Klasse Literatur
Klasse Literatur

Klasse Literatur

Mesut Bayraktar


Podcast

Ich heiße Mesut Bayraktar und bin Autor. In diesem Podcast spreche ich mit Gästen über klassische und neue Literatur. Die Titel werden mit Klassenperspektive eingeordnet und diskutiert, unabhängig vom vorgegebenen Kanon.

Alle Folgen

  • Ep. 11 „Die Mandarins von Paris“ von Simone de Beauvoir

    29.07.20261:18:33

    Liegt das Schicksal des linken Intellektuellen in seiner Handlungsunfähigkeit? „Die Mandarins von Paris" erschien 1954. Simone de Beauvoir schildert darin das Leben französischer Intellektueller nach dem Zweiten Weltkrieg in Paris. Sie ringen am Vorabend des Kalten Kriegs mit der Frage, welche Rolle künftig Intellektuelle spielen können und sollen. So erinnern die Figuren zwar an Arthur Koestler, Jean-Paul Sartre, Albert Camus oder die Autorin selbst, dennoch ist das Buch keine verschlüsselte Biografie. Es ist eine literarische Auseinandersetzung mit einer intellektuellen Szene. In dieser Folge spreche ich mit dem Autor Rick Lupert über ein Paradebeispiel für existenzialistische Literatur und ihre Grenzen.

  • Ep. 10 „Transit“ von Anna Seghers

    18.07.20261:24:18

    Was ist ein antifaschistischer Roman? Im Werk von Anna Seghers nimmt „Transit" eine besondere Stellung ein. Der Exilroman spielt während des Zweiten Weltkriegs und erzählt die Geschichte eines namenlosen deutschen Flüchtlings in Frankreich. Seghers schrieb den Text 1942 im mexikanischen Exil. Er erschien 1944 zunächst auf Englisch und Spanisch, die deutsche Ausgabe folgte 1948. Der Roman wurde vielfach für das Theater adaptiert und von anderen Schriftstellerinnen und Schriftstellern aufgegriffen. Zuletzt kam 2018 die gleichnamige Verfilmung mit Franz Rogowski in der Hauptrolle in die Kinos. In dieser Folge spreche ich mit der Publizistin und Philosophin Günseli Yilmaz über die Kunst des antifaschistischen Schreibens bei Anna Seghers.

  • Ep. 9 „Der geteilte Himmel“ von Christa Wolf

    06.07.20261:29:02

    Welche Literatur entsteht, wenn man die Trennung von Kunst und Arbeiterklasse überwindet? „Der geteilte Himmel" erschien 1963 und ist die erste umfangreiche Erzählung von Christa Wolf. In der DDR wurde der Roman positiv aufgenommen, weil er den Sozialismus grundsätzlich bejahte, gleichzeitig aber auch Probleme und Widersprüche offen ansprach. In der westdeutschen BRD konzentrierte sich die Kritik auf die psychologische Tiefe und den Stil, sodass man westlich der Elbe vom Inhalt abstrahierte. Heute wird der Roman fälschlicherweise auf den Bau der Berliner Mauer 1961 verkürzt. In dieser Folge spreche ich mit der Sozialwissenschaftlerin und Redakteurin von kritisch-lesen Johanna Bröse über die Stärken einer Literatur im sozialistischen Aufbau.

  • Ep. 8 „Der Absturz“ von Édouard Louis

    08.06.20261:17:00

    Wie über jemanden schreiben, dessen Perspektive durch die eigene ersetzt wird? „Der Absturz" von Édouard Louis erschien 2025 in Frankreich und 2026 in deutscher Übersetzung. Darin porträtiert er das Leben und den Tod seines älteren Bruders. Laut Louis ist das Buch „der Abschluss eines Familienfreskos, das vor zehn Jahren begann". Auffällig ist diesmal, wie sehr Psychologie im Gegensatz zu Klassenanalyse in den Vordergrund rückt. Wie zuletzt ist auch dieser Text kurz und hat viele Absätze. Solche Texte würden nicht verlegt werden, doch Louis garantiert den verlegerischen Erfolg. In dieser Folge spreche ich mit dem Journalisten und Autor Olivier David über den Nutzen und Wert von Louis' Büchern für die Arbeiterklasse.

  • Ep. 7 „Die leeren Schränke“ von Annie Ernaux

    25.05.20261:17:38

    Kann man aus Klassenhass Literatur machen? „Die leeren Schränke" ist ein Schlüsseltext für das Gesamtwerk von Annie Ernaux. Es ist 1974 erschienen, als sie 34 Jahre alt war, und handelt von der Bildungsaufsteigerin Denise Lesur. Der Text zeigt schon früh die typische Verbindung von persönlicher Erinnerung und Kapitalismus-Kritik in Ernaux' Prosa. In ihrer Nobelpreisrede 2022 sagte sie, dass sie seit ihrem 22. Lebensjahr schreibt, „um meine Klasse zu rächen". Der autofiktionale Debütroman steht am Anfang ihrer Klassenliteratur. In dieser Folge spreche ich mit der Sozialwissenschaftlerin und Redakteurin Lena Hezel, wie Erfahrungen und Situationen von Menschen aus der arbeitenden Klasse die Literatur verwandeln.

  • Ep. 6 „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Gabriel García Márquez

    11.05.20261:16:36

    Ist Fiktion notwendig, um realistisch zu schreiben? Der Roman „Hundert Jahre Einsamkeit" (1967) des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez erzählt den Aufstieg und Untergang der Familie Buendía im Dorf Macondo und verbindet reale Geschichte mit fantastischen, mythischen Ereignissen. In seiner Nobelpreisrede hob Márquez 1982 hervor, wie sehr der Kolonialismus und der Imperialismus Europas und Nordamerikas die Geschichte Lateinamerikas geprägt hat und dass deshalb der Westen Lateinamerika exotisiert und politisch bevormundet -- bis heute. In dieser Folge spreche ich mit der Sprachwissenschaftlerin und Autorin Svenja Hauerstein über die Einsamkeit beim Schreiben über koloniale und imperialistische Gewalt.