Fake History
Fake History

Fake History

Matthias Franck und Helmut Rehmsen


Podcast

Columbus hat Amerika entdeckt, König Artus war ein edler Ritter und Caesar war ein genialer Feldherr. Es gibt nicht nur Fake News, sondern auch Fake History. Geschichte ist das, was die Mächtigen erzählen. Kaiser, Herrscher, Präsidenten. Sie erzählen von ihren Siegen, Eroberungen und Heldentaten. Kurz, sie erzählen, wie sie selbst gern gesehen werden wollen. So entstehen Mythen, Halbwahrheiten und Lügen. Legenden, die wir glauben, einfach, weil sie uns immer wieder so erzählt werden. Und sich dadurch ins kollektive Bewusstsein eingebrannt haben. Was passiert, wenn man nach den Besiegten fragt? Wenn man die Perspektive der Untertanen und Unterdrückten einnimmt? Wenn man nach Interessen fragt und nicht nur schwarz und weiß malt, sondern alle Farben einer Geschichte zulässt? Dann entpuppen sich viele der Heldensagen als: Fake History, als Lügen, Legenden und Irrtümer der Geschichte.

Alle Folgen

  • Der russische Angriff auf die Ukraine Teil2

    Vor 4 Tagen23:39

    Im März 2022 gab es ein kleines Zeitfenster, in dem ein schneller Waffenstillstand und Friedensverhandlungen möglich schienen. Die Formel des so genannten Istanbuler Kommuniqués hieß: Keine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine, die dafür aber Mitglied der EU werden könnte. Doch die NATO unterstützte diese Verhandlungen nicht. Und bei einem Besuch des britischen Premiers Boris Johnson in Kiew machte der dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj klar, dass ein miltärischer Sieg Vorrang vor einem Frieden zu schlechten Konditionen sei. US-Außenminister Austin erklärte am 25. April 2022 in Ramstein, die USA wolle Russland auf Dauer militärisch schwächen. Zu dieser Schwächung gehörte auch die Verhinderung der deutsch-russischen Gaspipeline Nordstream2. US-Präsident Biden hatte kurz vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine gesagt: "Wenn Russland einmarschiert, dann wird es Nordstream2 nicht mehr geben." Insofern rückt die Frage nach der Urheberschaft des Anschlags auf Nordstream2 in den Mittelpunkt. Inzwischen ist wohl klar, dass die CIA in die Sprengung durch ein ukrainisches Team eingeweiht war. Das enstspricht der Wolfowitz-Doktrin, nach der ein Bündnis zwischen Russland und Deutschland nicht im Interesse der US-Außenpolitik liegt.

  • Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine

    Vor 4 Tagen28:56

    Hat der russisch-ukrainische Krieg wirklich erst mit dem russischen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 begonnen? Oder mit der Annexion der Krim? Oder vielleicht schon sehr viel früher? Für die Beurteilung ist die Vorgeschichte des Krieges wichtig. In der ersten Folge dieser Episode geht es darum, wie umkämpft die Ukraine durch die Jahrhunderte war. Sie geriet immer wieder zwischen die Fronten der europäischen Machtpolitik. Nach dem Zerfall der Sowjetunion versuchte die Ukraine, als neutraler Staat ihren Platz zwischen Russland und dem Westen zu finden. Für Russland war der Verzicht auf eine NATO-Osterweiterung für das eigene Sicherheitsinteresse von großer Bedeutung. Aber die NATO-Beitritte von Polen Tschechien, Ungarn, später dann auch von Rumänien und den baltischen Staaten wurde von Russland als Provokation empfunden. Als dann auch noch die Ukraine in die NATO aufgenommen werden sollte, war für Russland eine rote Linie überschritten. Eine große Rolle für die Außenpolitik der USA spielt dabei die Wolfowitz-Doktrin, nach der ein Bündnis zwischen Russland und Deutschland unbedingt verhindert werden soll. Deshalb war den USA auch das deutsch-russische Projekt Nordstream 2 ein Dorn im Auge.

