#8 Erwachsenwerden
07.06.2026•50:17
In der achten Sitzung der Pension Alcatraz nehmen sich Tina Voß und Dietmar Wischmeyer zum mittlerweile dritten Mal das Erwachsenwerden vor und stellen am Ende fest: stattgefunden hat es bei beiden noch nicht. Stattdessen geht es um Schützenfest-Pinkeltechnik, Brust-Skulpturen im Vorgarten, einen Hahn namens Fridolin, Campinos Gemeinschaftsgrab und die Frage, welche Dosensuppe man kalt essen darf. Die Themen dieser Episode im Überblick: • Partnergefängnis Alcatraz: Die neue Rubrik, die Dietmar partout keine Rubrik nennen will, startet standesgemäß mit dem Namensgeber. Tina war als Besucherin dort und kaufte danach ihr Haus, Dietmar hat auf einer Gefängnisinsel geheiratet. Erkenntnis: Vom Knast aus guckt man ohnehin nur auf die Wand, die Insel ist egal. • Servicebereich Immobilien: Von der größten Flussinsel Europas (Harriersand in der Weser, mit Blick auf den Schüttguthafen) über das Wellnesshotel mit Betonwerk gegenüber bis zur Marienburg, von der man auf das Zementwerk Pattensen schaut. Die Lehre: lieber das Zementwerk haben als drauf gucken. • Die Tittomanie im Vorgarten: Die Vorbesitzer haben überall Brust-Skulpturen verteilt, manche mit Gerippe-Kopf, eine auf einem großen Fuß. Dietmar hätte sie längst in den Betonschredder geworfen. Tina hat nach sechs Jahren noch eine von einer Hand umklammerte Steinschlange im Efeu entdeckt. • Fridolin schlägt 4:08 Uhr: Tina übernachtet bei einer Gartenparty in Brandenburg im Wohnmobil, vier Meter neben dem Hühnergehege. Der Hahn kräht im freien Rhythmus, Tina wünscht ihm im Halbschlaf den Hals und gerät danach in Manifestations-Panik, als ein totes Huhn aus dem Gehege getragen wird. • Junggesellenabschied und Hosenvergrabung: Warum man mit über 50 noch heiratet, wenn die Silberhochzeit statistisch außer Reichweite liegt. Dazu die Hose-Vergraben-Zeremonie als sublimierte Form der Vorhaut-Vergrabung und ein Exkurs über den kleinen Zeh, der eigentlich nur im Strumpf hängen bleibt. • Campinos Gemeinschaftsgrab: Der Tote-Hosen-Sänger kaufte 2001 siebzehn Plätze auf dem Düsseldorfer Südfriedhof, drei sind belegt. Es schließen sich heikle Fragen an: Verwirkt man seinen Platz durch Scheidung, und darf man Gräber eigentlich bei Airbnb untervermieten? • Sargbretter im Vorgarten: Dietmar will sich vom Bekannten mit der Horizontal-Gattersäge die eigenen Sargbretter sägen und ein paar Jahre trocknen lassen, ganz wie sein Opa. Tina warnt vor feuchtem Holz und dem sich verziehenden Sarg. Nebenbei: Gatter, Gittelde und warum der Ort eigentlich „Muschitaun“ heißt. • Die Sandwich-Jahre: Die Phase zwischen 30 und 40, eingeklemmt zwischen pubertierenden Kindern und alternden Eltern, dazu Karriere und unbezahlbares Eigenheim. Und der Psycho-Bubble, der jetzt auch hierzulande verlangt, dass das innere Kind Heimat findet. • Wann hört die Jugend auf? Dietmars Kindheit endete mit zwölf, seine Jugend mit 41, definiert über die Abwesenheit jeder Altersvorsorge. Tina dachte schon als Teenager an die Zukunft, allerdings nur bis zum nächsten Disko-Donnerstag. Dazu ihr geiziger Berufssoldaten-Freund, der seine Buletten zählte. • Das Dosensuppen-Seminar: Kalte Ravioli, die Bihun-Suppe, der Schnippelbohnen-Eintopf von Sonnen-Bassermann und der Arktisforscher, den bleiverlötete Dosen ins Grab brachten. Erwachsensein heißt am Ende: selbst entscheiden, wann und was es zu essen gibt, und sei es Spaghetti mit Ketchup auf offenem Feuer. Das Fazit nach knapp einer Stunde: Erwachsensein hat bei beiden noch nicht angefangen. Sollte es das je tun, gibt es einen dritten Podcast.