Klasse Literatur
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Mesut Bayraktar


Podcast

Ich heiße Mesut Bayraktar und bin Autor. In diesem Podcast spreche ich mit Gästen über klassische und neue Literatur. Die Titel werden mit Klassenperspektive eingeordnet und diskutiert, unabhängig vom vorgegebenen Kanon.

Alle Folgen

  • Ep. 14 „Am laufenden Band“ von Joseph Ponthus

    Vor 6 Tagen1:18:24

    Ist Arbeiterliteratur noch zeitgenössisch? Joseph Ponthus schildert in seinem Versroman „Am laufenden Band" (2019) seine Erfahrungen als Zeitarbeiter in Fischfabriken und Schlachthöfen in der Bretagne. Der Roman steht in der Tradition der Arbeiterliteratur und ist in freien Versen ohne festes Reimschema geschrieben. So erzeugt er einen poetischen Ausdruck für die Neoliberalisierung von Lohnarbeitsverhältnissen, für die Klassengegensätze und für die körperliche Arbeit heute. Ponthusʼ „Aufzeichnungen aus der Fabrik" stehen unverkennbar im Kontext der Gelbwesten-Bewegung In dieser Folge spreche ich mit dem Journalisten Özgün Kaya über den 2021 verstorbenen Joseph Ponthus und sein großartiges Porträt über die Lohnabhängigen in der Lebensmittelindustrie.

  • Ep. 13 „Kunst und Proletariat“ von Clara Zetkin

    27.08.20261:14:18

    Ist Kunst wirklich frei? Darüber denkt die Kommunistin und Politikerin Clara Zetkin in ihrem kurzen und erstaunlich aktuellen Text „Kunst und Proletariat" nach. Er erschien im Januar 1911 in der Frauenzeitschrift Die Gleichheit. Allein ideengeschichtlich ist der Text hochinteressant, weil Zetkin Marxismus, klassische deutsche Ästhetik und die Debatten der Moderne zusammenführt, ästhetische Probleme ebenso wie kulturpolitische Herausforderungen der Arbeiterbewegung im Kapitalismus reflektiert. Sie spricht gleichermaßen Arbeiter, Politiker und Künstler an. In dieser Folge spreche ich mit der Malerin und Aktivistin Sophie Linde über künstlerische Entwicklungsmöglichkeiten durch den Klassenkampf von unten.

  • Ep. 12 „Flüchtlingsgespräche“ von Bertolt Brecht

    14.08.20261:37:52

    Wie kann Literatur in die Wirklichkeit eingreifen? „Flüchtlingsgespräche" von Bertolt Brecht entstand 1940--41 im Exil. Veröffentlicht wurde die Prosa erst 1961. Brecht hatte den Text immer wieder überarbeitet. Die Prosa über Flucht, Krieg, Antifaschismus und Klassenkampf vereint wesentliche Aspekte seiner Ästhetik. Schließlich endet mit diesem Jahr die urheberrechtliche Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod von Brecht am 14. August 1956. Sein Werk wird ab dem 1. Januar 2027 Gemeineigentum. In dieser Folge spreche ich mit dem Autor und Politikwissenschaftler Ingar Solty über einen der wichtigsten Autoren des 20. Jahrhunderts und sein Literaturverständnis.

  • Ep. 11 „Die Mandarins von Paris“ von Simone de Beauvoir

    29.07.20261:18:33

    Liegt das Schicksal des linken Intellektuellen in seiner Handlungsunfähigkeit? „Die Mandarins von Paris" erschien 1954. Simone de Beauvoir schildert darin das Leben französischer Intellektueller nach dem Zweiten Weltkrieg in Paris. Sie ringen am Vorabend des Kalten Kriegs mit der Frage, welche Rolle künftig Intellektuelle spielen können und sollen. So erinnern die Figuren zwar an Arthur Koestler, Jean-Paul Sartre, Albert Camus oder die Autorin selbst, dennoch ist das Buch keine verschlüsselte Biografie. Es ist eine literarische Auseinandersetzung mit einer intellektuellen Szene. In dieser Folge spreche ich mit dem Autor Rick Lupert über ein Paradebeispiel für existenzialistische Literatur und ihre Grenzen.

  • Ep. 10 „Transit“ von Anna Seghers

    18.07.20261:24:18

    Was ist ein antifaschistischer Roman? Im Werk von Anna Seghers nimmt „Transit" eine besondere Stellung ein. Der Exilroman spielt während des Zweiten Weltkriegs und erzählt die Geschichte eines namenlosen deutschen Flüchtlings in Frankreich. Seghers schrieb den Text 1942 im mexikanischen Exil. Er erschien 1944 zunächst auf Englisch und Spanisch, die deutsche Ausgabe folgte 1948. Der Roman wurde vielfach für das Theater adaptiert und von anderen Schriftstellerinnen und Schriftstellern aufgegriffen. Zuletzt kam 2018 die gleichnamige Verfilmung mit Franz Rogowski in der Hauptrolle in die Kinos. In dieser Folge spreche ich mit der Publizistin und Philosophin Günseli Yilmaz über die Kunst des antifaschistischen Schreibens bei Anna Seghers.

  • Ep. 9 „Der geteilte Himmel“ von Christa Wolf

    06.07.20261:29:02

    Welche Literatur entsteht, wenn man die Trennung von Kunst und Arbeiterklasse überwindet? „Der geteilte Himmel" erschien 1963 und ist die erste umfangreiche Erzählung von Christa Wolf. In der DDR wurde der Roman positiv aufgenommen, weil er den Sozialismus grundsätzlich bejahte, gleichzeitig aber auch Probleme und Widersprüche offen ansprach. In der westdeutschen BRD konzentrierte sich die Kritik auf die psychologische Tiefe und den Stil, sodass man westlich der Elbe vom Inhalt abstrahierte. Heute wird der Roman fälschlicherweise auf den Bau der Berliner Mauer 1961 verkürzt. In dieser Folge spreche ich mit der Sozialwissenschaftlerin und Redakteurin von kritisch-lesen Johanna Bröse über die Stärken einer Literatur im sozialistischen Aufbau.