische Krankheit damit zu tun hat. Und wir erzählen die Geschichte der vielleicht absurdesten CIA-Operation des Kalten Krieges: Als der amerikanische Geheimdienst echte Leichen inszenierte, um philippinische Rebellen mit Vampirmythen in die Flucht zu schlagen.Quellen und weiterführende Literatur:Maximo D. Ramos: „The Aswang Complex in Philippine Folklore" (1990)Maximo D. Ramos: „The Creatures of Philippine Lower Mythology" (1960er)Juan de Plasencia: „Costumbres de los Tagalos" (1589)Jordan Clark / The Aswang Project (aswangproject.com) — Dokumentation und ForschungEdward G. Lansdale: „In the Midst of Wars" (Memoiren)Lee et al.: „Sex-linked recessive dystonia parkinsonism of Panay, Philippines (XDP)" (2001)----Author: Cris FrickenschmidtMehr zu "Blanker Horror": www.blankerhorror.de