  • Mythos Marathon

    17.07.202629:47

    Die überlieferte Geschichte des Marathon-Laufs geht so: Nach der Schlacht von Marathon im Jahr 490 vor Christus, bei der die Griechen die eindringenden Perser zurückschlagen konnten, läuft ein griechischer Bote nach Athen, und ruft: „Wir haben gesiegt!“ Und fällt dann tot um. Eine perfekte Geschichte. Ein Mann, eine Botschaft, ein Opfer. Das ist Hollywood, lange bevor Hollywood erfunden wurde. Was stimmt: Die Perser landen bei Marathon, etwa vierzig Kilometer nordöstlich von Athen. Für Athen ist das eine existenzielle Bedrohung. Die Perser sind die Großmacht der Zeit. Die Athener wissen, allein wird das schwierig. Wir müssen Hilfe holen. Also schicken sie einen professionellen Botenläufer los. Einen sogenannten Hemerodromos, einen Tageläufer. Diese Männer waren die Expressdienste der Antike. Und dieser Läufer heißt bei Herodot, der wichtigsten frühen Quelle, Pheidippides, manchmal auch Philippides. Er läuft nicht von Marathon nach Athen, sondern von Athen nach Sparta. Das sind ungefähr 240 Kilometer. Aber jetzt kommt der entscheidende Punkt: Herodot erwähnt an keiner Stelle den berühmten Lauf von Marathon nach Athen mit anschließendem Tod. Diese Geschichte taucht erst viel später auf, bei Autoren wie Plutarch und Lukian und dort auch noch mit unterschiedlichen Namen. Das heißt, der Marathonlauf, wie wir ihn kennen, beruht auf einer späteren Verdichtung. Aus einem überlieferten Botenlauf nach Sparta wird irgendwann ein dramatischer Todeslauf nach Athen. Eigentlich müsste die Disziplin also nicht Marathon heißen, sondern Spartathlon. Aber der Mythos Marathon hatte etwas, das der Sparta-Lauf nicht hatte: Er war knapp, dramatisch, einfach zu erzählen. Ein Mann, ein Sieg, ein Tod. Zeitsprung: Die modernen Olympischen Spiele werden geplant. Pierre de Coubertin will ein internationales Sportfest schaffen, das an die Antike anknüpft. Und dann kommt Michel Bréal, ein französischer Sprachwissenschaftler, mit einer Idee: Warum nicht einen Lauf von Marathon nach Athen veranstalten? 1896, bei den ersten modernen Olympischen Spielen in Athen, wird dieser Lauf tatsächlich ausgetragen. Die Strecke beträgt ungefähr 40 Kilometer. Und ausgerechnet ein Grieche gewinnt den Lauf. Spiridon Louis läuft als Erster ins Panathinaikos-Stadion ein und wird ein Volksheld. 2 Stunden, 58 Minuten, 50 Sekunden. Für damalige Verhältnisse eine Sensation. Griechenland gerät in einen nationalen Rausch. Der Marathon ist geboren, nicht als exakt vermessene Sportdisziplin, sondern als patriotisches Theater.. Wohlgemerkt: Um 1900 herum war Marathon eher eine Idee als eine Zahl. Mal 40 Kilometer, mal etwas mehr, mal etwas weniger. Das hielt nicht so genau. Aber dann kommt Olympia London 1908. Und jetzt wird es very britisch: Der Marathon soll am Windsor Castle starten und im White City Stadium enden. Ursprünglich denkt man an 26 Meilen. Das wären, wir nehmen es jetzt mal ganz genau, 41,8429 Kilometer gewesen. Dann kommen Wünsche des Königshauses ins Spiel. Der Startpunkt soll möglichst so liegen, dass die königlichen Kinder ihn vom Castle aus sehen können. Und das Ziel soll vor der königlichen Loge liegen. Also wird die Strecke etwas angepasst. Und landet bei exakt bei 42,195 Kilometern. Und so ist es bis heute geblieben.

  • Land of the free Teil 2

    05.07.202636:28

    Die USA feiern 2026 ihren 250. Geburtstag. In diesen 250 Jahren haben die Vereinigten Staaten rund 400 Kriege geführt: Vom Bürgerkrieg der Anfangsjahre über die Weltkriege bis zum Kampf gegen den Terrorismus. Die USA waren damit in ihrer Geschichte gewissermaßen in einem Dauerkriegszustand. Vordergründig ging es dabei immer um die Verbreitung von Demokratie und Freiheit. Doch allzuoft waren die wahren Motive andere: Sicherung von Rohstoffen,,Kampf gegen Kommunismus, Wahrung von Einflusszonen. Woher kommt dieser aggressive Wesenzug? Und was davon findet sich schon im Gründungsmythos der USA?

  • Land of the free

    05.07.202630:52

    Die USA feiern in diesen Tagen ihren 250. Geburtstag. Am 4. Juli 1776 wurde die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet. Die USA sind damit die älteste moderne Demokratie. Doch unter der Präsidentschaft von Donald Trump fragen sich auch viele Amerikaner, wie demokratisch die USA noch sind. Gab es von Anfang an Geburtsfehler der US-Demokratie, die ohne die Vertreibung der indigenen Bevölkerung und die Versklavung von Schwarzen nicht denkbar wäre?

  • Sanktionen

    28.06.202621:37

    Sanktionen gegen Staaten werden oft so begründet: Sie sind besser als Krieg, Sie machen Druck auf die Regierungen der Länder und fordern keine Todesopfer. Doch das sind, bei näherem, d.h. wissenschaftlichem Hinsehen zwei Fake-Geschichten in einem Satz. Denn Sanktionen fordern weltweit jedes Jahr etwa 500 Tausend Tote. Und betroffen sind nicht in erster Linie die Regierungen, Oligarchen, Diktatoren oder sonstige Machthaber, es sind besonders Kinder der betroffenen Staaten. . Das ist das Ergebnis einer umfangreichen Studie des Ökonomen Prof. Francisco Rodriguez von der Universität Denver in Colorado. Er hat die Studie gemeinsam mit seinen Kollegen Silvio Rendón und Mark Weisbrot im vergangenen Jahr In der renommierten Wissenschaftszeitung The Lancet Global Health veröffentlicht.