Klasse Literatur
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Klasse Literatur

Mesut Bayraktar


Podcast

Ich heiße Mesut Bayraktar und bin Autor. In diesem Podcast spreche ich mit Gästen über klassische und neue Literatur. Die Titel werden mit Klassenperspektive eingeordnet und diskutiert, unabhängig vom vorgegebenen Kanon.

Alle Folgen

  • Ep. 8 „Der Absturz“ von Édouard Louis

    08.06.20261:17:00

    Wie über jemanden schreiben, dessen Perspektive durch die eigene ersetzt wird? „Der Absturz" von Édouard Louis erschien 2025 in Frankreich und 2026 in deutscher Übersetzung. Darin porträtiert er das Leben und den Tod seines älteren Bruders. Laut Louis ist das Buch „der Abschluss eines Familienfreskos, das vor zehn Jahren begann". Auffällig ist diesmal, wie sehr Psychologie im Gegensatz zu Klassenanalyse in den Vordergrund rückt. Wie zuletzt ist auch dieser Text kurz und hat viele Absätze. Solche Texte würden nicht verlegt werden, doch Louis garantiert den verlegerischen Erfolg. In dieser Folge spreche ich mit dem Journalisten und Autor Olivier David über den Nutzen und Wert von Louis' Büchern für die Arbeiterklasse.

  • Ep. 7 „Die leeren Schränke“ von Annie Ernaux

    25.05.20261:17:38

    Kann man aus Klassenhass Literatur machen? „Die leeren Schränke" ist ein Schlüsseltext für das Gesamtwerk von Annie Ernaux. Es ist 1974 erschienen, als sie 34 Jahre alt war, und handelt von der Bildungsaufsteigerin Denise Lesur. Der Text zeigt schon früh die typische Verbindung von persönlicher Erinnerung und Kapitalismus-Kritik in Ernaux' Prosa. In ihrer Nobelpreisrede 2022 sagte sie, dass sie seit ihrem 22. Lebensjahr schreibt, „um meine Klasse zu rächen". Der autofiktionale Debütroman steht am Anfang ihrer Klassenliteratur. In dieser Folge spreche ich mit der Sozialwissenschaftlerin und Redakteurin Lena Hezel, wie Erfahrungen und Situationen von Menschen aus der arbeitenden Klasse die Literatur verwandeln.

  • Ep. 6 „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Gabriel García Márquez

    11.05.20261:16:36

    Ist Fiktion notwendig, um realistisch zu schreiben? Der Roman „Hundert Jahre Einsamkeit" (1967) des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez erzählt den Aufstieg und Untergang der Familie Buendía im Dorf Macondo und verbindet reale Geschichte mit fantastischen, mythischen Ereignissen. In seiner Nobelpreisrede hob Márquez 1982 hervor, wie sehr der Kolonialismus und der Imperialismus Europas und Nordamerikas die Geschichte Lateinamerikas geprägt hat und dass deshalb der Westen Lateinamerika exotisiert und politisch bevormundet -- bis heute. In dieser Folge spreche ich mit der Sprachwissenschaftlerin und Autorin Svenja Hauerstein über die Einsamkeit beim Schreiben über koloniale und imperialistische Gewalt.

  • Ep. 5 „Der Dschungel“ von Upton Sinclair

    21.04.20261:29:47

    Wie beeinflusst das Leben im Arbeitermilieu das Schreiben? Das lässt sich am Werk des US-amerikanischen Schriftstellers Upton Sinclair gut nachvollziehen. Für seinen Roman „Der Dschungel" (1906) lebte Sinclair unter Arbeiterinnen und Arbeitern in Chicago und arbeitete zeitweise selbst in den Fabriken der Fleischindustrie. Die Geschichte des litauischen Einwanderers Jurgis Rudkus und seiner Familie entlarvt den „American Dream": Sie erleben grausame Arbeitsbedingungen und die Verdinglichung von Lebewesen. Einen Ausweg deutet Sinclair im Sozialismus an. Gerade aufgrund seines investigativen und dokumentarischen Charakters ist der Text auch nach über 120 Jahren noch aktuell. In dieser Folge spreche ich mit dem Autor und Journalisten Matthias Rude über die revolutionären Potenziale einer Literatur an der Schwelle zwischen Erzählung und Bericht.

  • Ep. 4 „Martin Eden“ von Jack London

    30.03.20261:19:58

    Bleibt am Ende nur die Einsamkeit des proletarischen Schriftstellers im bürgerlichen Literaturbetrieb? Der Roman „Martin Eden“ (1909) von Jack London nimmt viele Fragen und Widersprüche vorweg, die in der Neuen Klassenliteratur thematisiert werden. Der Roman gehört zu den wichtigsten Werken des US-amerikanischen Schriftstellers und Sozialisten. London bezeichnete sein Buch als „Angriff auf die Bourgeoisie“. Die autobiografische Herangehensweise ist unverkennbar. Es geht um die Geschichte des Arbeiters Martin Eden, der sich durch das Schreiben in das Bildungsbürgertum hocharbeiten will. In dieser Folge spreche mit dem Juristen und Publizisten Daniel Polzin über den unmöglichen Aufstieg eines proletarischen Schriftstellers mit Klassenbewusstsein.

  • Ep. 3 „I Furiosi / Die Wütenden“ von Nanni Balestrini

    12.03.20261:22:33

    Wie viel Wut braucht Klassenliteratur? Der Roman „I Furiosi / Die Wütenden“ (1994) des italienischen Schriftstellers Nanni Balestrini spielt im Milieu der organisierten Fußballfans – der Ultras – rund um den Verein AC Milan. Balestrini (1935–2019) hat sich in seinem Schreiben immer wieder mit politischer Radikalisierung und sozialen Bewegungen in Italien beschäftigt. Dabei hat auch „I Furiosi“ einen dokumentarischen Kern. Der Text basiert auf Interviews mit Ultras und verdichtet ihre Stimmen zu einer ungewöhnlichen Literaturform: unversöhnlich und direkt. In dieser Folge spreche ich mit dem Publizisten und Politikwissenschaftler Raphael Molter über das literarische Schreiben im Zusammenhang mit Fußballfankultur und Klassenkampf.